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Unverhofft kommt oft?

Unverhofft kommt oft?

RIEDSTADT – New Bike Day? Bei vielen Mannschaften gibt es derzeit wieder neue Räder, und auch ich bin gestern – eher ungeplant – im Laden vorbeigekommen. Allerdings nicht im Radladen, sondern bei meinem Fotohändler.

Was sollte es werden? Was kleines! Dicke Berthas habe ich genug. Infrage kam eine ZV-E10 II, oder wäre eine R50V besser? Was es geworden ist zeigt das Beitragsbild, und ich gehe nachfolgend „kurz“ auf die Gründe ein. Ich geb’s zu, man kann der Werbung leicht auf den Leim gehen. Was da versprochen wird hat oft genug wenig bis garnichts mit der Realität zu tun. Tausche viel Geld gegen heiße Luft? Billig ist das ja alles nicht! Also bin ich in den Laden gegangen der liefern konnte und hab’s mir zeigen lassen.

Kameras sind grundsätzlich Werkzeug. Werkzeug zum Bilder machen. Das kann taugen, oder nicht. Teilweise sind das philosophische Betrachtungen. Die andere von der Art her passende allgemein beliebte Frage wäre da, ob es eine elektronische Schaltung oder einen Karbonrahmen braucht, oder ob es die herkömmliche Bauart auch tut. Bei diesen Kameras fällt das wesentliche Defizit rasch ins Auge. Die haben alle keinen Sucher mehr! Der wäre aber zielführend. Zum einen führt dessen Nutzung zu einer stabileren Kamerahaltung, zum anderen kann bei entsprechendem Tageslicht die ausschließliche Verwendung des Displays dazu führen, dass du nichts siehst! Filmerischer Blindflug.

Das eierlegende Wollmilchschwein gibt es auch da nicht! Es sind fast immer mehr oder weniger faule Kompromisse. Das kann dir bei Fahrrädern ebenso passieren wie bei Kameras. Die einen sind groß und schwer, andere klein und (zu?) leicht. Manche Profikamera zählt da eben zur Kategorie „groß und schwer“, und ob sie leistet was es für eine bestimmte Art Bilder braucht ist eben die andere Frage. Dennoch wird sie gebraucht. Kleider machen Leute! Wer mit so etwas um die Ecke kommt gilt gleich mehr als einer mit einem Taschengerät, und es wird erstmal nicht gefragt was man wirklich kann! Ebenso kann eine „Einsteigerkamera“ aus der Sparte „klein und leicht“ für die gestellte Aufgabe durchaus genügen. Da zählt das Konzept mehr als manche Technik. Das ist bei Radfahrern nicht anders, oder wer kann als Laie entscheiden ob der im Profioutfit wirklich ein solcher ist?

Es gibt zu vorgenannter Kamera Alternativen. Was man da so vorgestellt bekommt weist aber ein großes Problem auf. Entweder sind die alle ziemlich teuer, oder kaum erhältlich, oder die Versprechungen dazu schon als heiße Luft bekannt. Werbung und Marketing sind das eine, die praktische Anwendung nicht selten etwas völlig anderes. Das ist wie ein schönes Rad, das dir nicht passt. Du wirst nicht warm damit!

Was brauchst du für einen Messebesuch? Am Wochenende ist in Düsseldorf Cyclingworld, und trotz aller Schwierigkeiten ein Besuch wahrscheinlich. Das Ergebnis ist erwartbar, wenn damit ein Blogbeitrag illustriert werden soll. Der Weg führt ins Filmerlager, denn man kann danach aus dem Video eher Standbilder erzeugen als aus Standbildern ein Video. Das ist schon wieder so ein Kompromiss, aber er genügt den Anforderungen. Also kommen wir in der Rubrik „klein und leicht“ vorbei. Wenn du dort am Wochenende Bikes testen willst oder das alles den ganzen Tag mit dir rumschleppst ist die große Kombüse nur ein Klotz am Bein. Was man da braucht ist alles, nur nicht großes Gepäck!

Ich habe verschiedenstes schon ausprobiert, aber den „Stein der Weisen“ bislang nicht gefunden. Und nun kommt mir Sony um die Ecke und präsentiert mit der ZV-E10, Ausgabe II, angeblich die Lösung aller Probleme. Klein, leicht und handlich. Das stimmt. Aber was taugt die Technik? Wie gesagt, YouTube und Instagram können hilfreich sein, wenn es um die Meinung anderer dazu geht, nur kann das eben auch völliger Unsinn sein, was die da sagen. Ich habe es ausprobiert und weiss warum ich das sage.

Machen wir einen kleinen Ausflug in die Physik. Bilder machen ist ja angewandte Physik, egal ob es sich um Fotos handelt oder um Filme. Keiner braucht da verwackelte Aufnahmen, und jeder Mensch zittert von Natur aus. Manche mehr, andere weniger. Aber alle zittern, wenn man die Kamera so hält wie da vorgesehen! Darum ist der IBIS so wichtig. Nein, nicht der Vogel. IBIS steht hier für „In Body Image Stabilization“. Die Einrichtung also, die für ruhige Einstellungen sorgt, oder sorgen soll, denn nicht immer hält das Ergebnis, was zuvor versprochen wurde. Diese Art Kameras hat in dieser Beziehung eins gemeinsam, und das ist eben dass in den Gehäusen kein Stabilisator verbaut ist. Die Sensoren sind fest verbaut und eben nicht wie bei größeren Modellen oft der Fall beweglich gelagert. Eine Bildstabilisierung findet somit entweder elektronisch statt, was Bildausschnitt kostet und optisch die Brennweite verlängert, oder sie stützt sich auf die Objektive, wobei gerade Fremdhersteller auf dieses Feature verzichten oder wegen Auflagen verzichten müssen. Anscheinend versuchen die Originalhersteller auf diesem Weg, ihre Produkte zu vermarkten, denn ohne Stabi wirst du Probleme bekommen, oder du nutzt tatsächlich für jeden Sch..ss ein Stativ.

Viele Hersteller sagen es unumwunden dass sie davon ausgehen dass diese Kameras ohnehin auf einem Stativ stehen oder mit einem Gimbal genutzt werden. Heller Wahnsinn! Wie ich schon sagte: Was man da braucht ist alles, nur nicht großes Gepäck! Du musst das den lieben langen Tag lang mit dir herumtragen, und jedes Teil extra ist da potentiell im Weg! Aber auch ein OSMO Pocket ist da nicht die Lösung. Du hast damit nur zwei Brennweiten zur Auswahl, und die sind so weitwinkellastig dass damit zwar Übersichten in der Halle möglich wären, aber kaum Detaileinstellungen des Testgeländes. Dazu brauchst du Wechselobjektive, die es da nicht hat.

Den besten Stabi hat zweifelsohne Panasonic in seinen Lumix-Kameras. Meine GH7 ist dafür der beste Beweis. Die ist mir für dieses Vorhaben aber etwas zu groß, zumal es mit dem XLR-Adapter immer noch technische Probleme gibt. Bei 32bit-Audio kommt der Pegel nicht aus dem Keller, und ohne brauchbaren Ton führt das alles zu nichts. Die EOS R5C will ich dafür nicht einsetzen, die ist noch größer und vor allem schwerer. Damit wären wir in der Reihenfolge bei meiner Sony 6700. Auch die ist eine APS-C-Kamera. Da sie aber für Fotos gebaut wurde und nicht für Film haben wir da ein eher thermisches Problem, das für diese Sorte Kameras typisch ist. Sie brauchen Pausen zum Abkühlen, und das kann gerade beim abendlichen Crossrennen fatal sein. Da reden wir nicht von fünf Minuten, sondern von jeweils einer halben Stunde, und dann ist das Rennen vorbei. Die Analogie im Radsport würde lauten, dass ein Straßenrennrad kein Bahnrad und auch kein Mountainbike ist, obwohl sie alle ähnlich aussehen.

Gesucht wird also ein Modell, das seiner Art nach für Filme gemacht wurde. Da kommt also oben genannte Sony in Betracht, aber zum Beispiel auch eine R50V von Canon. Der Name führt in den Irrgarten, denn Canon baut auch eine R50. Ohne V. Das ist aber eine völlig andere Kamera, trotz Namensähnlichkeit!

Beim Vergleich im Laden stellte sich dann heraus dass der Stabi der Canon besser ist als jener der Sony, auch wenn beides nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Für die Sony hätte ich die Objektive der 6700 nutzen können, die scheidet davon ja nicht aus, das hilft aber wenig wenn das Bild nicht halbwegs ruhig zu bekommen ist. Eine ähnliche Pleite habe ich da ja schon mit einer FX30 erlebt. Die hat den gleichen „Fehler“. Die Wackelei trotz Stabi ist typisch für die durch die ausschließliche Bildschirmnutzung verursachte Kamerahaltung. Hat man die Kamera durch den Sucher am Auge ergibt sich durch die so mögliche Armhaltung „automatisch“ ein natürliches biologisches Stativ. Mit etwas Übung ist es da keine Kunst, das Ganze ruhig zu halten. Versuche das mal in Vorhalte, wenn du 50cm Abstand brauchst um auf dem Bildschirm überhaupt was erkennen zu können. Wie gesagt, jeder Mensch wackelt da. Manche mehr, andere weniger, je nach Tagesform.

Das Kit mit der R50V bekommt du derzeit zusammen mit Speicherkarte, Akku und zwei Zusatzobjektiven für zusammen rund 1800 Euro. Genutzt werden die gleichen alten Akkus wie seinerzeit in weiten Teilen der M-Modellreihe. Frieden ihrer Asche! Wer da also noch was rumliegen hat kann die weiter nutzen. Dabei sind APS-Linsen bei Canon aktuell eher preiswertes Zubehör. Lichtriesen sind das alles nicht, aber sie genügen voraussichtlich dem Bedarf. Geliefert wird grundsätzlich ohne Streulichtblende, wobei das eher ein Mangel ist, denn die braucht es schon als mechanischen Schutz. Sie zu bekommen ist aber etwas logistischer Aufwand, da regelmäßig bestellpflichtiges Zubehör. Mal sehen ob ich am Samstag zu Foto Koch in die Schadowstraße komme. Vielleicht hat der was da? Der Umweg kann sich lohnen wenn der Weg eh durch die Innenstadt führt. Die Messe unterhält dort ein öffentliches Testgelände. Man könnte da mehr ausprobieren als Räder, und am Samstag haben die Läden offen! Aber die Stadtbahn streikt!

Es wird also noch so ein Thema, überhaupt da hin zu kommen, auch wenn sich alle Stellen Mühe geben den Ball flach zu halten. Alle machen auf Schönwetter. Das kann aber auch heißen dass man um mögliche Probleme weiss, und nur die Besucher nicht abschrecken will.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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