Nachtrag Kottenheim
KOTTENHEIM – Foto: Archiv 2016 – Dieser Beitrag, die Nachlese zum gestrigen Rennen in Kottenheim, ist bewusst unter Politik und nicht unter Sport einsortiert. Grund ist das Verhalten der Ämter.
Unter vernünftigen Umständen wie bezahlbare Benzinpreise wäre ich gerne gekommen. Die waren aber leider nicht gegeben. Natürlich spielt es eine Rolle wieviel Aufwand man für einen Besuch treiben muss, und welches Ergebnis man sich davon erwarten darf, ob man sich dort erwartbar erwünscht vorkommen darf, etc. Das war hier kaum der Fall, wenn man die in der Ausschreibung genannten Umstände berücksichtigt! Rückblickend habe ich nicht das Gefühl, etwas durch meinen gestrigen „Nichtbesuch“ verpasst zu haben. Ich hatte anders auch einen schönen Tag. Es geht mir, anders als unterstellt, nicht darum darzustellen dass alles schlecht sei. Warum sollte ich? Es geht mir darum Probleme und Mängel aufzuzeigen, die man abstellen kann, damit es besser wird! Wer glaubt denn die Propaganda, die da immerzu von optimalen Verhältnissen spricht? Wer jahrzehntelang dabei ist kennt die Wirklichkeit.
Dabei verstehe ich „Mängel“ nicht als Schlechtes. Ein Idealzustand, wo alles optimal wäre, existiert nicht. Aus verschiedenen Gründen kann man nahezu alles verbessern, wenn man will. Das geht alle an, nicht nur einen Verein oder eine Gruppe Menschen.
Wir kennen das: Jede Medaille hat zwei Seiten. Mindestens zwei. Real ist es eher ein Kubus, oder ein Kaleidoskop. Die eine Ansicht kennen wir, das war hier ein sportlich schönes Rennen. Die andere aber ist die Perspektive der Besucher, der Zuschauer, der Fotografen. Deren Bedürfnisse und Erwartungen sind andere! Begründet andere, und man sollte nicht den Fehler machen zu meinen, nur weil sportlich alles Top ist muss es das auch für die anderen sein. Beileibe nicht. Die kommen eben nicht zum Würstchenessen. Da geht es um ein Bildergebnis, und das muss fertig sein bis das Rennen fertig ist. Man kann da nichts reparieren, nichts wiederholen was fehlt. Wenn denn noch wer kommt. Die gesehenen Videos und Bilder sind redselig. Man darf aus der verbreiteten Zuschauerabstinenz durchaus schließen, dass es die Mehrheit nicht mehr interessiert. Warum das so ist darf bekannt sein. Der Sport ist nicht die Ursache! Eher betrifft es den zwischenmenschlichen Umgang, wenn man Dinge verlangt die infolge Unmöglichkeit zu einem Ausschluss führen. Das kann bekannt sein!
Man hat mir eine Mail geschrieben. Aus der geht hervor dass das Betretungsverbot für Zuschauer, und damit auch für Medienleute, vom Forstamt angeordnet worden war. Ich kritisiere das ausdrücklich, weil es verhindert und wohl auch verhindern soll dass Menschen ihre gesetzlichen Rechte wahrnehmen. Wir haben Pressefreiheit! Auch für das Forstamt gelten Gesetze, und da steht nun mal drin dass es ein Recht auf freie Berichterstattung gibt. Nicht nur für die kommerzielle Presse, sondern eben für jedermann. Das kann nicht wahrnehmen wer bei Start und Ziel angebunden ist.
Kein Fotograf möchte stören, aber ihr erwartet alle ein bestimmtes, möglichst optimales Ergebnis. Hat mal wer gefragt, wie das zustande kommt? Was es braucht damit hinterher die gewünschten Bilder da sind? Was es braucht damit hinterher ein Video existiert? Nein? Da fällt nichts vom Himmel. Das muss wer machen. Das sind keine Heinzelmännchen, und der oder die braucht dazu auch die Möglichkeit. Der- oder diejenige muss herumlaufen dürfen, und wer festlegt dass das nur ein Offizieller oder ein anderer bestimmter darf legt damit gleichzeitig fest dass alle anderen überflüssig sind und nicht kommen brauchen. Da fangen wir doch schon mal an mit dem „Optimieren“! Da geht es ja nicht nur um ein paar Knipsbildchen. Wer nie auf diesem Niveau und mit diesem Anspruch fotografiert hat kann das leider nicht beurteilen, so wie ich mir nicht anmaße zu beurteilen wie das Rennen sportlich ist. Wer gewonnen hat steht in der Ergebnisliste, was unterwegs war hat man als Zaungast nicht wirklich sehen sollen. Warum eigentlich nicht?
Es ist nachvollziehbar dass das Laufen auf der Rennstrecke während des Rennens nicht zielführend ist. Aber auch daneben wird es verboten. Man kann sich also nicht legal fortbewegen, nicht legal die Standorte wechseln, nicht verschiedene Perspektiven einnehmen. Wozu das führt kann sich jeder mit etwas Nachdenken leicht vorstellen. Ferner sagt der Veranstalter in seiner Ausschrebung, (nur) er dürfe Bilder veröffentlichen. Zwar wird in der besagten Mail bestritten dass das ein Exklusivrecht sei, es diene nur der eigenen Absicherung, man macht hier aber gleich einen Denkfehler, weil man die DSGVO nicht bedenkt. Die enthält eben das Verlangen an alle, erst mal zu tun was selbst beim besten Willen so nicht machbar ist, nämlich jeden um Erlaubnis zu fragen und sich möglichst noch einen Modelvertrag unterschreiben zu lassen. Wie soll das gehen? Hat sich dazu mal wer Gedanken gemacht? Man durfte den Zielbereich nach dieser Darstellung nicht verlassen, das Schild mit dem eindeutigen Verbot hatte ich im anderen Beitrag zitiert. Damit konnte man weder den Start unterhalb des Ziels erreichen, wo die Sportler warteten, noch die interessanten Stellen der Rennstrecke oberhalb. Damit war den Fotografen die Möglichkeiten verlegt, die es für diese Arbeit gebraucht hätte. Vielleicht stellen sich die Dinge vor Ort anders dar als aus dem Text hervorgeht. Das aber ist nicht mein Problem. Ich beurteile das auf Grundlage der mir vorliegenden Tatsachen, wenn ich entscheiden muss ob sich der Besuch bei einem Rennen „rentiert“. Zumal: Hätte man die zwei Worte „vom Veranstalter“ weggelassen würde die Erlaubnis für alle gelten, und alle wären abgesichert. Die ausdrückliche Erwähnung zwingt zu dem Schluss, dass damit eine Absicht verfolgt wird. Das mag leugnen wer will. Es besteht jederzeit das latente Risiko, hinterher verklagt zu werden weil man es gewagt hat, da gewesen zu sein. Offiziell darf jede/r selbst bestimen ob es von ihm oder ihr überhaupt Bilder geben darf. Und unter solchen Umständen wird keiner mehr zum Bildermachen kommen!
Ihr erwartet zu Recht eine Bilddokumentation der Ereignisse. Dazu muss man herumlaufen (dürfen)! Der Presse würde zur Not ein Foto des Treppchens genügen. Das reicht um einen Beitrag zu illustrieren, wenn man sonst nichts haben darf. Es reicht aber nicht ansatzweise um davon eine Fotodokumentation zu erstellen, und wenn man das vorher schon weiss braucht man den Weg auch nicht antreten. Das ist einfach! Mit der Bahn ist es zeitlich kritisch, mit dem Auto kostet es eine Menge Benzin, das bezahlt werden will und somit in unmittelbarer und sehr direkter Beziehung steht zum erwartbaren Ergebnis. Erwartbar ist hier ein ziemlich suboptimales. Nimmt man die Vorgaben wörtlich kommt man weder zum Start selbst, der unterhalb des Ziels liegt, noch zu den fotografisch interessanten Passagen am anderen Ende der Zielgeraden.
Das Beitragsbild kann man wie oben gesehen mit Archivbildern aus besseren Zeiten ersetzen und spart dann eine Menge Geld. Auch viele Zeitungen schreiben ihre Beiträge mittlerweile aus solchen Gründen des ‚Aufwands für nichts‘ am Redaktionstisch statt aus dem Geschehen vor Ort. Man hat hier durch diese Anordnung festgestellt dass die 300 Km Weg da hin überflüssig sind, und es wird nicht besser dadurch dass ein ortsansässiger Fotograf oder Fotografin Bilder gemacht hat, wie man heute auf Instagram hat sehen können. Es ist nicht Naturschutz, die Menschen auszusperren! Eben das aber hat man faktisch gemacht.
Es bliebe zu schließen was daraus folgt, denn dasselbe muss auch anderswo erwartet werden. Was spräche dafür, Vernunft anzunehmen? Nichts! Ich erinnere daran dass man es Sicherheitskonzept genannt hat was seit einigen Jahren am 1. Mai im Taunus zutrifft. Die Rennstrecke wurde und wird abgeriegelt, Parken ist verboten, die Parkplätze alle gesperrt, und sogar der öffentliche Nahverkehr ist eingestellt. Man tut alles um die Bevölkerung loszuwerden, und prahlt noch damit, dass Besucher nur ausgewiesene Orte überhaupt noch erreichen können. Fällt niemandem auf dass es da noch ein paar Tausend Anwohner gibt, die an dem Tag faktisch ihr Haus nicht verlassen dürfen und zuhause eingesperrt sind? Ist das legitim?
Die verschiedenen Wünsche und Anordnungen stehen sich selbst im Weg, schließen sich gegenseitig aus, verursachen einen Eindruck. So wie es sich darstellt bleibt man da als Amateur besser weg!
Ich sehe die Bilder, ich lese die Berichte. Und ich erkenne das „zweierlei Mass“! Das ist ja nicht neu, ich erinnere an den Kellerwald-Bikemarathon vor vielen Jahren. Da hatte man den Start mit mannshohen Leintüchern verhangen, auf dass nur der offizielle Fotograf tätig sein durfte. Die Genehmen dürfen, was allen anderen verboten wird. Egal wo. Daraus ergibt sich eine Botschaft. Die offizielle Begründung erscheint nur als Vorwand. Alleine dass wer meint in einer Demokratie mit einer freiheitlichen Grundordnung so etwas verbieten zu dürfen ist redselig. Nein, auch die Aussage, man könne ja wandern, ist im Grunde genommen eine Diskriminierung, weil eben Teile der Interessierten ausgeschlossen werden. Aber auch die wollen das Rennen sehen, und das eben nicht nur am Fernsehbildschirm. Niemand kann fliegen!
Diese Dinge enthalten eine politische Botschaft! Es braucht sich niemand wundern wenn sich das auf Dauer bei Wahlen auswirkt. Den Leuten wird hier vermittelt dass sie unerwünscht sind, ein Störfaktor, den es nicht braucht. Meint wer die werden das goutieren?
Ihr sorgt euch um die Genehmigung der Ämter? Was macht ihr wenn erstmal die Anlieger, deren Genehmigung es ebenso braucht, nein sagen weil sie sich gegängelt fühlen? Hier holt jemand den Januskopf hervor, und merkt es nicht! Oder es ist ihm klar, und er tut es trotzdem. Mit allen Folgen.


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