Mobilität
Gänse schnattern! Viel und laut. Früher hat die Magd die Herde auf eine andere Wiese getrieben wenn der Futtervorrat aufgefressen war. Heute wartet oft und gerne an Sankt Martin der Kochtopf! Was sie sagen bleibt oft genug ein Rätsel. So auch in der Politik! Was man von anderen wünscht hat oft wenig bis nichts mit den Möglichkeiten zu tun. Aber wer wünscht hat auch zu ermöglichen! Das zu begreifen ist wichtig!
„Steuerzahler-Präsident Reiner Holznagel sagt zu BILD, die Koalition habe endlich verstanden, dass Mobilität bezahlbar bleiben müsse.“ heißt es dazu in dem Blatt mit vier Buchstaben.
Wie es da mit der Wahrheit aussieht kann bekannt sein. 17 Cent pro Liter Steuererleichtungen, die nicht mal unbedingt beim Verbraucher ankommen werden, spielen real keinerlei Rolle! Keine jedenfalls wenn die Frage lautet ob wer zur Arbeit fahren kann oder nicht. Die übrigen Prämien und Entlastungen sind „Kannkinder“. Die Regierung bestellt, andere sollen zahlen! Aha. Wer macht das? Die Wirtschaft hat überhaupt keinen Anlass, den Wünschen der Regierung hier zu folgen, noch sagt wer wo das Geld dafür herkommen soll. Wieder mal.
Man hat die CO2-Abgabe mit der Begründung eingeführt, Benzin verteuern zu wollen um so den Umstieg auf umweltfreundlichere Treibstoffe zu fördern. Real gibt es solche Möglichkeiten für die breite Masse aber gar nicht! Hier wird erneut nur dafür gesorgt dass weniger gut Betuchte sich Reisen nicht mehr leisten können. Es ist also „Klassenkampf“! Der Bankdirektor macht fünfmal im Jahr Urlaub auf Gran Kanaria, der Arbeiter aus der Fabrik kommt nicht mehr an Erholung. Wirtschaftlich geradezu Unfug, weil der so sein Rentenalter nicht erreicht, krank wird, und dann der Allgemeinheit zur Last fallen dürfte. Man kann kein CO2 einsparen indem man auf Fahrten verzichtet, die unabdingbar – mangels Alternativen – notwendig und insofern unvermeidlich sind! Es gibt die hier notwendigen Möglichkeiten nicht weil dieselben Leute, die da das Maul aufreissen, zuvor dafür gesorgt haben! Wie ist das denn wenn man Gewerbegebiete ausweist, denen der Anschluss an den Nahverkehr fehlt? Braucht man nicht? Jeder Klippschüler kann merken was ist wenn 5000 Menschen in die Stadt pendeln, aber nur 50 in den einen Bus je Stunde passen! Der Rest sitzt in Autos. Die absolute Zahl ist fiktiv, es geht um das Verhältnis.
Wie es mit Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln gerade ausserhalb der Großstädte ausschaut haben die letzten Wochen ausreichend gezeigt. Was nicht vorhanden ist kann nicht genutzt werden. Da ist ja etwas mehr nötig als ein Alibibetrieb. Darunter verstehe ich wenn der Betrieb zwar vorhanden ist, aber so durchgeführt wird dass seine praktische Relevanz nicht gegeben ist oder entfällt. Da lässt man ohne Not Anschlüsse vor der Nase wegfahren, wie in Biblis, weil man den eigenen Laden nicht im Griff hat – die Bahn gehört dem Bund – und versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen. Oder die früheste mögliche Verbindung kommt so spät dass ein festgesetzter Termin nicht bedient werden kann. Oder man kommt danach dort nicht mehr weg weil der Betrieb schon eingestellt ist. Oder eine Linie ist zwar als öffentlich ausgeschrieben, verkehrt aber nur an Werktagen dreimal täglich, weil es real ein Schulbus ist, und während der Ferien oder an Wochenenden eben gar nicht. Das hat im Beispiel für den Besuch von Sportveranstaltungen keinerlei Relevanz.
Nein, das Produkt reift nicht wie Bananen beim Anwender! Der Anwender wird es nutzen wenn das Angebot gut ist. Er stimmt mit den Füßen ab. Ein nicht auf die Umstände abgestimmter ÖV ist nicht nutzbar weil er eben die Anforderungen nicht erfüllt, wie jener, der die Reise nach Schönaich, Waldrems oder Zusmarshausen verhindert hat, weil es keine zeitgerechten Verbindungen gegeben hat. Entweder man kommt zu der benötigten Zeit an den benötigten Ort, oder das Angebot besteht nicht, das man da nutzen soll. Da hilft es nichts wenn Tags darauf was fährt. Dasselbe gilt für Verbindungen, die nur auf dem Papier der Auskunft existieren, weil die Straße infolge der Veranstaltung, die da besucht werden soll, gesperrt ist.
Die Regierung offenbart hier absolute Unfähigkeit. Diese und jede andere, die in den letzten Jahrzehnten am Ruder waren. Die sogenannten Wirtschaftsweisen, an deren Lippen diese Politiker hängen, geben ebenso zu verstehen dass ihr eigener Wohlstand die Unfähigkeit einer realistischen Beurteilung der Lage herbeigeführt hat. Pendler müssen heute tanken, wenn sie nicht auf Öffis umsteigen können, weil das Angebot nicht dem Bedarf entspricht – nicht nächsten Monat oder irgendwann. Die Pendlerpauschale ist da keinerlei Hilfe, tritt deren allfällig fragliche Wirkung doch frühestens nächstes Jahr mit der Steuererklärung ein. Gebraucht wird das Geld in den allermeisten Haushalten aber jetzt! Jetzt, hier, sofort!
Wer heute fragt „Benzin für die Fahrten zur Arbeit“ oder Arztbesuch, oder gar Miete, der kann nicht warten bis es dem Bundestag passt. Der verliert kommenden Monat allfällig die Arbeit, dann die Wohnung, und die so obdachlos Gewordenen werden sich beim Verursacher bedanken! Heute merkt ihr es noch nicht, irgendwann aber ist die Lawine so groß dass sie niemand mehr aufhalten wird. Auch Hitler hat mit der Lüge, er schaffe Arbeit, darüber hinweggetäuscht dass der Autobahnbau eine Kriegsvorbereitung war!
Politik ist nicht Betriebswirtschaft, wo die kurzfristigen Quartalszahlen wichtiger sind als der langfristige Fortbestand der Firma, weil da die Prämien der Teppichetage dran hängen. Morgen wirft man dann das Personal raus, und ist übermorgen weg vom Fenster! Das zeigt sich auch an der Idee, die Arbeitgeber könnten ihren Mitarbeitern 1000 Euro Ausgleichsprämie zahlen – für die Teuerung, die die Regierung verursacht hat. Es gibt gar keinen Anlass dazu. Die Ursache der Preistreiberei sind ja politische Wünsche und Begehrlichkeiten, und nicht Tarifverträge. Nebenbei, die Bundesrepublik ist selbst erheblich Arbeitgeber. Es gibt zahlreiche Angestellte und Arbeiter im öffentlichen Dienst, die nicht von Zuhause arbeiten können oder sollen, und von der ganzen Beamtenschaft möchte ich gar nicht reden. Das sind ja nicht alles „leidende Direktoren“! Für die habt ihr eine Fürsorgepflicht! Ihr – die Politiker – wollt dass die in Präsenz arbeiten – also habt ihr eben das auch zu ermöglichen. Schafft Ordnung bei öffentlichen Verkehrsmitteln, und/oder bezahlbare Preise an Tankstellen, oder ebensolche für eAutos. Das sind keine Luxusobjekte oder Investitionsgüter, sondern aus Sicht der Anwender Betriebsmittel.
Das politische Überleben der Parteien wird nach ihrem jetzigen Handlungsdrang beurteilt werden. Berichtigt die Auswirkung eurer Entscheidungen, oder nehmt euren Hut! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold – ihr wisst schon! Wer nicht weiss was er tut hält bitte den Mund und richtet nicht sinnlos Schaden an! Das Volk braucht weder schnatternde Gänse noch heiße Luft! Wir wollen weder leeres Gerede noch Nötigung zu Dingen die sich keiner wirklich leisten kann, die technisch nicht ausgereift sind und die am Markt auch nicht erhältlich sind. Zu tragbaren Konditionen gleich mal gar nicht. Auch nicht so dass sie relevant wären. Ich will auch nicht zuhause eingesperrt werden, was Verzicht real heisst. Wer Mobilität erwartet hat sie verfügbar und vor allem bezahlbar zu machen! Wie das im einzelnen ausschaut kann man erörtern, das Prinzip dagegen nicht! Danach werdet ihr beurteilt! Niemand hat zu fordern was er selbst unmöglich gemacht hat!
Man kann anregen, man kann vorschlagen, man kann erörtern. Alles offen. Entschieden wird aber anhand der individuellen Möglichkeiten, und wo Einkommen nicht zu Preisen passen bleibt der Wunsch ein Vakuum!
Ich habe den Eindruck gewonnen, die Politik – Regierung wie Opposition – hat an der Mobilität der Bürgerinnen und Bürger nur insoweit ein Interesse, als man damit Politik machen kann, Verantwortung von sich schieben und gut abkassieren kann! Alles andere juckt da keinen. Es wird immer nur von anderen verlangt!


