Deutschland-Tour 3. Etappe
BAD DÜRKHEIM – Unverhofft kommt oft. Diesmal ein Handgriffchen. Die Osmo Pocket ist eine bestimmte Sorte Gimbal-Kamera, will heissen an einem Griff mit Akku drin sitzt eine durch einen Gimbal stabilisierte Kamera. Bislang war das stets ein 20mm-Äquivalent. Also recht weitwinkelig.
Am Freitag habe ich spontan bei DJI im MyZeil vorbeigeschaut. Die konnten liefern, was der fast komplette Fotofachhandel nur aus dem Prospekt kennt. Es gibt eine (neue) Pocket 4 – und jetzt auch eine 4P. P wie Pro, oder P wie Papa?
Der Verkäufer machte keinen Hehl daraus, stolz auf das Produkt zu sein. Wer an einem Tag ein Dutzend Stück davon verkauft und damit Geld macht wie geschnitten Brot darf das auch. Sie ist gefragt und kaum erhältlich.
Die 4P hat jetzt zwei Linsen. Neben dem 20mm auch noch eine 60mm Brennweite. Was die Kamera kann ist Ansichtssache. Natürlich wird dir die Werbung alles denkbare erzählen. Du sollst ja kaufen. Viele der Angaben sind mir ein bisschen zu schwammig, weil unklar bleibt worauf sie sich beziehen. Welche Brennweite ist z.B. „12x“, wenn man nicht weiss worauf sich das bezieht. Wir ´haben hier zwei Optiken mit jeweils verschieden großen Sensoren, also verschiedene Rechengrundlagen, unterschiedliche Bildkreise und damit auch nicht vergleichbare Brennweiten. Es gibt auch kein Handbuch in dem Sinn, wo man das nachlesen könnte. Zumindest habe ich noch keins gefunden.
Ich war gestern in Bad Dürkheim am Ziel der dritten Etappe der diesjährigen Deutschlandtour, und habe daraus einen Versuch gemacht.
Hier seht ihr einen Zusammenschnitt von dem, was ich gesehen habe. Das Video ist „out of cam“, also nicht großartig bearbeitet, und zeigt so recht gut die Bildqualität. Die Einstellungen waren weitgehend so, wie die Kamera geliefert wird. Lediglich die Bildrate habe ich hochgeregelt auf 60 Frames. Das Video ist auf YouTube nicht gelistet. Wer den Link hat kann es finden. Siehe vor, da ist es verlinkt. Ich habe in den Unterlagen zur Tour Hinweise gefunden, die mich an ein Ereignis von vor ungefähr 20 Jahren haben denken lassen. Damals haben alle, die es gewagt haben, ihre Eindrücke vom Rennen herumzuzeigen, unschöne Post von den Anwälten des Veranstalters bekommen. Das darfst du nicht! Auch deshalb steht dieser Beitrag vorrangig als Bericht über meine Eindrücke mit der neuen Kamera hier. Das wird man mir kaum verbieten können.
Wunder darf man keine erwarten. Die Kamera ist gut. Der Gimbal tut seinen Zweck, und das in der Regel ausgesprochen gut. Aber sie hat auch Schwächen! Vor allen Dingen ist sie träge, und sie hat zu oft ihren eigenen Willen. Das muss bei der geringen Größe klar sein. Die ganze einsatzfähig zusammengebaute Kamera wiegt kaum ein halben Pfund. Irgendetwas schnell mal ändern zu wollen kann man vergessen. DJI täte gut daran, an den Schwächen zu arbeiten. Das sollte per Firmwareupdate möglich sein. Mängel möchte ich es nicht nennen, aber ich finde dass es anders besser ginge. So kann auffallen, dass die Schärfe stets auf den Vordergrund gelegt wird, und man kann ad hoc wenig dagegen tun, auch wenn der Vordergrund hier mit den Leuten nicht das Hauptmotiv ist. Das wären die Rennfahrer gewesen. Die Kamera ist halt für Vlogger gebaut worden, Leute also, die gerne sich selbst im Bild zeigen und dazu fromme Reden halten.
Was ich hier schreibe sind meine eigenen Eindrücke. Für meinen Geschmack ist da etwas zu viel KI eingebaut, heisst die Kamera macht eigenständig Einstellungen, und die sind nicht immer optimal. Der Hersteller versucht halt, es den Nutzern leicht zu machen, greift aber damit gelegentlich ins Klo. Woher soll er auch wissen, was der Kameramann will? Es ist kompliziert da kurzfristig einzugreifen. Damit werden die Aufnahmen in gewissem Mass zum Glücksspiel. Alle Einstellungen verbergen sich weitgehend in irgendwelchen Menüs. Schalter und Knöpfe gibt es wenig, und man muss sich entscheiden ob man mit dem Joystick den Zoom oder die Gimbalneigung regelt. Beides zugleich geht nicht. Dabei folgt die Kamera nach eigenem Gutdünken dem vermeintlichen Motiv, und reagiert sehr träge, wenn es das falsche war. Man kann das bei den Aufnahmen teilweise sehen.
Hat man Zeit und keinen Stress ist es eine gute Kamera für die Reise oder Stadtansichten. Muss es schnell gehen oder genau sein wählt man besser anderes Gerät. Sie ist nichts für Szenen, die beim ersten Mal passen müssen, wenn es keine Chance zur Wiederholung gibt.
Sie ersetzt keine herkömmliche Kamera, eine echte Kinokamera schon garnicht, aber sie ist eine schöne Ergänzung für bestimmte Zwecke. So wie gestern die Aktion „langer Arm“. Man kann sie eben am langen Arm über die Köpfe halten und bekommt so Bilder, die in der Menge sonst kaum machbar wären. Dabei hilft die in der Vlog-Combo mitgelieferte Fernbedienung sehr, und das obwohl dauernd irgendwelche Stromspareinstellungen, die sich kaum beeinflussen lassen, das Bild abdunkeln. Das ist während der Aufnahme unbrauchbar! Wenn ich Strom sparen will, filme ich nicht, und wenn ich filme will ich sehen was ich aufnehme. Dasselbe gilt für ewige Einblendungen mit dem Akkustand. Ja, es ist nützlich, hier auf dem Laufenden zu sein. Wenn es aber nervig wird weil sekundenlang das halbe Sucherbild davon verdeckt wird, ist es des Guten zu viel. Zwei, drei Sekunden hören sich nicht viel an, wenn man aber bedenkt dass eine durchschnittliche Szene kaum länger ist als 10 Sekunden stört es die Motivwahl enorm.
Bei der Gelegenheit, es hat sich gestern gezeigt dass es sich lohnt auch auf die zu warten, die vermeintlich nichts mehr zur Sache tun. Mit den Nachzüglern kam Miguel Heidemann ins Ziel, da war die Siegerehrung schon fast gelaufen. Man wartete nur noch auf den Bergkönig. Man wartete auf ihn!
Eine ausdrückliche Tagessiegerehrung der besten Drei gab es nicht. Es wurden „nur“ die Wertungstrikots vorgestellt.



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