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Christopher Street Day

Christopher Street Day

Frankfurt/Mannheim/Stuttgart – „The first CSD was a riot!“. Anlass dieser Veranstaltungen war ursprünglich Protest gegen Polizeigewalt. Da gab es eben eine Razzia, seinerzeit in einem Szenelokal in der besagten Christopher Street in New York, mit unrühmlichen Folgen. Seitdem gibt es Jahr für Jahr solche Aktionen und Proteste. Weltweit.

Der Christopher Street Day, kurz CSD, ist eine Kulturveranstaltung der besonderen Art. Während der warmen Jahreszeit, warm dabei ausdrücklich mit vielschichtiger Konnotation, gastiert er Wochenende für Wochenende in einer anderen Stadt, stets begleitet von politischen Reden, einer mehr oder weniger umfangreichen Demo, und einer Party. Das in Frankfurt war keine kleine Veranstaltung. Die Polizei schätzt die Beteiligung auf 15.000 Personen, und unter den Festrednern waren auch Vertreter von Stadt und Land.

Dabei kommt man sich als Besucher aus verschiedensten Gründen vor wie bei einer Zweitauflage von Fasching. Sie trugen seltsame Kostüme und zogen ziellos umher? Wer im Spätwinter die Karnevalsumzüge besucht hat bekommt diesen Eindruck unmittelbar bestätigt. Da finden sich die gleichen Mottowagen wieder, die man da auch schon gesehen hat. Andere Leute, andere Parolen, aber die gleichen Wagen. Recycling der besonderen Art? Wo es beim Karneval Bonbons oder Konfetti regnet fallen hier mitunter Billyboys vom Wagen, oder es werden Fromms von Hand zu Hand gereicht. Unverhofft kommt oft! Oder es werden Kärtchen mit szenetypischen Adressen verteilt. Werbung in eigener Sache. Unter den Teilnehmenden sind auch bekannte Firmen quer durch’s Beet von großen Banken bis hin zur Deutschen Bahn gewesen. Das betrifft eben auch die Kostüme. Bunt sind sie auf jeden Fall. Ganz besonders in den Farbtopf gefallen sind in Frankfurt ja bekanntermaßen die fünf bis sechs Jungs und manchmal auch Mädels der Aidshilfe, die sozusagen die Galeonsfiguren dieser Veranstaltung bilden. Siehe mein Beitragsbild, aufgenommen gestern in Frankfurt.

So sieht das für Außenstehende nun mal aus. Die Macher legen dabei regelmäßig Wert darauf, dass es eben nicht um Klamauk, sondern um ernstgemeinte politische Forderungen geht. Es geht um gesellschaftlichen Umgang, es geht um Lebensweisen, es geht im weitesten Sinn darum, wer festlegt, wie Menschen zusammenleben.

Toleranz ist dabei ein wichtiger Begriff. Was ist das? Toleranz steht auch für Duldsamkeit. Wer Toleranz fordert erwartet von anderen, Verhaltensweisen zu dulden, die nicht unbedingt der Ansicht der Mehrheit entsprechen. Diese Ansicht der Mehrheit ist nun aber variabel und hat sich gleich aus welchen Gründen bereits mehrfach geändert. Viele sehen heute Dinge als normal an, für die man früher noch gelyncht worden wäre. Es geht da auch um Sitte und Moral, beides Werte, die besonders gerne von der Kirche beansprucht werden, wobei das heute auch ein Problem in sich sein kann, weiss man doch dass, wer sich (zu Recht) über „Kinderschänder“ aufregt selbst die Finger bei sich behalten sollte!

Nicht alle, die da Toleranz fordern, sind auch bereit, sie selbst zu üben. Das ist aber Voraussetzung. Was man von anderen erwartet hat zunächst eigenes Credo zu sein. Wer eine solche Demo aber mal besucht hat wird erleben, dass diese Leute keine homogene Gruppe bilden, genauso wenig wie der Rest der Gesellschaft. Da sind Strömungen verschiedenster Art, und niemand hat ein Recht andere wegen derer Ansichten anzugreifen. Diskutieren kann man über fast alles. Aber nur ohne Gewalt. Es gibt Dinge, die man in der Öffentlichkeit nun mal nicht macht. Hierbei dreht es sich in diesem Kontext besonders um Fragen, wer warum wann mit wem ins Bett steigt. Das endet teilweise noch lange nicht bei Handlungen, die andere überwiegend als fragwürdig bezeichnen. Es kann viel im gemeinsamen Konsens sein, aber nicht alles! Was da nicht an die Öffentlichkeit gehört kann man bedarfsweise in den eigenen vier Wänden oder an anderen für Unbeteiligte nicht einsehbaren Orten machen, wenn man das unbedingt will, aber nicht da wo es von zufällig Vorbeikommenden nicht erwartet wird. Welche Verhaltensweisen da vorkommen können werde ich hier nicht im Detail ausbreiten. Sonst kommen wir rasch zu Themen aus dem horizontalen Gewerbe etc. Um den Austausch von Körperflüssigkeiten soll es hier aber gerade nicht gehen. Wer das braucht wird sich die Nummer schon besorgen können, oder?

Haben diese Menschen ein Anrecht darauf, ihre Meinung kund zu tun? Selbstverständlich! Haben Dritte ein Anrecht darauf, ihnen Umgang und Verhalten vorzuschreiben? Soweit sie nicht tangiert sind, nein. Das ist eben immer so. Jede/r hat dasselbe Recht, sein Leben zu gestalten, wie andere auch. Die Grenzen findet diese Freiheit eben da, wo dieselben Rechte anderer betroffen sind. Das kann man im Grundgesetz nachlesen, und es bedarf keiner Erörterung.

In diesen Kreis fällt auch, wie da vorgekommen bei einem örtlich bekannten Lokal nachts die Fenster einzuwerfen. Gewalt ist keine Lösung für gar nichts! Wer mit Mitteln a la 1933 arbeitet, auch bekannt als Münchner Brauereikeller, gehört geistig in eben diese Schublade. Das braucht hier keiner.

Wie gesagt: Demokratie braucht keine Alternative! Keine braune, und auch sonst keine. Es ist beileibe nicht alles okidoki im Land, aber mit Gewalt wird das niemand ändern. Das geht nur mit Überzeugungsarbeit, und um eben die geht es hier.

Für Interessierte: Der CSD in Mannheim war vergangene Woche, der in Stutttgart soll nächstes Wochenende kommen. Diese „Umzüge“ eignen sich auch für Fotoamateure, sie sind voll mit Fotomotiven, auch wenn man mit dem Thema für sich selbst nicht viel anzufangen weiss. Viele gehen ja wie gesagt auch zu Jahrmärkten, ohne etwas kaufen zu wollen, oder zu Faschingsumzügen, ohne der Narretei verfallen zu sein. So muss man weder schwul noch lesbisch sein, um sich eine Parade anzuschauen. Ja, das hören einige dort nicht gerne, aber es ist so. Das ändert nichts daran, dass die grundlegende Forderung nach Gleichbehandlung berechtigt ist.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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