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Foto: Archiv – Heute ist Sonntag, und nach den Fehlschlägen der letzten Wochen hätte ich ein paar Anregungen. Für Euch, für alle Verantwortlichen, für alle die da was ändern können, zum Nachdenken.

Es ist ja ganz nett wenn sich die Regierung hinstellt und was für’s Klima tun will. Das kann aber nicht dahin führen die Leute faktisch zuhause einzusperren, während man gleichzeitig Mobilität einfordert! Was hier einen Ausflug betrifft gilt genauso auch für Pendler. Was man an verantwortlicher Stelle von anderen verlangt hat man selbst erst zu ermöglichen! Ja, das geht. Es ist vor allem eine Frage der Reihenfolge. Erst ermöglichen, dann fordern! Nicht umgekehrt. Das enthält Abhängigkeiten. Diese Reihenfolge ist zu beachten.

Was ist denn da Sache? Ich habe es gerade jetzt wieder erlebt mit dem Versuch, mit Öffis nach Düsseldorf zur Messe zu kommen, beziehungsweise von dort wieder heim. Das scheiterte nicht daran, dass es auf dem Papier keine Verbindung gegeben hätte, sondern daran dass dazu erforderliche Informationen nicht aufzutreiben waren. Es wäre reichlich naiv zu sagen, steig einfach ein und lass dich fahren. Diese Verhältnisse haben wir schon lange nicht mehr dass man vorbehaltlos glauben kann was da geschrieben steht. Gleiswechsel „im Dutzend billiger“ hat es in Düsseldorf damals bei meinem letzten Messebesuch schon haufenweise gegeben, und wo der Zug nun fährt hat man erst erfahren als der dann schließlich da war. Das hätte nicht sein müssen! Es ist eine Vertrauensfrage, und das wird so untergraben!

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So zum Beispiel der Umstieg am Frankfurter Flughafen auf den Bus (das violette Feld links im Fahrplan-Screenshot). Das ist ja schön dass der fährt, aber wo ist das? „Bussteig 24“ ist nicht dazu angetan, daraus förderliche Informationen zu entnehmen. Angaben oder Erläuterungen dazu gab es in der Auskunft keine. Der Flughafen hat alleine drei Terminals, und jedes kommt als Abfahrort infrage. Warum wird vorausgesetzt dass jeder wisse wie er da gehen müsse? Nein, ich weiss das nicht, und habe auch keine Angaben dazu gefunden. Auch Maps war da leider keine Hilfe, wenn man weiss dass manches da Gezeigte in der Realität eben anders aussieht. Du kannst da eben nicht einfach mal quer über das Rollfeld wandern. Das gilt ebenso für die Autobahn A3, die da zwischen Fernbahnhof und Terminal 1 liegt. Die ist gut besucht und gerade bei Nacht zum Gehen wenig geeignet. Man könnte das angeben; bei Ersatzverkehren klappt das ja auch, dazu zu schreiben von wo der Ersatzbus fährt und wie man da hin kommt. In der Regel jedenfalls. Warum klappt das da nicht? Wer zum Umstieg nur ein paar Minuten Zeit hat hat keine Zeit zum Suchen!

Es ist mir Ernst! Die Bahn könnte eine gute Alternative zum Auto sein. Aber dazu braucht es unbedingte Verlässlichkeit. Ich bemängele nicht dass es „gelegentlich“ Verspätungen gibt. Das ist mir persönlich solange egal wie ich meine Anschlüsse erreiche. Das ist das Maß! Ich fahre nicht um irgendwie irgendwann irgendwo anzukommen, sondern habe ein Ziel und dort was zu erledigen. Und ich denke das wird bei anderen ähnlich sein. Irgendwelche Statistiken, die sich nur auf einzelne Züge und deren Pünktlichkeit beziehen, sind da Schall und Rauch. Absolut irrelevant. Die Reisekette und deren Verlässlichkeit zählt.

Wir hatten das in ähnlicher Weise letztens in Stuttgart. Ich hatte mir Verbindungen nach Böblingen angesehen. Der Ersatzbus für die Gäubahn, an der gebaut wird, sollte vom Pariser Platz fahren. Nach der Karte soll der in der Umgebung des Hauptbahnhofs liegen, was man da halt so nennt. Nur wie genau man da hin kommt kann man nicht erst ausprobieren wenn man da ist! Nach der Karte war das da eine Sackgasse, und wie Fussgänger da gehen sollen bleibt fraglich. Die Straßen sind dort „mehrstöckig“, und alle dürften begeistert sein wenn sie einmal quer über die Stadtautobahn pilgern sollen. Es gibt durchaus Buslinien, die express über die Autobahn verkehren, und da liegt dann so manche Bushaltestelle eben auch mal im Tunnel dieser Stadtautobahn, unter Tage und von oben nicht zu erkennen wenn man nicht weiss wo die Treppe dazu ist. Das kann man vorher angeben, und Auswärtige können es von sich aus kaum wissen. Vergleichsweise davor der Besuch beim Vaihinger Radcross. Der Platz liegt an der Krehlstraße – die Haltestelle Krehlstrasse für den Bus ist aber „ganz woanders“! Das hilft da keinem.

Kommen wir zurück zur Cyclingworld. Du sollst nicht mit dem Auto kommen weil man keine Parkplätze habe? Nun, man muss dann wissen dass die Stadtbahn zum Beispiel für Gehbehinderte keine Lösung ist. Das betrifft mich zwar nicht persönlich, ich spreche es aber dennoch mal an. Die Haltestelle Lörick vor dem Eingang des Areal Böhler ist meines Wissens nach wie vor nicht barrierefrei, und zum Einstieg in die Züge musst du über steile Treppen. Der Bahnsteig ist „Höhe Null“, der Zugboden vier Treppenstufen höher. Die alten Züge haben keinen Hublift. Da hilft es wenig wenn du am Hauptbahnhof ebenerdig wieder aussteigen kannst. Das wäre bedarfsweise zu beachten. Auch diese Menschen haben ein Interesse an der Fahrradmesse. Es gibt auch Spezialräder für Bedürftige.

Solche und andere nützliche Angaben fehlen regelmäßig, und mir kann keiner erläutern dass man selbst die nicht haben soll. Wer vor Ort ist kann das leicht herausfinden, nur eben Auswärtige nicht bis sie da ankommen, und vor einer Baugrube stehen. Stuttgart21 – das Ewigkeitsprojekt. Auch ansonsten wird in Deutschland viel gebaut, vor allem bei der Bahn. Das muss sein, führt aber immer wieder zu Überraschungen aller Art.
In Düsseldorf hast du laut Fahrplan bestenfalls 6-7 Minuten für den Umstieg vom Fernzug zur Stadtbahn, und musst selbst herausfinden wo deren Bahnhof ist. Es war in der Vergangenheit schon so dass ich unten ankam als der Fahrer gerade die Türen schloss. Bitte warten. Du bekommst aus der Auskunft aber nicht heraus wann die Nächste fährt. Das wiederum ist in vielen Städten am Wochenende eben ein Problem. Das kann in zwei Minuten sein, aber ebenso gut auch erst in einer halben Stunde. Erfahren wirst du das erst wenn er da ist.

Gestern war es die Rheinbahn selbst, die mein Vertrauen untergraben hat. Die Aussage online meinte zwar die U76 werde trotz Streik „voraussichtlich“ fahren, man schloss aber zugleich Ausfälle nicht aus, und wenn die Linie dann zu denen gehört die nur halbstündlich fahren wie hier bei uns in Darmstadt und dann drei ausfallen heisst das real dass den halben Vormittag nichts fährt. Passiert dir das am Abend bei der Heimfahrt ist der ICE weg, und bei Zugbindung ist das ein Problem. Da wird es dann zynisch, denn die Bahn wird nicht fragen warum du nicht rechtzeitig am Hauptbahnhof warst. Streik zählt wie Krieg. Dein Problem! Fahr doch einen früher? Toll, da läuft das Crossrennen aber noch! Darauf kann man sich kaum einlassen!

Das alles sind Dinge die über die Nutzbarkeit des öffentlichen Verkehrs mitentscheiden, und ich reduziere bewusst diesen nicht auf Nah-Verkehr. Die Fernbahn als Glied in der Kette gehört da selbstverständlich mit dazu. Ja, es ist eine Kette, und die ist eben nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Man kann sich viel wünschen, und ich bin auch gerne dabei es zu nutzen. Dazu aber braucht es auch das nötige Angebot, bedingungslose Zuverlässigkeit und nicht politisches Larifari!

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.