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Umweltpolitik

Umweltpolitik

Heute ist der 1. Juli. Der Tankrabatt ist ausgelaufen. Prompt gingen wie zu erwarten war die Preise an den Tankstellen wieder durch die Decke. Das war allerdings auch schon am Vortag erkennbar.

Ich habe am Sonntag früh für 1.769 Euro vollgetankt, weil ich nach Duttweiler zum Rennen fahren wollte. Gestern kostete E10 an derselben Tankstelle bereits 1.969, heute sind wir bei 1.939 Euro. Man darf durchaus den Eindruck gewinnen, da habe jemand eine günstige Gelegenheit genutzt und Gewinnmitnahme betrieben. Zur Zeit der Preisspitze galt der Rabatt ja noch.

Was ist da nun das mögliche Problem? Die CO2-Bepreisung wird ja mit vermeintlichem Umweltschutz begründet. Solcher setzt jedoch die Möglichkeit dazu voraus, will heissen Autofahrer müssen ausweichen können. Da nicht davon auszugehen ist dass man Fahrten einfach unterlassen kann führt fehlende Alternative eben genau zu einem: höheren Kosten. Der angegebene Zweck ist unrealistisch, und das kann bekannt sein.

Schauen wir uns die Alternativen hier mal an? Am Sonntag nach Duttweiler hätte es gar keine gegeben. Den Bus 507 hat man ja während der Kirchweih eingestellt. Kein Bus, keine Nutzung, und keiner wandert von Neustadt aus da über Land. Das findet man regelmäßig. Wenn es wo was zu besuchen gibt, seien das Feste, seien das Sportveranstaltungen, wird fast ausnahmslos der öffentliche Nahverkehr eingestellt. Ich nenne das kontraproduktiv.

Pendeln zur Arbeit und Einkauf bringt dieselbe Erkenntnis. Die Linien des ÖPNV sind fast alle auf die Stadt ausgerichtet. Die Einkaufsmöglichkeiten und Gewerbegebiete sind derweil aber auf der grünen Wiese. Hier in der Gegend kann man das deutlich sehen. Die Supermärkte liegen nicht da wo die Tram lang fährt, die werden aber gezielt mit Straßen angebunden, auf denen man nur Auto fahren darf, und eine Fahrt aus dem Ried nach Weiterstadt oder Bauschheim ist eine Weltreise. Niemand fährt da mit dem Fahrrad, das ist lebensgefährlich. Du kommst mit dem Bus bis Griesheim, ab da nimmst du die Tram nach Darmstadt, wo du irgendwie mit einem anderen Bus nach Weiterstadt kommst. Das dauert, wenn es überhaupt eine Verbindung gibt. Nach der Arbeit zum Arzt ist so nicht möglich. Ach, du sollst dir ja die Ärzte nach dem Arbeitsort aussuchen? Nächstes Problem, die sind eben nicht im Gewerbegebiet!

Das weiss man, und die Politik will das so! Das Auto ist in Darmstadt ein Feindbild. Dabei ist es aber doch so dass man die Kaufkraft der Abwandernden durchaus vermisst, wie man selbst offen beklagt. Man kann nicht beides haben! Parkplätze abschaffen, Zufahrten sperren, Läden schließen, die Wege verlegen – das führt eben zu Wanderungsbewegungen, weil andere Orte so attraktiver werden. Diese anderen Orte heissen oft und gerne Packstation! In Darmstadt das Nötige zu bekommen ist zur Lotterie geworden. Die einst vorhandenen Läden sind nicht mehr. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Noch schaut das in Frankfurt besser aus, aber auch da kostet es mehr Zeit von A nach B zu kommen als es die Mühe wert wäre. Mit der Bahn da hin zu fahren heisst nämlich auch, alles heim tragen zu müssen. Der Handel hat auf politischen Druck keine Tüten mehr, und im Jutetäschchen kann man keine Kleidung heim bringen, wenn es draussen regnet oder schneit!

Dann muss man sich die Fahrpläne ansehen. Man kann auch Lottoscheine dazu sagen. Östlich Richtung Hanau und Aschaffenburg sind die Gleise für Bauarbeiten gesperrt, Mainz wird umfänglich umgebaut und fällt auch aus. Die Main-Weser-Bahn Richtung Kassel ist nach Brand eingestellt. Bis da wieder was fährt wird es dauern. Damit sind die wichtigsten ÖV-Verkehrsachsen unbenutzbar! Ersatzverkehre mit Bussen ohne Fahrplan sind die schöne Umschreibung für ein Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Real nicht nutzbar. Und die Bahn gibt das indirekt auch zu.

Einen Ausflug in den Odenwald zu machen gleicht einer Reise nach Berlin vor 1989. Direkte Verbindungen gibt es nicht. Was es gibt schaut wie ein besseres Provisorium aus. Aufgrund der Verbundgrenzen gibt es für alle, die kein Deutschlandticket besitzen, nicht mal überall hin durchgehende Fahrkarten. Mit dem Bus nach Griesheim, mit der Tram nach Darmstadt zum Bunker, zum Bahnhof wandern, weil direkt nichts fährt, von dort nach Bensheim oder Weinheim fahren, und sich von da irgendwie nach Osten durchschlagen ist etwas, das real kein Autobesitzer auch nur in Erwägung ziehen wird. Die Tarnbezeichnung Mozartturm kann nicht darüber hinwegtäuschen wozu das Bauwerk dort einstmals gut war. Das alles ist so kompliziert dass man es entweder sein lässt bevor man es begonnen hat, oder man fährt eben doch Auto.

Schaut man in die offiziellen Kalender, z.B. bei Rad-Net, merkt man schnell dass die wichtigen Sportveranstaltungen auch nicht um die Ecke vom Bahnhof stattfinden. Fast alle Radrennen zum Beispiel sind nur noch mit dem Auto erreichbar. Die haben sich wohl in die Pampa verkrochen. Die Teilnehmer kommen mit ihrem Gepäck ohnehin nicht mit dem Bus, weil der dafür gar nicht eingerichtet ist, und Zuschauer braucht man eh keine. Das wird so ja recht offen eingeräumt.

Welche Schlussfolgerung bleibt da? Die Regierung hat geschworen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. In Wahrheit führt sie diesen aber selbst herbei, denn es glaubt doch keiner die Besteuerung würde unter solchen Umständen etwas bringen? Du kannst real nur wählen ob du daheim bleibst und auf alles verzichtest, oder die Preise schluckst. Das ist aber nicht der Sinn der Sache!

Den Reichen wird das egal sein, die können sich ihre Nobelkarosse mit Fahrer leisten. Es sind aber gerade die, die es sich nicht leisten können, die bei der nächsten Wahl hoffentlich die nötigen Schlüsse aus einer solchen Politik ziehen und danach handeln. Umweltschutz beginnt hier nicht bei Steuererhöhungen, sondern bei der Schaffung von brauchbaren und praxisgerechten Angeboten! Wie gesagt, was nicht fährt kann keiner nutzen. Die Linienführung stammt aus einer Zeit von vor mehr als 50 Jahren und wurde seitdem kaum dem Bedarf angepasst. Wenn es eine solche Bedarfsabfrage je gegeben hat folgte die einzig und alleine dem Arbeitsweg der Masse. Alles andere fiel hinten runter. So gibt es in obigem Beispiel noch immer keine direkte Verbindung aus dem Ried nach Weiterstadt zu den Märkten und Einkaufszentren, oder einen Bus nach Bauschheim zu Globus. Es gibt einen zum Rüsselsheimer Bahnhof, der aber kaum wem nützt. Es gibt keinen direkten Bus mehr nach Darmstadt. Warum? Dazwischen liegt die Kreisgrenze, und alle Beteiligten handeln nach dem Kirchturmprinzip. Alles ausserhalb unserer Sichtweise existiert nicht! Die angeregte Verlängerung der Tram von Griesheim ins Ried wird seit fast 50 Jahren zerredet. Haben wollen, aber es darf nichts kosten! Ich weiss nicht ob ich das noch erleben werde, denn davor ist ja auch noch die Rheinstraßenbrücke, die den einzigen Zugang aus Westen nach Darmstadt bietet, und marode ist. Die ist gesperrt, wird bald abgerissen, und dann kommt voraussichtlich lange nichts. Auch keine Tram mehr. Die Schilder für die Ersatzbusse stehen schon. Die Planungen wurden suspendiert, die Bahn habe kein Geld. Das musste sie ja in Stuttgart vergraben, und da spricht man derweil ja nicht mehr von Stuttgart21, sondern von S31.

Fahrten sind in Südhessen nur entlang der beiden Hauptbahnen sinnvoll, aber es gibt kaum Quervermaschung. Nach Rheinhessen überzusetzen ist real kaum möglich, der Rhein ist Grenze. Die einzigen Brücken gibt es in Worms und Mainz, dazwischen ist Wasser. Fähren in Gernsheim und Kornsand sind ohne Auto nicht erreichbar. Direkte Busse gab es mal, sogar bis nach Bad Kreuznach. Heute aber nicht mehr. Mit Öffis nach Mainz, Wiesbaden, Hanau oder Aschaffenburg? Du kommst von Groß-Gerau mit seinen Ämtern nicht mal mit der Bahn nach Darmstadt, da ist der Bus schneller. Es ist nichts wirklich koordiniert, alles ist auf das Auto ausgerichtet! Das ist seit Jahrzehnten gewollt so, und wird nicht angefasst. Ein Bus die Stunde ist bestenfalls mit sehr viel gutem Willen ein Alibi. Praktisch nutzbar ist das nicht. Der Bahnhof der Riedbahn liegt in der Kreisstadt Groß-Gerau im Stadtteil Dornberg, der an der Bahn von Darmstadt nach Mainz und Wiesbaden eben am Nordrand der Stadt. Dazwischen sind 5 Km Leere. Muss das sein? Kann man nicht beide Bahnhöfe zu einem Turmbahnhof zusammenlegen, mit einem Busbahnhof davor?

Das beschreibt in etwa den Zustand unseres Landes. Noch Fragen, Kienzle?

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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