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Mammon?

Mammon?

ESCHBORN – Foto: Archiv – Das Radrennen, das früher mal „Rund um den Henninger Turm“ hieß, ist eins der Aushängeschilder des deutschen Radsports. In 15 Tagen ist wieder 1. Mai, und die Räder drehen sich wieder.

Was hat sich geändert? Was ist gleich geblieben? Lasst uns reden!

Es sind Details, aber ich halte sie nicht für unwesentlich. Öffnet man die Webseite so fällt man als allererstes über die Velotour, nicht über das Profirennen. Das erscheint schon als besseres Beiwerk. Dem Eindruck nach geht es an dem Tag nicht mehr um das bedeutende Radrennen, das es einst mal war, sondern um das Jedermannrennen – mit dem sich Geld verdienen lässt. Daher der Titel zu diesem Beitrag: „Mammon?“. Im Hintergrund rollt der Rubel mit. Das eine ist einträglich, das andere kostet Antrittsgelder? Begründet das die Reihenfolge? Rennen für den Nachwuchs gibt es immer noch, in Frankfurt, aber nicht mehr im Taunus. Nach dem dort zu sehenden Zeitplan sind U23 und Amateure entfallen. Ein Foto wie das Titelbild wird es dieses Jahr also nicht mehr geben können.

Mit 12.000 Teilnehmenden ist die Velotour, das Jedermannrennen des Tages, ausgebucht. Das sind erfreuliche Zahlen. Gibt es aber noch was anderes, was man dazu sagen sollte? Ja, das gibt es!

Es kommen Fragen auf. Veranstaltet da wer das Jedermannrennen, um sich das Profirennen finanzieren zu lassen? Woanders konnte man den Eindruck auch nicht völlig vermeiden. Das Konzept ist ja nicht neu, weder im Radsport noch in anderen Sportarten wie Triathlon. Auch da finanzieren faktisch die Altersklassenathleten mit teils horrenden Teilnehmergebühren die Profis.

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Ihr nennt es Sicherheitskonzept. Für potentielle Besucher erscheint es aber eher wie eine Aussperrung. Es gibt faktisch keine Busverbindung in den Taunus an diesem Tag, und der Verkehr mit PKW ist im Umfeld des Rennens auch kaum möglich. Natürlich kann man auf der abgesperrten Rennstrecke dann nicht fahren. Real heisst es aber, du darfst gar nicht da sein, da am Feldberg. Hinfahren ist verboten, parken ist verboten, Aufenthalt also auch. So war es jedenfalls im letzten Jahr. Da war nicht nur zeitweise keine Abfahrt möglich, wie es auf den Plakaten hiess. Es wurde nicht mal Anwesenheit geduldet! Ich kann verstehen dass wer meint, das sorge für Sicherheit. Klar, wenn keiner mehr da ist können die anderen machen was sie wollen, es wird niemand mitbekommen und darüber berichten. Wer nur ausgewählte Berichterstatter zulässt darf sicher sein dass nur in seinem Sinn berichtet wird. So erhält man naturgemäß ein Bild, alles sei „Friede, Freude, Eierkuchen“! Ist das das Ziel?

Was da rauskommt nennt sich in anderem Zusammenhang Propaganda. Schon 2024 war die Sprachregelung absolut eindeutig. „Wir brauchen allen Platz für uns alleine!“ hiess es da. Noch Fragen? Konsultiert bitte mal einen Psychologen wegen der Außenwirkung.

Wir werden sehen. Der Start der Velotour ist im Eschborner Gewerbegebiet. Da ist Platz. Die Profis starten hingegen nicht mehr vor dem Rathaus, die sind weitergezogen und gastieren nun auf dem Eschenplatz. Wie es dort ausschaut, auch im Hinblick auf die Platzverhältnisse, muss man sehen. Nach Maps ist der auch nicht erheblich größer, aber die Bühne scheint schon zu stehen.

Wer zynisch ist und „etwas hintenrum“ denkt kann auf den Gedanken kommen, dass der Ortswechsel womöglich auch monetäre Gründe für Sponsoren hat. Da soll auch der RMV beteiligt sein. Es ist eben eine Zone teurer aus Frankfurt nach Eschborn zu fahren statt wie letztes Jahr in Eschborn Süd aussteigen zu können. Laufen muss man hier wie da. Wäre der Gedanke wirklich abwegig?

Was ist für Amateure da fotografisch möglich? Nicht viel! Vom eigentlichen Rennen bekommt man so nichts mit. Sie fuhren fort und waren nicht mehr gesehen. Der eigentliche Start dauert nur Minuten, vorher ist eine Stunde Einschreibung. Da kann man die Sportler auch mal kurz aus der Nähe sehen, wirklicher Kontakt zur Bevölkerung ist eher unerwünscht. Vom eigentlichen Rennen bekommt man da nichts mit, und wer es darauf anlegt kann es auch am Bildschirm verfolgen. Der Start dürfte übertragen werden, das Rennen selbst sowieso. Das alleine ist aber für Fotoamateure kaum ein Grund anzureisen. Wer sich die Akkreditierungswebseite der A.S.O. anschaut merkt rasch: man wünscht nur Gewerbliche. Es geht also doch bevorzugt um Geld, und erst dann um die Sache. Unabhängige Berichterstatter bleiben wohl wieder mal aussen vor. Auch das war vor der Übernahme noch anders!

Was war das früher schön, unterhalb des Ruppertshainer Bergs sitzen und warten zu können. Ja, die Warterei war nervig, aber ergiebig. Da kamen alle vorbei, die Velotour, die Profis, die U23 und nochmal die Profis, und dann fuhren alle friedlich wieder nach Hause, um sich den Zieleinlauf in Frankfurt im Fernsehen anzuschauen. Das funzte zeitlich wunderbar. Heute? Am Mammolshainer Stich sollen sie knutschen, und woanders ist gähnende Leere. Man kommt gar nicht mehr da hin wo es was zu sehen gäbe. Klar, die Müllhalde hinter der Verpflegungszone gibt kein schönes Bild, das für die Zeitung taugt, aber auch das sind Begleitumstände, mit denen man leben kann wenn danach aufgeräumt wird. Vor einigen Jahren, als die Aussperrung losging, hiess es ja, man könne ja zum Feldberg wandern! Das ist zynisch, insbesondere gegenüber einer Bevölkerung, die eben überwiegend nicht mehr jung und gesund ist, sondern zunehmend nicht mehr gut zu Fuss. Und ja, die Sprechweise begründet den Eindruck der Aussperrung des Publikums! Man sucht da nach der örtlich schönen Kulisse, die darüber hinwegtäuscht dass der Rest der Strecke leer bleibt. Ein paar wenige Hotspots sollen gut besucht wirken. Das Interesse des Publikums geht dennoch unter, und die Menschen selbst interessieren nicht.

Wer annimmt ein Automobil sei in erster Linie eine Gefahr für die Allgemeinheit müsste einfach nur einen Pendelbus einsetzen, der Zuschauer in den Taunus an die Rennstrecke bringt und danach wieder abholt. Wer was vom Rennen sehen will bleibt derzeit besser zuhause und macht die Glotze an! Bei Chips und Cola.

So ergibt sich ein Bild neben dem Bild. Der Sport ist das eine, das andere ist ein Umgang mit der Bevölkerung, der sich so übersetzen lässt: „Ihr seid uns im Weg!“. Eine unschöne Botschaft! Da helfen keine gegenteiligen Lippenbekenntnisse.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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