Riedstadt
RIEDSTADT – Foto: Symbolbild – Mit Riedstadt hält es sich ähnlich wie mit – der Sage nach – Bielefeld. Gibt’s doch gar nicht?!
Nun, während es eine Stadt Bielefeld durchaus gibt, so mag nach einer Stadt Riedstadt suchen wer mag, er wird keine finden. Die Stadt kann man wahrheitsgemäß als verwaltungstechnisches Kunstprodukt bezeichnen und liegt damit gar nicht mal so falsch. Real besteht sie aus den Dörfern Goddelau, Erfelden, Leeheim, Wolfskehlen, Crumstadt und dem psychiatrischen Krankenhaus Philippshospital, dies in der Größe eines ganzen Stadtteils.
Das ergibt zusammen genug Einwohner um sich verwaltungstechnisch Stadt nennen zu dürfen, mit allen was dazugehört.
Verkehrstechnisch erreichbar ist Riedstadt entweder mit dem Auto über die Bundesstraßen B26 oder B44, oder mit der Bahn über die durch eine gerade zurückliegende Generalsanierung inzwischen republikweit bekannte Riedbahn. Zu der wäre zu erwähnen dass sie nicht das Original dieses Namens ist. Ursprünglich führte die Riedbahn von Worms nach Darmstadt, und existiert heute als solches nur noch als Stumpfgleis im nördlichen Ausgang des Bahnhofs Goddelau oder als Teilabschnitt von Biblis nach Worms. Was sich heute Riedbahn nennt ist eine der meist befahrenen Fernstrecken Deutschlands, wenn nicht Europas, und verbindet Frankfurt am Main mit Mannheim.
Das nächste Oberzentrum ist Darmstadt, auch wenn die Zeitung der Ansicht ist das sei Rüsselsheim. Kein Mensch hier interessiert sich für Vorgänge in Rüsselsheim, und das Echo‘ wäre gut beraten seinen Gebietszuschnitt zu überdenken. Auch die Kreisstadt Groß-Gerau tut viel, um Besuch zu vermeiden. Man fährt da nur hin wenn es unbedingt sein muss. Meine Meinung.
Wie sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten aus? Verhungern wird hier keiner, braucht aber fast zwingend ein Auto, obwohl im Prinzip viel fussläufig erreichbar ist. Das aber leider nicht so dass man alles vor Ort fände, sondern „gut verteilt“ in jedem Stadtteil ein bisschen. Aldi ist in Wolfskehlen, einen Kilometer ausserhalb. Rewe gibt’s in Erfelden, und so weiter. Getränke findet man eigentlich erst im Nachbarkreis, nämlich in Griesheim bei Darmstadt. Alles liegt so weit auseinander, dass es zu Fuss zu weit ist, und mit Öffis hat man auch ein Problem, denn am Wochenende fahren zwei der drei Buslinien gar nicht, und wenn sie fahren liegen die Haltestellen so dass man „taktisch durchgereicht“ wird. Man soll nicht die Nachbarstadt erreichen, sondern schnellstmöglich nach Darmstadt weiter fahren, wo die Tram auch nicht am Bahnhof hält, sondern 500 Meter davon entfernt. Die Rheinstraßenbrücke über die Main-Neckar-Bahn ist marode, auf Jahre gesperrt, und die Umleitung eine Zumutung. Das wird demnächst noch schlimmer, wenn die Bauarbeiten wirklich beginnen, und das liegt durchaus im Sinn der dortigen Politik, die augenscheinlich Wert darauf legt, auswärtigen Besuch abzuhalten.
Was die Infrastruktur angeht, manche Stadtteile bekommen jetzt Glasfaseranschlüsse. Andere haben sie schon, so man hört. Begonnen hat das etwa in 2023, und seitdem warten wir! Auf Godot, oder darauf dass die begonnenen Arbeiten auch mal abgeschlossen und die Technik funktionsfähig werden wird. Viel Stückwerk. Man versprach die ersten Anschaltungen im Dezember, also passend als Weihnachtsgeschenk. Kommunikation ist für manche eine Kunst. Viel versprechen, wenig halten. Absprachen mit den Hausbesitzern Fehlanzeige. Das hat natürlich zur Folge dass damit verbundene Folgearbeiten stocken und wohl eher nicht zeitgerecht fertig werden. Siehe nebenan, LAN-Bau.
Touristisch ist hier wenig los, sieht man von einer gewissen Insel ab, dem Kühkopf. Dieses Naturschutzgebiet kennt man vorwiegend als Biotop, und von diesem kann man gerade zwischen Frühjahr und Herbst „leben“. Die gemeine Rheinschnake hat dort ihr Zuhause, und nutzt dich gerne als Mittagessen. Ozapft ‚is! Am besten hält man dann dort den Mund, der dient sonst als Einflugschneise und Landeplatz. Gegen zu viele Insekten hilft eine Tablette – BTI. Die gibt’s mitunter bei der Stadt, leider nicht von Ratiopharm. Es ist trotzdem ein biochemischer Kleinkrieg, ausgefochten wird er alljährlich vorwiegend in der Regentonne, oder flächig mit Hubschraubern.
Man kann nicht nur dort auch durchaus gut wandern oder Rad fahren, und Äpfel wachsen in zahlreichen Sorten. Die bekannte Apfelbaumallee zwischen dem Hofgut und der alten Försterei sei hier erwähnt.
Wie kommt man hin? Es gibt Parkplätze, entweder in Erfelden vor der Brücke, oder in Stockstadt, wenn nicht gerade Hochwasser ist. Der Parkplatz in Stockstadt liegt ja vor dem Damm, wie man Deiche im Binnenland nennt, und ist manchmal überflutet. Alles auf der Insel ist autofrei, ausser Anlieger mit Berechtigung.


