Professionelle Arbeit
Foto: Symbolbild – Was ich im folgenden schreibe ist meine persönliche Ansicht. Professionelles Arbeiten – was ist das? Es bedeutet, eine Aufgabe nach den Regeln der Kunst sorgfältig und gewissenhaft zu erledigen. Eine oft vernachlässigte Frage mit weitaus weitreichender Bedeutung ist die Festlegung, was Professionalität eigentlich bedeutet, wenn man sie zur Voraussetzung für Zulassungen macht. Was sie nicht bedeutet ist vielen nicht klar. Es hat nichts mit Bezahlung, Auftreten oder Ansprüchen zu tun, nichts mit Arbeitsverhältnissen oder Ausweisen.
So geht die verbreitete Zulassung von Fotografen bei Rennen mit der Voraussetzung eines Presseausweises einher, weil es früher mal so war dass nur Angestellte der Verlage auch berichten konnten. Das ist aber ein halbes Jahrhundert her, und der Sport scheint nichts dazugelernt zu haben. Auch das fällt unter professionelles Arbeiten – man muss auf dem Stand der Technik sein und bleiben wenn man mitreden will. Ihr haltet euch für Profis, weil ihr dafür Geld bekommt? Ö-ha! Mit veralteten Ansichten und Methoden zu werkeln ist unprofessionell! So mancher Amateur arbeitet demnach professioneller als seine angestellten Kollegen. Das kommt ja schon aus dem Begriff, ist da doch ein Amateur ein Liebhaber einer Sache, und wer sollte nicht seine Arbeit lieben?
Enorm viel zu tun hat es allerdings mit der Arbeitsauffassung. Dabei ist hier auch das als Arbeit einzuordnen, was nicht mit Geld bezahlt wird. Irgendeine Gegenleistung steht fast allem gegenüber, und sei es nur „dürfen“. In manchen Fällen ist alleine Zulassen enorm wertvoll. Manche Ansicht mancher Funktionäre erschient da geradezu vorsintflutlich.
Was also ist professionell, wenn es nichts mit Geld zu tun hat? Es ist die Art, mit der eine Aufgabe angegangen und erledigt wird! Wer etwas anfängt bringt es auch zu Ende. Nach den „Regeln der Kunst“. Schon mal gehört? Es gibt eine Art ungeschriebenes Gesetz, das sich eben aus langjähriger Praxis entwickelt hat, und an das sich alle halten (sollten). Fotografen stehen einander möglichst nicht mutwillig im Weg, als Beispiel. Aber auch: Bis das Bild oder die Bilder gemacht sind müssen langfristig die Berichterstatter mehr zählen als die Gaffer. Das meine ich nicht despektierlich, es ist aber eine Frage der Notwendigkeit. Die reinen nicht fotografierenden Zuschauer tragen nichts zur Öffentlichkeitsarbeit bei. Sie sind wichtig, aber nicht ganz so wichtig wie die Fotografen. Selbst der Artikel wird oft genug am Schreibtisch geschrieben, da aber kann niemand das dazu notwendige Bild machen. Diese Chance gibt es regelmäßig genau einmal: beim Zieleinlauf. Den kann keiner nachstellen wenn es schief geht. Egal warum. Wäre es anders gäbe es keine Dokumentation, und anschließend keine Berichte. Dabei können die Beiträge eines Bloggers für den Sport wertvoller sein als Zeitungsartikel hinter Bezahlschranken, die auswärts keiner lesen kann. Man lässt nicht halbe Sachen unvollendet, soweit man es nach den Dingen beeinflussen kann. Dazu zählt festzustellen, ob man zeitgerecht von einem Ort zum anderen kommen kann, und ist dann auch lieber etwas zu früh da als eine Sekunde zu spät. Wenn ich eine Aufgabe übernehmen soll oder will prüfe ich vorher,
- ob ich sie auch bewältigen kann
- welche Mittel ich dafür brauche
- ob ich über diese Mittel verfüge oder sie zeitgerecht besorgen kann.
Mittel sind hier nicht nur Geräte wie Kameras oder Objektive. Darunter fallen insbesondere die Rechtslage, Erlaubnisse, Zugänge oder Durchlässe. Auch die Logistik spielt da keine geringe Rolle. Wie komme ich da hin, und wie lange dauert das? Darf ich nicht mit dem Auto fahren, brauche es aber aus Zeitgründen, ist die Aufgabe nicht machbar. Darf ich nicht da stehen wo es nach der Physik notwendig wäre ist das Projekt so nicht machbar. Punkt. Das merkt man morgen, wenn ich mich für einen Besuch bei der Sauerlandrundfahrt entschieden hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette! Das Ziel liegt auf dem Kahlen Asten, die Zufahrt dorthin führt über eine einzige Straße, die nur für die Beteiligten befahrbar ist. Öffis gibt es nicht. Besucher kommen also absehbar nicht mit Autos dorthin, und wer das Gewicht des Fotografengepäcks kennt will das keinen Meter mehr tragen als unabdingbar nötig. Damit geht keiner freiwillig wandern! Ohne diese „heilige Dreifaltigkeit“ sind die erwartbaren Bilder aber nicht möglich, und sie werden nicht nur von den Betrachtern erwartet, sondern vor allem von den Fotografen selbst. Auch diese sind unzufrieden, wenn das Ergebnis nicht passt. Es gehört zu professionellem Arbeiten, dann auch abzuliefern was möglich ist.
Für mich zählt das Resultat. Wenn dafür eine Taschenkamera ausreicht ist auch das professionell, nämlich zielführend. Professionalität bedeutet nicht, ein Bohai aufzuführen mit 20 Kameras, drei Rucksäcken und fünf Sherpas. Wenn das nötig ist, okay. Aber regelmäßig ist es das eben nicht. Was kommt da eigentlich so regelmäßig zum Einsatz? Ich sprach gerade von der heiligen Dreifaltigkeit, und bin da nicht in der katholischen Kirche. Gemeint ist damit folgende Zusammenstellung, die sich für Reportagezwecke eben bewährt hat:
- 2-3 DSLM, z.B. Canon EOS oder Nikon Z (8 oder 9). Ich nehme gerne Nikon, warum sage ich gleich. Da gibt es eben genau ein Objektiv, das da sehr viel ausmacht. Es ist
- das 180-600mm. Man kann es bei Nikon mit einer 3/4-Drehung des Zoomrings umstellen, statt wie bei Canon’s 200-800mm dreimal umgreifen zu müssen. Das kann entscheiden wer schneller ist: der Sieger oder du.
- Unter der Hl. Dreifaltigkeit versteht ein Fotograf ein Objektivtrio, bestehend aus 2,8/14-24mm, 2,8/24-70mm und 2,8/70-200mm. Zwei Gehäuse deshalb dazu, weil man in den hektischen Sekunden des Zieleinlaufs zwar Zeit hat umzugreifen, aber nicht, Linsen zu wechseln, zumal es da oftmals dreckig ist oder nass. Das findet bei jedem Wetter statt. Der Sport fragt nicht!
Wer das nicht leisten kann oder will sollte sich bei Sportfotografie nach Nischen umschauen. Da gibt es manches, was sich ebenso gut mit einer Videokamera besorgen lässt, wobei ein Filmbericht ganz anders aufgebaut wird als eine Bilderserie. Im Grunde genommen ist im Videobereich manches „unprofessionell“, wenn man dort nur Fernsehkameras erwartet. Da genügt je nachdem auch ein „Handgriffchen“, wie eben VLOG-Kameras der Art DJI OSMO Pocket. Gerade die neue 4P verspricht da Potential. Das kommt da auf’s Konzept an, das man sich aufstellt.
Was kann man da machen? Ich halte einige Szenen und Einstellungen für unabdingbar, wenn das Rennen Thema des Beitrags sein soll. Es beginnt nicht erst mit der Einschreibung und dem Start. Ein paar Eindrücke des Ortes sollten schon sein. Wenn möglich bringt man dann ein wenig vom Rennen, soweit man da ran kommt. Abschließend folgen dann Zieleinlauf und Siegerehrung. Das alles möglichst kompakt. Niemand will da einen Ben-Hur-Verschnitt mit epischen drei Stunden Länge, nur weil das Rennen so lang dauerte.
Ähnliches gilt auch für Livestreams. Wenn ein Rennen einen solchen anbietet erwarten Zuschauer auch da ein Minimum an Informationen. Wo ist das Rennen, wer fährt da? Es sollte nicht 30 Minuten nach Start erst anfangen, und wer sich als Firma da mit technischen Pannen entschuldigt macht sich unglaubwürdig. Das sind eben Dinge, die man vorab prüfen kann. Keine Netzwerkverbindung erscheint aus dem Nichts. Das kann man nach Einrichtung ausprobieren, ob es tut. Sowas macht man nicht erst zum Sendebeginn, und stellt dann fest dass es eben nicht geht. Ich weiss nicht wer da zuständig ist, Veranstalter, Techniker, Provider. Aber für mich gehört es eben auch in die Rubrik des professionellen Arbeitens, da nichts dem Zufall zu überlassen. Ein gewisses Ergebnis wird da erwartet, und ist leistbar. Da muss man sich vorher eben Gedanken zu machen.



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