Hoch – höher – am Höchsten

Heute steigen wir dem Schwarzwald auf´s Dach!

Blick vom Seebuck zum Feldberggipfel

Der Feldberg genannte kahle Buckel ist mit 1493 Metern über dem Meer der höchste Berg in Baden-Württemberg. Zudem ist er recht bequem zu erreichen. Der Bus fährt bis fast nach oben. Die Haltestelle „Feldberger Hof“ wird im Stundentakt via Titisee bedient und liegt ziemlich fußläufig bei der Talstation der Seilbahn, die auf den Seebuck führt. Von da startet eine kleine Wanderung in frischer Höhenluft. Bis zum Gipfel sind es noch rund zwei Kilometer … Nur nicht unbedingt horizontal.

Ausblick mit Feldsee

Die Bezeichnung „Höchsten“ ist Lokalkolorit und leitet sich wohl aus laufenden Metern ab.

Oben findet man bei gutem Wetter viel Aussicht, auf jeden Fall Wind, einen Aussichtsturm (der gerade wegen Bauarbeiten geschlossen ist) und eine Wetterstation des DWD. Fragen kann man hier aber keinen mehr! Herzlich Willkommen bei Mister Roboto! Die Einrichtung ist seit ein paar Jahren automatisiert und kommt seitdem ohne Personal aus. Dafür darf regelmäßig der Techniker für die Wartung anreisen.

Die Anreise ist ambitioniert, aber machbar, auch ohne Auto. Der Fahrschein lässt sich online am Stück erwerben, keiner muss beim Busfahrer nach Kleingeld suchen. Dafür hat es eine gewisse Komik wenn man dann einem Fahrer begegnet, der anscheinend zum ersten Mal im Leben ein Onlineticket gesehen hat! Sie haben es aber akzeptiert.

Titisee-Panorama

Mit einer 3/4 Stunde Aufenthalt in Titisee und mehrfachem Umsteigen habe ich am späten Vormittag den Feldberger Hof erreicht. Die etwa 90 Sekunden Aufnahmen aus dieser Pause in Titisee findet ihr hier:

Die letzte Etappe der Anreise mit der Buslinie 7300, auch Feldbergbus genannt und planmäßig unterwegs nach Schopfheim, hatte es in sich! Eine Sardinenbüchse ist nichts dagegen, umfallen absolut unmöglich. Wer gleich in Titisee am Bahnhof einsteigt hat das große Los gezogen und recht wahrscheinlich einen Sitzplatz sicher, wer später kommt hat Glück wenn er überhaupt mitkommt. Rechtzeitig auszusteigen ist in diesem Fall kein Problem, da 95% der Fahrgäste genau wohin wollen? Richtig, auf den Berg! Es empfiehlt sich aus mehreren Gründen dringend, den Fahrschein online zu buchen. Das Feldberggebiet ist ein virtuelles Vielländereck, dort stoßen gleich mehrere Tarifgebiete verschiedener Tarifverbünde aufeinander. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, aber alle fahren mit diesem Bus! Das Onlinebuchen geht übrigens nicht mit allen diesen Verbünden. Der Bahnnavigator verkauft problemlos Fahrscheine vom ICE in Freiburg über den Ersatzbus 915 bis Titisee (Die Höllentalbahn ist wegen Baumassnahmen auf lange Sicht gesperrt) und den Feldbergbus bis zur Tarifgrenze gen Lörrach beim Hebelhof, was nur eine Station weiter ist als der Feldberger Hof. Der liegt quasi genau auf der Tarifgrenze und nach dem Schild schon im RVL, ist wohl aber mit RVF-Fahrscheinen noch erreichbar. Für Todtnau gilt das schon nicht mehr, da bekommt man auf Anfrage Teilpreise, d.h. man zahlt denselben Bus extra. Es wäre die gleiche Linie auf dem gleichen Weg, nur eben ein Stück weiter. Es mag sein, dass das von einem anderen Abfahrtsort aus gesehen schon wieder anders aussieht, ich schildere hier was ich erlebt habe.

Dabei ist die Landkarte vom Feldberggebiet für Laien, die noch nie dort waren, recht irreführend. Die Namen haben sich so eingebürgert, sind aber streng genommen geografisch nicht ganz korrekt. So fährt die Feldbergbahn nicht auf den Feldberg, sondern „nur“ auf den vorgelagerten Seebuck, auf dem oben der Feldbergturm und das Bismarckdenkmal steht. Die restlichen rund 2 Kilometer heisst es wandern… Auf und nieder, immer wieder!
Man müsste also den Turm Seebuckturm nennen und die Seilbahn eben auch folgerichtig Seebuckbahn. Macht aber keiner …

In der Nähe der Bushaltestelle empfängt uns Oskar. Nicht Oskar die Mülltonne, sondern „la Fontäne“!

Es kann dem Augenschein nach noch nicht lang her sein dass der Springbrunnen da steht, die Baustelle ist wohl noch nicht ganz fertig. Bei dem hier oben ständig wehenden Wind teilt sie jedenfalls ungefragt aller Welt ihre Anwesenheit mit. Das führte zeitweise soweit dass sie abgeschaltet wurde, weil das Wasser als Sprühnebel überall in der Umgebung landete statt im Becken und dieses somit Gefahr lief, trocken zu fallen.

Vogelperspektive aus der Seilbahn

Auf dem vorgelagerten Plateau steht nicht nur das Hotel „Feldberger Hof“ und die besagte Seilbahntalstation, sondern vom Wirtshaus bis zur Einkaufspassage so ziemlich alles, was der betuchte Tourist zu brauchen meint. Die Preise sind nicht nennenswert teurer als im Tal, auch wenn ich mich frage wozu jemand hier oben Schinken am Stück brauchen könnte. Wenn allerdings abends gegen 18:30 Uhr der letzte Bus talwärts abgefahren ist kehrt klösterliche Ruhe ein. Dann ist das alles nur noch zu Fuß oder mit dem Auto zu erreichen oder zu verlassen, und ich habe vergessen, mich nach den Öffnungszeiten vom Parkhaus zu erkundigen, weil ich es nicht brauchte. Durchgehend geöffnet dürfte es nicht haben, man braucht immer noch einen Kontrolleur, der die Zufahrt zum Hotel regelt, und der dürfte kaum Nachtschicht machen.

Die Karte für die Seilbahn kostet pro Nase regulär derzeit 10 Euro, darin enthalten ist der Eintritt zum Feldbergturm oben auf dem Seebuck. Im Turm zu finden ist neben der Aussichtsplattform ein Schinkenmuseum und ein stilles Örtchen.

Bismarck-Denkmal

Die Bergstation der Seilbahn liegt ziemlich genau zwischen dem Turm auf der einen und dem Bismarckdenkmal auf der anderen Seite, wobei das Denkmal mittlerweile aussieht wie eine altägyptische Pyramide: ziemlich gerupft!

Feldsee

Man hat von hier aus einen ziemlich schönen Rundblick über die Täler der Umgebung nebst dem unter dem Berg gelegenen Feldsee, einem Karsee aus der letzten Eiszeit.

lasst Blumen sprechen!

Das gesamte Feldberggebiet steht unter strengem Naturschutz! Das Verlassen der Wege ist aus gutem Grund ebenso verboten wie das Blumenpflücken. Es wächst viel am Wegesrand und auf den Wiesen, was ein Flachländer noch nie gesehen hat. Seid bitte vernünftig und lasst auch anderen eine Chance für diesen unvergleichlichen Anblick!

Trotz aller Schilder ist der Feldberg als Ziel der Radfahrer sehr beliebt. Allerdings sind 95% davon eBikes! Wer mit Motorkraft oben angekommen ist fährt dann im Zuge der Schwerkraft wieder talwärts. Runter kommen sie immer, sagt man. Nur muss es dabei „Rentnerslalom“ sein?

Der Wanderweg vom Seebuck rüber zum Feldberggipfel besteht teilweise aus Asphalt und teilweise aus grobem Schotter. Passendes Schuhwerk ist dringend anzuraten, die Sandalenfraktion kommt nicht weit!

Wetterradar

Auf dem Weg kommt man unter anderem bei einem Radarturm des DWD vorbei. Der steht als Aussichtsturm in der Landkarte. Bitte versucht nicht, rauf zu steigen! Man steigt auch nicht auf einen Hochspannungsmasten!
Das Wetterradar ist eine ebenso sinnvolle Erfindung wie Radiosonde und Heliumballon. Mit den so erhaltenen Daten kann man grob gesagt Dinge sehen, die das menschliche Auge nicht sieht, und diverse Software setzt die Bilder zahlreicher ähnlicher Stationen deutschlandweit zu einem Bild zusammen, mit dem zusammen mit weiteren Daten Vorhersagen und Warnungen entstehen. Über dieses Thema kann man Bücher schreiben, ich möchte mich hier kurz fassen und sage nur eins: Das mit Eiszapfen begründete Annäherungsverbot ist begründet! Radar ist eine Anwendung des Elektromagnetismus. Seine Wellen sind ebenso energiereich wie Strom aus der Steckdose und können bei übermäßigem Genuss Folgen für die Familienplanung haben! Also haltet bitte Abstand, auch wenn man die Energie nicht sieht.

Wetterstation des DWD

Die mittelweile automatisierte und daher unbemannte eigentliche Wetterstation steht etwas abseits. Es ist eigentlich ein ganz normales Holzhäuschen, wäre da nicht der „Garten“ mit den verschiedensten Geräten oben auf dem Turm und nebenan auf der Wiese.

 

Den Weg zur Seilbahn darf man dann – nach Genuss der schönen Aussicht – auf demselben Weg antreten auf dem man heraufgekommen ist. Der Bus wartet unten, und für den Rückweg darf man gerne eine halbe Stunde einkalkulieren. Es kann auch länger dauern, je nachdem wie lange man braucht um sich an dem Panorama satt zu sehen.

Was gibt es sonst noch sehenswertes?
Mehr als man hier aufzählen kann. Was den Busbenutzern leider entgeht, sofern sie vom Titisee her anreisen, ist die Skibrücke, die man für gewisse winterliche Gelegenheiten über die Straße gebaut hat.
Das Teil war letztes Jahr beim Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald der Zuschauermagnet. Schaut euch die Steigung an und ihr wisst warum.

Derzeit möchte man wohl eher keine Wanderer auf der Wiese vor der Brücke haben. Wie sonst erklären sich derlei Schilder?

Was meint ihr was auf der Wiese los wäre wenn da wirklich ein Zuchtbulle unter den Kühen unterwegs wäre? Das Zuchtprogramm könnte der Bauer rasch vergessen!

Ein paar Fotos von diesem Ausflug sind hier.

Der Film zum Ausflug (ca. 10-12 Min.):