Himbeertörtchen
Ich habe es getan, und mir einen Raspberry Pi 5 schicken lassen. Wer es im ortsgebundenen Fachhandel versucht wird enttäuscht werden. Wie so oft, man bekommt nichts. Die Menge der möglichen Bezugsquellen ist überschaubar. Nicht alle liefern an Packstationen. Beauftragt man Amazon geht das eigentlich sehr schnell. Ich habe Samstag bestellt und wurde am Montag beglückt. Locker ist praktisch! Wenn man das Set nimmt, das für Anfänger gedacht ist, erhält man bald darauf das, was das Beitragsbild zeigt. Einen Karton mit umfangreichem Inhalt.
Die KI von Google sagt dazu: „Der Begriff Raspberry Pi leitet sich direkt aus einem Wortspiel ab: „Raspberry“ bedeutet Himbeere und „Pi/Pie“ steht im Englischen für Kuchen bzw. Törtchen (Himbeerkuchen). In der EDV bezeichnet der Raspberry Pi einen kleinen, preiswerten Einplatinencomputer, der 2012 von der Raspberry Pi Foundation in Großbritannien entwickelt wurde.“
Nun, das Paket wie vor kostet inzwischen fast 400 Euro. Soviel also zu „preiswert“. Gemeint ist damit kaum billig. Da sich der Minicomputer aber fast so benimmt wie seine großen Vorbilder ist es eben doch preiswert.
Hier bezieht sich das „Pi“ wohl eher auf die vielfach genutzte Programmiersprache Python, auf der da viel aufbaut. Geeignet ist sowas also vor allem für Leute, die auch in fortgeschrittenem Alter noch was dazulernen wollen. Nicht optimal ist Linux an sich für Nutzer, die einfach nur damit arbeiten wollen. Die bleiben besser bei Windows. Man muss sich damit beschäftigen. Das kostet anfangs Zeit und Nerven.
Packt man das aus stellt man fest, dass das für „echte“ Anfänger Entscheidende fehlt – die Anleitung. Da liegt nichts Gedrucktes bei, und das Video im Netz ist nicht sonderlich aussagekräftig. Da wird vor allem suggeriert wie einfach doch alles sei. Eben das ist es in der Realität mitunter eben nicht.
Da hat man nun eine erstmal verdächtig aussehende Teilesammlung vor sich auf dem Tisch liegen. Das soll ein Computer sein? Ja und nein. Zuerst mal ist es ein Bastelprojekt. Ohne Anleitung ist das absolut nichts für Menschen mit zwei linken Händen, an denen jeweils fünf Daumen wachsen. Man sollte zumindest wissen wie sich ein PC zusammensetzt, und schon mal selbst einen aufgebaut haben. Alles in klein, aber es kommt alles erneut vor. Vor allem wird man im Lauf des Zusammenbaus merken, dass hinterher Teile übrig bleiben können wie Schrauben oder Muttern, oder welche anders zusammenpassen als man das anfangs gedacht hat. Wer davon keine Ahnung hat, nicht weiss wie man Platinen zusammenbaut, was wohin gehört oder jemanden kennt der Zeit hat um vorbei zu kommen endet danach entweder im Irrenhaus, oder beim Elektroschrott.
Seien wir ehrlich. Die Werbung verspricht dir da Dinge, die real so nicht eintreten! Anscheinend geht der Anbieter davon aus, dass das ohnehin nur Leute kaufen, die entweder Informatikstudenten sind, oder EDV-Freaks. Die in dieser Hinsicht „unbeleckte Hausfrau“ dürfte da eindeutig überfordert sein. Da ist nichts mit „auspacken, einschalten und wohl fühlen“! In der Packung war ja auch die Adapterplatine, um den Rechenknecht mit einer SSD auszustatten, und die wird mit einem Flachbandkabel verbunden, wobei es nicht egal ist wie man das einbaut. Macht man es falsch besteht kein Kontakt, und du fragst dich – trotz Unterstützung aus dem Netz – wo das Problem sei. Nebenbei, die SSD ist nicht beigelegt. Die darfst du extra kaufen. Und es passen nur bestimmte.
Es sei doch alles so einfach! Wirklich? Im Prinzip ja, aber …
Aus dem Kleingedruckten erfährt man vorab, dass man zur Inbetriebnahme einen separaten PC braucht. Etwas, womit man eine Mikro-SD-Karte schreiben kann. Du bekommst zwar eine mitgeliefert, die ist aber leer. Das auch darum, weil zwar gelegentlich der Eindruck erweckt wird, das Betriebssystem werde mitgeliefert, das aber stimmt so nicht ganz. Du erhältst es von der Webseite des Herstellers. In zwanzig verschiedenen Ausführungen ganz nach jedem Bedarf. Zum Aufsetzen sind Daten notwendig, die der Anbieter garnicht haben kann, wie dein WLAN-Passwort. Es gibt aber Modelle, die ohne solche Dinge keinen Netzzugang haben. Der Installer fragt dich alles, aber machen musst du.
Steckt die Karte dann mal im Pi und steckt das Netzteil in der Steckdose geht das weitere sehr schnell. Leistungsfähig ist das Baby, gemessen an seiner geringen Größe und seiner weiteren Bedarfslosigkeit eigentlich sogar sehr. Eine Tastatur, ein Bildschirm, eine Maus. Das ist weiteres Zubehör, das man haben sollte, aber nicht zwingend braucht. Kennt man die IP des Pi, die per default der Router mit DHCP vergibt, kann man ihn auch aus jedem Terminal per SSH ansprechen. Wer Linux kennt weiss wie es dann weiter geht.
Es bedarf also einiger Vorkenntnisse. Hat man die ist das Ding super. Hat man sie nicht ist es wie jeder neue Rechner erst mal ein Buch mit sieben Siegeln. Das eigentliche Abenteuer, das Lernen, geht nach der Inbetriebnahme also erst los.



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