Doppelmoral?
Foto: Symbolbild – Ich kann, will und werde nichts beurteilen, aber meine Eindrücke aufschreiben werde ich schon. Es hat sich im Lauf der Jahre so einiges angesammelt!
Sie nennen es Profisport. Das Volk erlebt eine Schau, und mitunter merkt man durchaus, wie die Prioritäten manchmal gesetzt sind. Die Eigenschaft einer Schau ist es nun mitunter, dass der Inhalt anders ist als die Fassade. Leider ist das so. Nach außen gibt sich der Sport da leutselig, nach innen benimmt er sich wie eine Ritterburg, die nicht erobert werden will. Da verharrt man gerne auf Ansichten aus alten Tagen, und merkt nicht dass sich drumherum die Zeiten ändern. Mit der Ritterburg war das genauso. Drinnen fühlte man sich zu lange sicher. Irgendwann stand draussen jemand mit einer dicken Bertha. Da war’s um die Burg dann geschehen.
Kann vergleichbares auch mit dem Sport passieren? Durchaus! Dann nämlich, wenn zu viele mitbekommen, dass das, was man den Leuten erzählt, nicht mehr zu dem passt, was man wirklich tut. Ein Radrennen ist kein Fussballspiel, wo alle „Unbeteiligten“ auf der Tribüne hocken, gaffen und sich in der Pause ein Bier holen. Da sind weitaus mehr beteiligt, und sei es nur als Verkehrsteilnehmer, die wegen der Absperrung nicht die gewohnten Wege fahren können. Ob und welche Zusammenhänge oder Zwänge es dabei möglicherweise gibt kann ich nicht beurteilen, wohl aber sehe ich die Folgen für die Allgemeinheit. Es gab zuletzt Deutsche Meisterschaften im Radsport, ebenso wie verschiedene Profirennen (Eschborn-Frankfurt ebenso wie die Deutschlandtour), deren Aussage war, man lasse Berichterstatter nur gegen Presseausweis zu. Ich bedauere zu oft darauf ansprechen zu müssen. Das waren die Rahmenbedingungen, wie man sie um 1980 herum kannte, und damals traf es auch zu dass andere gar nicht wirklich darüber berichten konnten. Heute ist da einiges anders. Um die Jahrtausendwende herum hatte das Internet eine Ausbaustufe erreicht, die dahin führte dass eigentlich jedermann seine eigene Zeitung gründen konnte, wobei die Auflageentwicklung der bestehenden Presse den Eindruck verschärfte, dass das Volk mit dieser Art unzufrieden war. Die ging stetig zurück. Die Zeitungen ignorierten zu oft die Themen, die das Volk interessierten. Ein „Verlautbarungsblatt“ der Obrigkeit, wo nur das drin steht was uns die hohen Herren gnädigst mitteilen möchten, brauchen wir nicht. Was tat sich daraufhin? Interessierte machten ihr eigenes Ding, und es entstanden Blogs. Ein Blog, ausgeschrieben Weblog, ist eigentlich ein online geführtes Tagebuch, wo jemand über Themen von Interesse schreibt. Thema muss nicht der Autor als Person selbst sein, und das geht auch als Ton, dann haben wir einen Podcast, oder als Video, dann ist es ein Vlog. Ein Video-Log. Der Sport ignoriert diese neuen Medien, oder nimmt sie nur dann zur Kenntnis wenn sie ihm vermeintlich nützen, z.B. wenn er sie selbst betreibt. Man kann den Menschen heute nicht mehr mit Maßstäben von vor 30 Jahren kommen. Du darfst hier nicht fotografieren, weil wir einen offiziellen Fotografen haben? Ja, der will Geld verdienen. Das interessiert aber keinen der berichten will und dafür Fotos braucht. Aber die Mitarbeiter der Zeitungen dürfen das? Oder filmen. Man habe die Rechte verkauft. Früher gab es nur zwei Fernsehsender. Wir erinnern uns? Das war so um 1960 herum. ARD und ZDF. Heute ist das anders! Wie gesagt, ein Propagandaorgan brauchen wir nicht. Die Leute wollen aber wissen, was da wirklich war, aus eigener Ansicht. Auch die, die nicht haben dabei sein können. Gleich aus welchen Gründen. Deshalb sind Livestreams von den Rennen, die das anbieten, auch so beliebt. Was aber macht da manch ein Veranstalter? Er beschwert sich öffentlich über angeblich unprofessionelle Qualität! Was wirklich gemeint ist: Der schreibt nicht so wie ich es will! Daraus konstruieren dann einige Ausschlüsse. Auch die Argumentation mit dem Presseausweis ist ein Teilausschluss, weil den eben nicht alle bekommen die Medienarbeit machen. Man muss nicht studiert haben um gut berichten oder fotografieren zu können, und manch ein Filmbeitrag eines Halblaien ist bildlich aussagekräftiger als der Standard des Fernsehens, die immer das gleiche 08/15 zeigen. Klischee oder vorauseilender Gehorsam können je nach Sachlage auch Eigenschaften berufsmäßigen Arbeitens sein, wenn man vermeiden will (oder muss, weil man das nächste Mal wieder die Zulassung braucht) irgendwo anzuecken. Wer ein Teilthema nicht ansprechen will wird seinen Beitrag danach richten. Was da verschwiegen wird gehört aber dazu. Auch das ist Zensur durch die Hintertür.
Dazu kommt, dass viele Rennen die Mitmenschen zur Mithilfe aufrufen. Helft uns! Man sucht da also Leute, die z.B. als Ordner den Verkehr regeln. Sucht man aber auch Leute, die mithelfen darüber Informationen zu verbreiten? Nein, das will man selbst kontrollieren! Ja, mir scheint es geht da um Kontrolle. Zu oft wünscht man nicht, dass alle wissen was alle wissen könnten, sondern eben nur das was sie wissen sollen. Nebenwirkung: Manche fragen sich jetzt halt was man ihnen vorenthält.
Zur bald kommenden Sauerlandrundfahrt, die aktuell erstmals als Vieretappenrennen Profistatus erlangt hat, wird das wohl auch nicht anders aussehen, auch wenn dazu auf der Webseite kein Wort geschrieben steht. Wer kann denn da kommen, wenn die Hälfte des Rennens genau dann stattfindet, wenn die Normalbevölkerung selbst arbeiten muss? Rentner, Arbeitslose, …? Das ist nicht das Publikum, das man beim Sport gewöhnlich antrifft. Gefragt sein wird also, mal wieder, nur die ortsansässige Bevölkerung, die es sich einrichten kann. Hausfrauen zum Beispiel. Kaum wer von ausserhalb. Die gewöhnlich Interessierten fallen nicht darunter. Das ist schade, und noch vielsagender ist dabei der Zeitplan. Nehmen wir den Sonntag als Beispiel. Die finale Etappe führt von Arnsberg auf den Kahlen Asten. Wenn der Start, wie da zu vermuten steht, frühmorgens kurz nach 9 Uhr erfolgen soll beginnt erfahrungsgemäß die dazugehörige Einschreibung nicht später als 8 Uhr. Eine Zeit also, wo gewöhnliche Leute am Sonntag noch im Bett liegen. Bis um 10 die Kirche anfängt ist der Markt dann schon verlaufen und die Rennfahrer unterwegs. Die Anreise aus dem Rhein-Main-Gebiet ist ohne Auto nicht möglich, und dauert auch mit zweieinhalb Stunden. Mindestens. Zwar hat Arnsberg einen Bahnhof, es steht aber kaum zu erwarten dass es um die frühe Stunde da eine Verbindung gibt. Züge ins Sauerland fahren dahin selten direkt, die Wege führen der Auskunft nach entweder über Kassel, oder über den Ruhrpott. Das dauert dann. Nach dem Start dürfte es zwar kein Problem sein, zeitgerecht von dort mit einem Auto auf den Kahlen Asten zu fahren – wenn sie dich denn rauf lassen. Öffentlichen Nahverkehr gibt s auf den Kahlen Asten an dem Tag aber mit Sicherheit nicht. Es gibt nur eine Straße, und da wird nur fahren dürfen wer eine Zulassung hat. Man kann politisch viel fordern. Hier zeigt sich der wahre Gehalt. Mach mal was du gar nicht darfst!
Damit wären wir wieder beim Thema. Einen Link zur Akkreditierung gibt es nicht. Wer dem Hinweis für die Presse folgt landet auf einer Webseite der Stadt Winterberg mit netter Werbung. Früher genügte da eine formlose Anfrage. Wie das jetzt unter Regie der UCI ist weiss ich nicht. Erwartungen habe ich keine! Wie gesagt, wenn schon jede DM aussperrt wie sie will braucht unsereins da garnicht fragen. Ich mache es ja nicht des Geldes wegen, was ihr berufsmäßig nennt. Profi hat im Sport immer Geld zum Zweck. Alles andere juckt keinen da. Die A.S.O. hat nach der D-Tour auch durchblicken lassen, dass sie derweil zwar Content Creator akzeptiert, aber nur wenn die es berufsmäßig tun. Man denkt da wohl weniger an YouTube oder Facebook. Ja, eben, Leute die in den sozialen Medien veröffentlichen betrachte man als unseriös. Es heisst zwar, es gehe um die Qualität, da die Werkzeuge aber jedermann gleich zur Verfügung stehen – die Kamera, Computer oder Software bekommt jedermann frei im Fachhandel – dürfte es vielmehr um Kontrolle der Inhalte gehen. Man hat zuvor schon nicht selten sehen müssen, wie man sich in diesen Kreisen bemüht, dass ja nichts Indiskretes an die Ohren des gemeinen Volkes dringt. Andernfalls müsste man sich da nicht so anstellen.
Zieleinlauf auf dem Kahlen Asten soll kurz nach Mittag sein. Runterfahren kann man aber frühestens, wenn nach 15 Uhr zur Kaffeezeit das Jedermannrennen auch durch ist. Die Zeitungen arbeiten nach dem Windhundprinzip. Wer zuerst aufliefert hat den Auftrag. Das sind heute weitgehend freie Mitarbeiter statt festangestellter Redakteure. Ausser man rechnet eh nur mit dem Lokalblatt, was nicht abwertend gemeint ist. Gibt es auf dem Berg Internet? Ich meine in der Bandbreite, die es erlauben würde, Bilder ins Land zu senden? Die ernsthaft arbeitenden Fotografen leben davon, ihr Material ohne Verzug an die Redaktionen zu senden, und drei Stunden Zeitverlust bedeuten eben, dass sich die Mühe damit nicht lohnt. Das ist absehbar. Zur letzten DM da oben waren es rund ein Dutzend Pressemitarbeiter. Da war die Straße danach aber auch frei und nicht weitere Stunden gesperrt.
Man lernt nie aus, und ich lasse mich gerne eines Besseren belehren falls ich mich irren sollte. Dagegen stehen aber die Lebenserfahrungen einiger Jahrzehnte, und die sprechen eben eine deutliche Sprache. Es heisst Profisport, kommt von Profi, was übersetzt berufsmäßig bedeutet. Normale Menschen verstehen hierunter jemanden, der etwas gelernt hat und von da her weiss wie das geht. Real versteht der Sport darunter die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Es geht nur um Geld, und das auch gerne auf Kosten anderer! Was wird einer machen, der das Risiko, eventuell seinen Profit geschmälert zu sehen, als real betrachtet? Das erlebten wir im Triathlon zuvor schon mehrfach. Da hat man keine Scheu, die halbe Zivilbevölkerung anwaltlich anzugehen, wenn die auch nur da war und danach zeigte was sie gesehen hat. Das dürfen nur die, die der Obrigkeit in den Kram passen. Propaganda also.
Warum soll das hier anders sein? Man erhält das Feedback, das man sich selbst erschaffen hat. Setzt das Rennen so an, dass das Volk nicht kommen kann, und ihr bekommt, was ihr euch wünscht. Leere hinterm Zaun. Mitunter auch Gegenwind. Bei Eschborn-Frankfurt durften die Leute nicht mehr in den Taunus. Man brauche allen Platz für sich alleine! So seinerzeit die wörtliche Aussage eines Verantwortlichen. Es ist kein Sicherheitskonzept die Zuschauer auszusperren, und wenn man die nur zum Start zulässt und selbst da herum schikaniert hat man zwar heute eine gute Kulisse, morgen aber ein Problem. Das sieht man heute nur noch nicht. Zur DM hiess es wie gesagt, wen man als Berichterstatter wünsche. Zu anderen Rennen gibt es nur offizielle Fotografen des Veranstalters. Meint wer die Botschaft bliebe ungehört?
Wenn ich erwarten muss, dort nicht gewünscht zu sein – siehe das Verhalten anderer Veranstalter zuvor – dann kann ich mir die weiten Wege, das teure Benzin und viel Aufwand auch sparen und mich um die Dinge kümmern, die ich beeinflussen kann und die mir erfolgversprechend erscheinen, statt meine Zeit dafür einzusetzen – Verschwenden möchte ich dazu nicht sagen – wo es auch Aussichten gibt statt vor allem Risiken. Im letzten Jahr haben die Besucher der Hirschberger Wand klar zu verstehen gegeben dass auswärtige Besucher ihnen im Weg sind und Berichterstatter dort nicht erwünscht sind. Die brauchen auch Platz, den man selbst beansprucht. Ihr hattet nichts als eigenes Vergnügen im Kopf. Das war etwas kurz gedacht. Wer ausser für sich selbst kein Auge hat braucht auch keinen Besuch, für den andere Aufwand treiben müssen. Fragen an die zuständigen Stellen wegen der Örtlichkeit von „Raoulf’s Wässerchen“, der gewissen Bachdurchfahrt, liefen völlig ins Leere und bleiben unbeantwortet, oder es hiess gar direkt, ich müsse das nicht wissen.
Auch das war eine Antwort. Heute reagiere ich darauf. Diskussion überflüssig.



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