Konzeptfragen
Das Beitragsbild offenbart ungewollt ein konzeptionelles Problem. Wir sehen hier zwei Züge der Deutschen Bahn. Abgesehen von der Lackierung sind sie physikalisch weitgehend gleich.
Die Aufnahme habe ich gestern in Mannheim gemacht. Sie zeigt links den TwinDexx RE70 nach Ankunft in Mannheim Hauptbahnhof, rechts einen verspäteten IC zur Weiterfahrt nach Karlsruhe. Das ist ein Zug, der aus fünf Doppelstockwagen besteht, geschoben wird der aber von einer Lokomotive. Während der TwinDexx aus zwei motorisierten Endwagen und zwei herkömmlichen Doppelstockwagen im Mittelteil besteht hat der IC eine tauschbare Lok. Das ist also der optisch sofort sichtbare Unterschied. Zur Fahrt selbst tut das wenig. Beide Züge können ähnlich schnell werden, nach meinem Kenntnisstand nämlich 160 km/h, soweit die Strecke es hergibt.
Der wesentliche Unterschied besteht aus zweierlei. Einmal die Betreiber. Der RE wind von DB Regio betrieben, der IC von DB Fernverkehr. Für Kunden wesentlich ist aber der damit verbundene Tarif. Während man den RE mit Deutschlandticket nutzen kann braucht es für den IC eine eigene Fahrkarte, die erheblich mehr kostet. Automatisch mehr Komfort bekommt man dafür aber nicht, die Inneneinrichtung ist soweit gleich. Man nennt diese Züge im Volksmund ja nicht völlig grundlos auch Teppich-RE. Mitunter fahren beide „in Personalunion“, wie die IC/RE von Stuttgart in Richtung Schweiz, die soweit ich weiss bis Singen auch mit Nahverkehrstickets nutzbar sind. Ein Zug mit verschiedenen Tarifen. Seit Einführung des Deutschlandtickets gibt es da nun immer wieder Streit. Für manche ist das Deutschlandticket politisch motiviert einfach eine „stark rabattierte“ Fahrkarte, für andere ein „ganz normales“ Nahverkehrsticket. Manche IC darfst du damit nutzen, andere nicht.
Liebes Deutschland, was soll das? Warum müssen sich unbedarfte Kunden mit politisch motivierten Sinnfragen auseinandersetzen, wenn sie Bahn fahren wollen? Man muss da fast soviel Details kennen wie die Mitarbeiter der Bahn selbst. Es ist kein Wunder wenn mögliche Kunden der Bahn auf der Fahrt von A nach B da nicht mehr durchblicken, und aus Furcht vor Repressalien ins Auto steigen. Das kostet zwar auch Geld, man weiss aber dass man ankommt und nicht unterwegs wie ein Schwerverbrecher behandelt wird, wenn ein Beschäftigter gerade seinen schlechten Tag hat.



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