×

D-Tour 2026

D-Tour 2026

Es heißt Deutschlandtour. Aber war es das auch? Eine Rundfahrt durch Deutschland? Schaut man auf den Streckenplan kommen da doch Zweifel auf. Die Rundfahrt fand dieses Jahr ausschließlich im Südwesten statt. Streng genommen waren das vier Etappen von Bad Orb nach Heilbronn mit Zwischenzielen in Schwäbisch Hall, Offenbach an der Queich oder Bad Dürkheim. Vorgelagert ein kurzes Zeitfahren, das wohl eher dazu diente, die Trikotträger für die erste richtige Präsentation zu ermitteln.

In Vino veritas. Im Wein ist Wahrheit. Das ist eine weinselige Gegend, und landschaftlich schön. Leider haben die Sportler während des Rennens dafür kaum ein Auge, sondern fluchen ob der Berge, die ihnen die Natur – und die Streckenbauer – in den Weg gelegt haben. Auch wenn es nicht wie die Tour de France eine echte Landesrundfahrt gewesen ist, sie haben beide denselben Veranstalter, die A.S.O. Die wissen eigentlich wie es geht. Auch Eschborn-Frankfurt wird dort organisiert. Manche drumherum scheinen das nicht unbedingt gewusst zu haben, wie das Beispiel Heilbronn gezeigt hat. Ich wäre gern hingefahren, konnte aber nicht. Die Bahn hatte plötzlich keine Lust mehr, auf den Ersatzverkehr wollte ich mich bei den gemachten Erfahrungen bei anderen Gelegenheiten zuvor und der zu erwartenden Verkehrslage nicht verlassen, und mit dem Auto zu fahren wurde politisch unerschwinglich gemacht. Mir fehlt leider das, was den Radteams eigen ist – ein Sponsor, der die Rechnung bezahlt.

Das sind politische Fragen, wenn man einerseits der Bevölkerung nahelegt, auf das Auto zu verzichten, andererseits aber kein geeigneter Ersatz zur Verfügung steht, der den Namen auch verdient. Orte wie Bad Orb kann man von hier aus ohnehin ohne Auto nicht wirklich erreichen, abgesehen davon dass unsereins unter der Woche arbeiten muss und daher für solchen Spaß keine Zeit hat. Wir wollen uns hier aber nicht über Benzinpreise und Unfug unterhalten, sondern über das Radfahren.

Gut besucht waren die Rennen auf jeden Fall, soweit man das am Bildschirm hat sehen können (die Beiträge sollten in den Mediatheken bei ARD und ZDF bzw. Eurosport noch zu finden sein), beziehungsweise ich bei meinem Besuch in Bad Dürkheim gesehen habe. Zum Teil sogar sehr gut, fast so wie in alten Zeiten. Nach Bad Dürkheim an die Haardt zu kommen ist von Mannheim aus einfach. Es fährt die Linie 9 der RNV im Halbstundentakt. Das sind soweit „ganz normale“ Straßenbahnen, wie sie auch in der Stadt selbst, oder in Heidelberg, Ludwigshafen oder entlang der Bergstraße fahren. Das ist ein großes Netz, und man kann sich in der Regel besser darauf verlassen als auf den großen Bruder von der DB. Lediglich gut festhalten sollte man sich, die Züge fahren auf Meterspur und werden bei 70 km/h Höchstgeschwindigkeit doch etwas unruhig.

Der sportliche Teil wäre rasch zusammengefasst, denn der Dritte der diesjährigen Tour de France, Isaac del Toro aus Mexiko, drückte ihr seinen Stempel auf. Aus deutscher Sicht gab es da weniger zu bestellen. Der beste Deutsche war Max Schachmann auf Platz 9. Die Sauerländer vom Team Rembe/Rad-Net hatten ein Konzept für die Bergwertung. Das hat dann in Person von Miguel Heidemann aus Trier auch geklappt, nicht ohne Streit in den eigenen Reihen, was den Streckensprechern reichlich Munition zum Kolportieren bot. Ole Theiler, sein Zimmergenosse, hatte es auch darauf abgesehen und zwischenzeitlich auch getragen. In Bad Dürkheim war man mit der Bergwertung schon beinahe fertig, als auffiel dass da noch wer fehlte. Das war das Problem, das man sich selbst bereitet hatte, als man den „Rattenschwanz“ des Feldes wegen der Zieldurchfahrt des Hauptfeldes anhielt. Bei den Nachzüglern war eben auch Miguel, für den der Weg dann von der Ziellinie ohne Pause direkt zum Wäschewechsel auf das Treppchen führte. Ein Fernsehkommentator nannte es ein Clownskostüm. Schwarz mit bunten Punkten, siehe Foto. Das habe ich aus meinen Erinnerungen entnommen und beziehe mich dabei auf das Zitatrecht.

Meine optischen Eindrücke von dem Besuch würde ich euch hier gerne zeigen, habe aber gelesen, was sich der Veranstalter dazu so vorstellt. Im Roadbook steht unter „besondere Bestimmungen“, Artikel 24, Bildrechte, wie folgt, ich zitiere:

image D-Tour 2026

Ich füge den Textausschnitt hier als Bild ein, da das Format ein Zitieren als Text nicht ermöglicht. Nun wäre da die Frage, wer als „unter Artikel 1 dieses Reglements fallend“ zu verstehen ist.
Artikel 1 beinhaltet folgendes: „Art. 1 – Organisation
Die Lidl Deutschland Tour 2026 wird von der ASO Germany GmbH (ASOG), Otto-Fleck-Schneise 10a, 60528 Frankfurt am Main, einem Unternehmen der A.S.O., vertreten durch Maren Hopf, veranstaltet.
Das Rennen wird nach dem Reglement der Union Cycliste Internationale (UCI) und German Cycling ausgetragen. Das Rennen findet vom 19. bis 23. August 2026 statt und umfasst einen Prolog sowie 4 Etappen. Die Lidl Deutschland Tour ist als Rennen der Klasse 2.Pro im Kalender der UCI Europe Tour registriert.“ Das sind doch zwei grundverschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben.

Meiner bescheidenen Meinung nach enthält dieser kurze Text schon mal einen Fehler, das wäre hier der Eigentumsvorbehalt an Bildern. Das Urheberrecht liegt in Deutschland immer ab Druck auf den Auslöser bei den jeweiligen Fotografen und ist unveräußerlich. Abgetreten werden kann bedarfsweise gegen individuelle Vereinbarung und in der Regel Zahlung einer Entschädigung, also Ankauf, das jeweilige Nutzungsrecht. Da die Presse nur gegen Presseausweis zugelassen wurde darf vermutet werden dass die Fotografen hauptberufliche Angestellte ihrer jeweiligen Arbeitgeber waren, und daher gar nicht selbst über Nutzungsrechte verfügen. Die haben sie ja über ihren Arbeitsvertrag bereits abgetreten, sonst dürfte das Medium, für das sie arbeiten, die Foto gar nicht drucken. Das wäre dann wieder „dasselbe in grün“. Da wird es dann seicht. Das hier ist keine Rechtsberatung, aber ich habe eine Meinung dazu, und auch ein Recht eine solche zu haben. Das kann abstreiten wer will.
Das steht bei Zuschauern aber gar nicht zur Debatte, da ein solches Vertragsverhältnis bestenfalls mit Akkreditierten zustande käme. Das alles hat mit der hier zu erörternden Frage überhaupt nichts zu tun, und man möge doch bitte mal kurz erläutern, weshalb man anscheinend Angst hat vor der Normalbevölkerung. Dem Eindruck nach wird hier Angst geschürt. Angst vor Repressalien, was naturgemäß dem Ansehen des Sports zuwiderläuft. Der Anzahl an Handys nach, die ich gestern gesehen habe, waren da ziemlich viele Zuschauer, die ebenso wie ich sich Erinnerungsbilder gemacht haben, und davon dürften etliche sie auch online gestellt haben, egal was wer in Roadbooks schreibt. Da schaut das Normalvolk nämlich nicht rein, und verfolgen könnt ihr die vielen Leute schon deshalb nicht, weil ihr deren Anschrift nicht habt. Ferner bestimmt unser Grundgesetz, dass die Presse frei ist, sich also nicht nach euch zu richten braucht, was Berichterstattung angeht. Presse ist nun nicht nur das, was Offizielle dafür halten. Man muss das mal ansprechen, da sich die Zeiten auch da ändern, und die Dinge kompliziert sind. Nimmt man nur den Buchstaben des Gesetzes wäre es einfach. Alle dürfen, und fertig. Aber der Sport macht sich hier wieder mal ohne Not seinen Ruf selbst kaputt.
Streng genommen fallen Medienvertreter schon deshalb nicht darunter, da deren Aufgabe ja eben die Unterrichtung der Öffentlichkeit ist, und Zuschauer erst recht nicht, da diese in keinerlei Vertragsverhältnis zum Veranstalter stehen, ihre Aufnahmen zur Erinnerung machen und keine geschäftlichen Zwecke verfolgen. Wir haben in Deutschland auch Gesetze, und die gewähren eben auch normalen Bürgern Rechte, wie das auf freie Entfaltung der Persönlichkeit.

Schaut man sich den Webauftritt der Veranstaltung an kann man bemerken, dass es sich um eine *.com-Adresse handelt. Diese TLD steht ausschließlich Geschäftsinhabern zur Verfügung, womit geklärt ist dass es sich hier nicht um selbstlose Verhältnisse handelt, sondern ein Geschäftszweck verfolgt wird. Gemeinnützigkeit wäre nach den bekannten Regeln anders einzuordnen, z.B. unter *.ORG. Auch das Original, die Tour de France, ist hier unter einer Länderdomäne registriert, nämlich FR für Frankreich. So wäre, denke ich, DE für Deutschland ein guter Vorschlag, ausser man möchte tatsächlich sein Geschäft in den Vordergrund stellen. Es wäre hier doch eher ratsam, auf das Verhältnis zu den Landbewohnern zu achten, denn man braucht auch in Zukunft Genehmigungen, und da macht es sich nicht so gut, den starken Max heraushängen zu lassen. Rechte könnt ihr untereinander klären, wenn das des Geldes wegen nötig ist. Das Volk einzuschüchtern ist ausgesprochen kontraproduktiv, denn dann passiert, was die kleinen Rennen bereits seit geraumer Zeit erleben: die Zuschauer bleiben weg, und die Grundstücksbesitzer beginnen, nein zu sagen.

Auf euren guten Ruf sieht es niemand ab. Dafür sorgt ihr selbst, indem ihr hier solche Anzeichen in Umlauf bringt, die Anlass zu Vermutungen geben. Wollt ihr das wirklich? Ich würde vorschlagen, den Text der Bestimmungen anders zu formulieren, Geschäft und Volksbeziehungen klar zu trennen, und die Kirche im Dorf zu lassen. Wie man mit den Menschen redet wird man auch verstanden, und zwar entweder im Guten, oder anders als man eigentlich wollte.

Alles Nichtgewerbliche, das der Quellenlage entspricht, beobachtet wurde, nichts böswillig falsch darstellt, lasst bitte in Ruhe! Unbestreitbar habt ihr ein Recht auf euer Gewerbe, euer Geschäft, alle damit verbundenen Gewinne, ebenso wie das Volk das Recht hat, seine Eindrücke zu schildern, seine Meinung zu sagen und auch Kritik zu üben. Dazu zählen Zitate ebenso wie selbst gemachte Bilder oder Filme. Eine auch Normalverbrauchern verständliche Formulierung der Bestimmungen wäre sinnvoll.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

Kommentar abschicken