Die Iden des März
WORMS – Foto: Screenshot – Obiger Screenshot zeigt die Fahrplanauskunft für eine angedachte Fahrt morgen zum Rennen in Zusmarshausen, oder was die Bahn dazu so vorschlägt. Brauchbar nenne ich das nicht. Die Startzeit ist 10 Uhr, und wer zu spät kommt verpasst das Rennen. Bliebe also trotz allem das Auto.
Ich komme gerade aus Worms. Dort ist an diesem Wochenende verkaufsoffen, und es ist einiges los. So hatte auch die Filiale von Foto-Erhardt eingeladen.
Das Ergebnis ist aus meiner Sicht enttäuschend, brachte es doch keine Erleuchtung. Im Laden – oder sollte man es eher „Verkaufsschlauch“ nennen? – war „ganz normaler“ Betrieb. Für einen Fotoladen ist die Filiale winzig. Ein Erbstück. Für mehr als die Ladentheke und das Regal ist da eh kein Platz. Ich hatte zwar darauf spekuliert dass bei dem um die MIttagszeit noch schönen Wetter die Tische der Aussteller vor dem Laden stehen würden, aber Fehlanzeige. Da war nichts. Okay, nächstes Wochenende geht’s bei Kamera-Express in Frankfurt weiter. Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Durst!
Stichwort Sultan… Reden wir über Friedrich Merz.
Unser Bundeskanzler hat ein Problem. Die ausgeuferten Treibstoffpreise gefährden die Wirtschaft. Es ist ja nicht so wie manche meinen, man müsse einfach nur weniger fahren. Die Mehrheit macht das ja nicht aus Spaß an der Freude oder purer Langeweile, sondern aus Notwendigkeit.
Den Titel hat treffenderweise Shakespeare einem Seher in den Mund gelegt, der Julius Cäsar vor dem Besuch im Senat warnte, was dieser ignorierte und daraufhin erstochen wurde. „Hüte Dich vor den Iden des März!“. Die Iden als Vorboten von Unheil. Gemeint war der 15. 3. Wir haben heute zwar den 11.4., aber egal. Falsch geschrieben eben die Iden des Merz. Friedrich Merz. In Berlin herrschen derzeit aus vorgenannten Gründen ähnliche Verhältnisse, und er sollte aufpassen was er tut, will er wiedergewählt werden. Es müssen ja nicht gleich Dolche sein, die Wahlurne tut politisch womöglich das gleiche. Das Zahl- und Stimmvieh vergisst zwar vermeintlich rasch, aber die Mehrheiten sind dünn.
Machen wir einen kleinen Exkurs. Er meint ja, Markteingriffe wären nicht die Lösung. Nun, ist der Benzinmarkt überhaupt ein Markt? Der Markt ist ja definiert als theoretische Waage zwischen Anbietern und Nachfragern. Hier aber haben wir was? Ei, da kommen Millionen Nachfrager, die nicht ausweichen können weil sie fahren müssen, auf nur eine Handvoll Anbieter. Wer nachschaut kann merken wer hinter welcher Marke an den Tankstellen sitzt. Das ist also eher ein Oligopol. Eins, das den Preis nicht im Wettbewerb, sondern nach eigenen Wünschen festsetzt. Die Treibstoffpreise bilden sich ja real nicht am Zapfhahn! Kartellamt, bitte übernehmen Sie!
Wer Geschichtsbücher liest kann etwas Vergleichbares kennen. Ich meine den Fettmilch-Aufstand. Das ist zwar schon ein paar Jahrhunderte her, hatte aber ähnliche Ursachen, und wie er ausging ist bekannt. Rübe ab! Damals hatte man „aus fiskalischen Gründen“ auch Steuern erhöht. Ziemlich willkürlich, muss man dazu sagen. So ähnlich wie die Energiesteuern heute. Damals halt Steuern auf Brot und Bier, was damals der Ernährung der breiten Masse entsprach. Am Ende waren weite Teile der Stadt Frankfurt, wo sich das zutrug, erheblich beschädigt, einige tot, und der Preis wieder unten. Man wolle nicht am Unglück der Menschen schuld sein, liess danach der Magistrat verkünden. Ei der daus …
Wie man in der Presse durchaus glaubwürdig lesen kann sind die Verhältnisse an den Tankstellen derweil gefährlich für Spediteure und Busunternehmen. Das sind eben jene, die die Wirtschaft logistisch am Laufen halten. Die Bahn spielt da mittlerweile eher eine untergeordnete Rolle. Ohne Lkw bleiben die Regale leer, und die Lastwagen fahren immer noch vorwiegend mit Diesel. Die meisten Stadtbusse tun das auch. Es ist Selbstbetrug da dann die wenigen Fahrzeuge herauszustreichen, die andere Treibstoffe nutzen. Die spielen insgesamt keine nennenswerte Rolle. Hält die Lage also an kommt auch der öffentliche Nahverkehr ins Schlingern. Bleiben die Busse im Depot hilft auch keine Pendlerpauschale mehr!
Es läge also durchaus im Interesse des Staates, die Doktrin des Nachtwächters zu überdenken, denn futsch ist futsch! Will der Kanzler und seine Regierung vertreten, wenn es „danach“ tausende Arbeitsplätze weniger gibt? Das ist kein unabwendbares Marktgesetz! Das ist kein Schicksal! Das ist Politik. Wenn die Speditionen zusperren, und die Kapazität der WIrtschaft endgültig fehlt – Was hat er dann gewonnen? Er kann sagen er sei der WIrtschaftstheorie treu geblieben. An der Urne aber wird er abgestraft werden, weil für die Menschen Arbeitsplätze mehr zählen als Wirtschaftstheorie!
Ein Mittel gegen überhöhte Treibstoffpreise wäre die Abschaffung der CO2-Steuer. Warum? Zum einen würde der Preis sofort um rund 20-30 Cent pro Liter fallen können, zum anderen kann der Zweck der Steuer – Fahrten vermeiden – so gar nicht erfüllt werden. Welche Alternativen gibt es denn? Glaubt man da tatsächlich, es würde sich jetzt jeder ein eAuto kaufen? Die gibt es gar nicht, und die Normalbürger haben dafür auch kein Geld. Das ist Fakt, oder wie schaut es auf euren Bankkonten so aus? Wie es auf meinem ausschaut weiss ich … Somit bewirkt diese Steuer nicht ihren Zweck, sondern einfach nur „teuer“! Muss das sein? Ist das zielführend?
Zielführend wäre es da wenn man statt dem Auto die Bahn nutzen könnte. Wie es da aussieht haben wir die zurückliegenden Wochen anhand von Waldrems, Schönaich und anderen deutlich gesehen. Die Badische Zeitung hat dieser Tage einen Artikel gebracht, in dem sogar der an sich hochgelobte städtische Verkehr der Stadt Freiburg angegangen wird, weil eben die Wirklichkeit mit den Lobarien so nicht recht zusammenpasst. Da scheint es auch ein paar „Leuchtturmprojekte“ zu geben, aber eben auch etliche „weiße Flecken“ auf dem Stadtplan. Stadtbezirke also, die mit Öffis nicht so erreichbar sind, wie das eigentlich sein sollte. Auch für Zusmarshausen gilt jetzt eben das – es gibt keine brauchbare Bahnverbindung! Ich würde sie sofort nutzen! Außer man übernachtet, und dafür braucht es erst mal Zeit, Urlaub, ein Zimmer, …, was so viel kostet dass man dafür trotzdem ein gutes Weilchen tanken könnte. So wird der Besuch von Sportveranstaltungen für Normalverdiener illusorisch, weil unerschwinglich. Es ist ein anderes Thema, dass man so weit fahren muss, aber diese Dinge kommen nicht von heute auf morgen und sind nicht erst diese Woche entstanden. Das ist schon seit Jahren so.
Wie treu sich die Bahn derzeit ist hat auch die heutige Fahrt nach Worms gezeigt. Eigentlich ist das ein Katzensprung. Zwei Umstiege mit jeweils Sofortanschluss. Auf dem Papier passt da alles, aber eben nur auf dem Papier! In der Praxis brauchst du wegen Anschlussverlusten infolge winzigster Verspätungen von nur wenigen Minuten für ein paar Kilometer gleich mal zwei Stunden. Eine Zeit, die du mit dem Auto bis Stuttgart brauchen würdest. Da fährt der Anschlusszug rücksichtslos dem anbringenden Zug vor der Nase davon statt einige wenigen Minuten auf die Reisenden zu warten. Die dürfen dann eben eine Stunde stehen und auf den Nächsten warten. Der Bahn scheint das egal zu sein! Man könnte das leicht vermeiden, müsste nur miteinander reden und eben wollen. Was sich schon auf so kurzen Wegen verheerend auswirkt führt längere Reisen ad absurdum! Dabei weiss die Bahn anhand der verkauften Verbindungen, wo wieviele umsteigen müssen. Sie kann sogar den Anschlusszug wissen, der gebraucht wird. Aber sie scheisst drauf! Das ist nicht mehr vertrauenswürdig und real niemandem anzuraten.
Für das Thema dieses Beitrags ergibt sich daraus ein schlimmes Fazit, wurde die Benzinpreiserhöhung ursprünglich doch so begründet, dass man die Leute zum Umstieg auf die Bahn bewegen wolle. Das muss man dazu aber auch erst mal können, wozu es sowohl eines brauchbaren Angebots als auch Zuverlässigkeit bedarf. Beides ist weit weg von der Realität. Real sind Bahnfahrten heute Glücksspiele, wo keiner weiss was ihn erwartet! Und es wird immer schlimmer.
Das kann funktionieren solange du flexibel bist, tut es real aber immer seltener. Und flexibel bist du eben nicht wenn eine Ausschreibung die Startzeit vorgibt. Die ist dabei sozusagen der „Point of no return“. Entweder du bist bis dahin da, oder du verpasst das Rennen, wegen dem du da hin gefahren bist! Schaut euch die obige Fahrplanauskunft an, wie es sich damit da benimmt. Noch Fragen? Dabei ist da noch nicht mal erörtert ob die Busse denn an dem Tag wirklich so fahren, denn die Straße wird für das Rennen gesperrt sein. Das geht in den Auskünften noch nicht mal ein, und die sind eben nicht von vor drei Monaten, sondern von vorgestern, einem Zeitpunkt, zu dem sowas bekannt sein muss. Man darf also noch nicht mal die offizielle Auskunft glauben!
Nebenbei, Frau Reiches Vorschlag mit der Pendlerpauschale hilft der Wut über das Ölkartell nicht ab. Die Regierung sollte eher dafür sorgen, dass die Bahn schleunigst zur alten Zuverlässigkeit zurückkommt. Es zählt nicht wie viel der einzelne Zug verspätet ist, ob der ausfällt, und warum. Davon können sich Betroffene nichts kaufen. Was zählt ist, ob man damit zuverlässig ankommt, und mir persönlich sind Verspätungen solange egal wie ich nötige Anschlüsse erreiche! Gehen die verloren braucht keiner mehr nach einer Statistik zu fragen.



Kommentar abschicken