Lügenpresse?
Foto: Symbolbild – „Eine Lüge ist die bewusste und absichtliche Vermittlung einer Unwahrheit, um andere zu täuschen, einen Vorteil zu erlangen oder Schaden abzuwenden.“ „Märchen (Diminutiv zu mittelhochdeutsch mære „Kunde, Bericht, Nachricht“) sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen.“ Zitat Wikipedia.
Lügen und Märchen ist gemein dass beide der Wahrheit entbehren. Der Vorwurf, bewusst Märchen zu erzählen, kommt vor allem von Kritikern. Nur – was kritisieren die eigentlich? Unliebsame Wahrheiten werden ja schnell als „Fake News“ diffamiert.
Medien gibt es viele. Gewerbliche und altruistische, welche die allgemein berichten wie die Tageszeitungen oder der Rundfunk, oder solche die sich auf ein Thema spezialisiert haben wie die Fachpresse. Erscheinen kann das auf Papier, oder online.
Nun wäre festzustellen, dass die Realität nicht immer das ist, was das Gesetzbuch dazu sagt. Offiziell haben wir Pressefreiheit. Genauer ist die Freiheit gemeint, zu sagen oder zu verbreiten was wer denkt, hört, sieht, liest …
Dazu heisst es dort weiter: „Die Presse- oder Medienfreiheit soll die Informationsfreiheit, die freie Meinungsbildung und –äußerung, die pluralistische Meinungsvielfalt und damit die demokratische Willensbildung sowie die Transparenz und Kontrolle der Politik durch die Öffentliche Meinung gewährleisten.“
Im Weiteren müssen wir ein wenig ausdifferenzieren. War es früher aufgrund Kosten für Verlag, Redaktion, Druckerei, etc. nur gewerblich Interessierten möglich, eine Zeitung herauszugeben, so kann das heute jedermann. Ein Blog einzurichten ist trivial geworden und für wenige Euro im Monat jedermann möglich. Insofern gilt das kommerzielle Argument, man müsse Auslagen wieder erwirtschaften, nicht mehr – als Ausschlusskriterium gleich garnicht. Ob ein Angebot Geld kostet oder gratis lesbar ist entscheidet nicht über Inhalt oder Seriosität.
Wenn heute von der Presse die Rede ist wird gerne nur an Zeitungen gedacht. Aber auch da gibt es die traditionellen Titel ebenso wie die „Postwurfmedien“. Ich nenne sie mal so, weil mir „Gratiszeitungen“ zu despektierlich erscheint. Da gibt es genug die es mit der „herkömmlichen“ Konkurrenz durchaus aufnehmen können. Nur kosten die eben nichts für die Leserschaft und landen regelmäßig ungefragt im Zeitungsrohr, während für die Tageszeitungen ein Abonnement oder Kioskverkauf nötig ist. Ja, die finanzieren sich durch Werbung. Dagegen spricht nichts, solange sich der Inhalt nicht tendenziös darstellt.
Wer berichten will braucht Zugang zu Themen. Sei das durch Besuch, sei das durch zugetragene Unterrichtung. Berichten bedeutet stets, Tatsachen zu verbreiten, nicht Spekulation oder Vermutungen, ausser sie sind als solche ersichtlich oder gekennzeichnet und zur Darstellung des Themas erforderlich. So sind auch Kommentare, Meinungen oder Anzeigen als solche kenntlich zu machen.
Worauf ich raus will ist folgendes: Regelmäßig bedarf es für Berichterstatter, die sich oft genug als eine Elite oder erlauchten Kreis vorkommen, einer Zulassung oder Erlaubnis. „Da kann ja jeder kommen!“? Ja, nach dem Gesetz könnte jeder das machen, der es mit der Wahrheit hält! Das ist ja, was Freiheit ausmacht. Wer dazu ernannt werden muss ist dem Ernenner verpflichtet und von da her nicht frei!
Daher wird ja von manchen vermutet, der so genannte „Staatsfunk“, also die öffentlich-rechtlichen Medien, seien verlängerte Arme der Parteien und würden nur deren Ansichten verbreiten. Unterstellt wird da also gezielte Propaganda. Das tun oft auch jene, denen die Darstellungen nicht passen.
Die Presse hat dabei durchaus keine Narrenfreiheit, und wenn es Grund für eine Gegendarstellung gibt steht diese Möglichkeit auch offen. Die Medien sind verpflichtet, solche Gegendarstellungen genauso prominent zu veröffentlichen wie der eigentliche Artikel. Dasselbe gilt auch für Richtigstellungen. Irren ist menschlich, wenn man dazu steht.
Kern des Problems ist der Presseausweis. Was soll er sein, was ist er real? Sein soll es ein Rechercheinstrument, das ehedem mal attestiert hat, dass sein Inhaber (m/w/d) einem seriösen Medium angehört und die Fragen berechtigt sind. Früher hatte der mal den Status eines Dienstausweises! Damals gab es auch keine digitalen Medien, keine Blogs, kein Streaming, keine Gratiszeitungen, etc.
Das ist heute anders. Man kann zu dem Eindruck gelangen, als diene der Presseausweis heute eher dem Mitgliedsinteresse der Journalistenverbände, die die Karte gegen Gebühr (!) ausgeben. Bevorzugt an ihre Mitglieder! Dabei liegt es in der Entscheidung dieser Verbände, wer die Karte bekommt und wer nicht. Das erscheint weder unabhängig noch frei. Es wird dabei Wert gelegt auf Hauptberuflichkeit, wobei naturgemäß nur davon leben kann der bei einer Redaktion oder einem Sender angestellt ist. Andere sollen den Ausweis nicht bekommen, so man lesen kann nicht mal freiberufliche. Die bilden aber inzwischen einen erheblichen Teil der Pressefotografen. Dass Blogger das überwiegend nicht beruflich machen kann klar sein, wenn man Aufwand und Feedback vergleicht. Aber man bekommt zum Beispiel nette Rabatte im Fachhandel, wenn man diese Karte auf den Tisch legt!
Diese Praxis bewirkt Ausgrenzung, und das vermutlich gewollt. Man will sich eine Gruppe von Menschen vom Leibe halten, die Konkurrenz machen könnte, aus technischer Sicht Möglichkeiten hat die den alten Printmedien fremd sind, und die niemandem hörig ist. Blogger können schreiben worüber sie wollen, solange es wahr ist. Sie müssen nicht fragen ob der Platz auf der Zeitungsseite reicht oder Sendezeit in der Sendung vorhanden ist! Sie unterstehen nicht der Auswahl einer Chefredaktion, sondern bestimmen selbst über ihre Inhalte. Wenn es auf einem Blog Themen gibt die sich nicht in einem Beitrag abhandeln lassen schreibt man eben zwei oder drei. Platzmangel ist da insoweit unbekannt.
Dem Sport gehen hiermit Möglichkeiten verloren. Zeitungen verteilen Platz anhand der erwarteten Leserschaft. Darum sind die Sportseiten der Zeitungen immer voll mit Fussball, während andere Sportarten Mühe haben erwähnt zu werden. Das Verlangen nach dem Presseausweis als traditionellem Addreditierungsmittel bringt es eben mit sich, dass man die Blogger aussperrt. Will man das so oder denkt man nicht nach? „Das haben wir schon immer so gemacht!“ Andererseits: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit! Will heissen der wird obsolet. Die Lokalzeitung wird über ein durchschnittliches Radrennen bestenfalls mitteilen dass es stattgefunden hat, und wer es gewonnen hat. Umfangreichere Artikel bedürfen eines Anlasses wie eines Jubiläums. Vorabberichte, die Zuschauer zum Rennen locken können, gibt es weitgehend nicht. Überregionale Zeitungen berichten regelmäßig garnicht darüber, oder sind hinter Bezahlschranken für die Allgemeinheit nicht lesbar. Rundfunk und Fernsehen berichten nur, wenn es Meisterschaften sind.
Die Dinge hängen zusammen! Denkt mal nach, wie es wirkt wenn da jemand sagt, man habe schon einen Fotografen und brauche keine weiteren. Ihr dreht euch selbst den Hahn ab!



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