Ein offener Brief
Liebe Leute, wir müssen reden!
Ich betreibe dieses Hobby Fotografie nun bereits mehr als ein halbes Leben lang. Wie ich hier bereits erwähnt hatte habe ich Anfragen nach alten Bildern erhalten, und soweit möglich auch gerne beantwortet. Nun aber hat sich jemand gewünscht, ich möge ihm alles heraussuchen was ich von ihm zeit seiner aktiven Laufbahn habe.
Leider musste ich ihm erklären, das nicht zu können.
Nun kam gestern erneut eine Mail zu diesem Thema an, eine Nachfrage von ihm, in einem Tenor, den ich nicht akzeptieren kann. Ich stelle das hier mal anonymisiert als Zitat ein, damit alle wissen was da ist:
Hallo Thomas,
ich bin ehrlich gesagt sehr enttaeuscht, dass du mich in die gleiche
Schublade von Menschen steckst, die GEGEN dich ist.Wir haben uns damals immer wunderbar verstanden, ich konnte und kann
deine Kritik immer nachvollziehen.Dass du mir meinen kleinen Wunsch, alte Bilder von mir aus deinem Archiv
rauszusuchen einfach mit Ignoranz beantwortest, tut mir menschlich weh.nichts fuer ungut, aber bitte bitte vergrabt dich nicht immer weiter in
ein Weltbild „alle sind gegen dich“ – das tut dir nicht gut.ganz herzliche Gruesse, wirklich,
Lieber C.,
ich muss an meine damalige Antwort erinnern. Es gibt Dinge die sind wünschenswert. Leider sind darunter Dinge, die ich nicht leisten kann. Ich werde hier nun anschließend zu erläutern versuchen, warum das so ist. Es ist für Leute, die das nie selbst gemacht haben, vielleicht schwer verständlich. Das sind andere Dinge aber ebenso, und niemand käme auf die Idee, deswegen die Integrität seiner Mitmenschen infrage zu stellen.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen einer hauptberuflichen Tätigkeit und einem Hobby? Das Hobby findet in der Freizeit statt. Mit begrenzten Mitteln, sowohl hinsichtlich Zeit als auch Material. Eine Bildagentur hat Mitarbeiter, Technik, Fachwissen. Das alles ist mir in diesem Umfang nicht gegeben, und als ich damals zur Konfirmation meine erste Kamera gekauft habe gab es auch noch keine Computer. Keine Computer, keine Software, keine … und auch nicht das Geld, das ich in all den Jahren da reingesteckt habe um besser zu werden. Das fällt nicht von Bäumen! So wie es euch üblicherweise nicht gegeben ist, aus einer Rolle Kevlargarn einen Carbonrahmen zu machen.
Wir wollen doch mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben, oder?
In all den Jahren ist viel passiert. Nicht alles war gut. Ich muss jetzt etwas ausholen. Meine Bilder liegen derzeit auf einer NAS. Einem Netzwerkspeicher von Synology. Das könnte aber ebenso gut ein Gerät eines anderen Herstellers sein. Insofern tut das nicht viel zur Sache. Es tut aber etwas zur Sache, was sich Synology dieses Jahr erlaubt hat. Die Software, mit der die Bilder bis dato verwaltet wurden, wurde eingestellt. Nicht ersetzt. Ersatzlos beendet. Ohne Nachfolger oder gleichwertige Alternative! Die dahinter liegende Datenbank ist damit futsch, vorbei, hinüber. Man kann das nicht einfach 1:1 auf andere Systeme übertragen, und wir reden hier nicht über einen Schuhkarton. Ich habe mir also etwas einfallen lassen müssen. Das „Etwas“ heisst Excire und hat Geld gekostet. Geld das mir niemand wiedergibt. Geld das ich auch nicht durch Verrechnung wie bei den Profis wieder einnehmen könnte. Das ist aber „kleines Handwerkszeug“, um überhaupt Bilder in diesem Umfang übersichtlich halten zu können. Nun bin ich seit einigen Wochen und mindestens absehbar bis kommenden Sommer in jeder freien Minute dabei, die vielen Ordner neu zu organisieren. Derzeit bin ich in 2009 angekommen, die ältesten „Akten“ sind von der MTB-WM damals in Kirchzarten. Das sind etliche digitalisierte alte Dias aus 1995. Wer erinnert sich noch?
„EXCIRE Foto“ ist eine Datenbank, und würde es theoretisch erlauben, die Bilder so zu verschlagworten dass man den vorgenannten Wunsch relativ einfach erfüllen könnte. Warum „relativ einfach“? Das hätte von Anfang an gemacht werden müssen! Man muss dazu jedes einzelne Bild verschlagworten, und zwar in einer Tiefe bis zum einzelnen Fahrer, der auf dem Bild jeweils zu sehen wäre! Die jetzt erfassten Bilder sind nicht mehr in dieser Weise nach zu erfassen, und das Zählwerk steht bereits bei einer Viertelmillion! 250.000 Bilder! Und wir sind erst in 2009, zuzüglich einiger aktueller Motive, die bei der Menge aber kaum ins Gewicht fallen. Die Jahrgänge 2010 bis 2023 sind da noch gar nicht dabei! Das Archiv hat auf den Festplatten derzeit einen Umfang im zweistelligen Terabytebereich, nur um mal eine Größenordnung zu nennen. Ein Terabyte sind ungefähr 1024 Gigabyte. Das ist nicht mehr „Kleinkram“!
Wer soll das leisten? Möglichst auch noch von jetzt auf gleich? Ich kann das nicht! Nicht vom Zeitaufwand her, und auch nicht mit der benötigten Performanz. Da ist keine Stapelverarbeitung, wo man was in den Trichter schüttet und wartet bis es fertig ist. Das muss jemand machen, alles per Hand. Der Jemand bin ich! Da sind keine Heinzelmännchen, die das eben so bei Nacht nebenher erledigen. Ich verschlagworte die Bilder jetzt soweit möglich, also nach Jahr, Kamera, Veranstaltung und Ort. Wer da gefahren ist weiss ich nicht!
Mir liegen weder Meldelisten aus der Zeit vor noch kenne ich jeden einzelnen Teilnehmer persönlich. Das führt doch etwas weit, oder? Eure Startnummern sind auch keine große Hilfe, die tragt ihr im Straßenrennen ja auf dem Rücken, wo sie für Zuschauer nicht sichtbar sind. Man sieht sie also zumeist auch nicht auf Bildern. Hinzu kommt, dass Nachmeldungen auf den Listen nicht erfasst wurden, und zudem „das alles“ dem Datenschutz unterfällt. Ich darf von da her also gar nicht wissen, was ich aber wissen müsste, um das Geforderte zu ermöglichen. Ob eine Verschlagwortung bis hinunter zum Fahrernamen rechtlich überhaupt zulässig wäre ist zudem noch eine andere Frage.
Für einen Computer und die Software, die darauf läuft, sind Bilder nichts weiter als eine Anordnung von Punkten, die mit Zahlenwerten nach Farbe und Helligkeit beschrieben werden. Was darauf zu sehen ist weiss kein Programm, ausser du sagst es ihm. Das ist Verschlagworten. Das muss jemand leisten. Das fällt nicht wie Manna vom Himmel und ist einfach gottgegeben da. Übrigens, Manna gibt es auch nur in der Bibel.
Wie stellt ihr euch das vor? Nur mal ganz nebenbei als süffisante Frage.
Lieber C., Personen und Namen tun hier nichts zur Sache, aber ich muss da doch fragen: Bist du dir bewusst was du da verlangst? Du erwartest indirekt dass ich die Trikots aller Vereine samt allen Sportlern der letzten 40-50 Jahre kenne, im Kopf habe, und fähig bin ohne Anhaltspunkte rund eine Million digitaler Fotos zu durchsuchen! In meiner Freizeit, täglich kaum mehr als ein paar Stunden, in der ich auch noch alles andere zu besorgen habe was in einem Haushalt gewöhnlich so anfällt. Das bedeutet das, und nichts anderes. Das ist kein Vorwurf, das sind einfach die Tatsachen. Wie gesagt, die Datenbank mit den Schlagworten, die sowas ermöglichen würde, hat nicht mal die DPA, und deren Aufgabe ist es, Bilder zu finden. Der Zweck meines Hobbys sind schöne Bilder, nicht der professionelle Betrieb einer Bildagentur.
Ich habe versucht, Dir das in meiner Antwort seinerzeit darzustellen. Von wegen, ich hätte dich ignoriert. Wünschen ist ein frommer Brauch. Ich wünsche auch, kann aber nicht alles haben was ich mir wünsche. Du leider auch nicht. Ich kann verstehen dass das nicht die Antwort ist, die du erwartest. Aber ich kann an den Dingen derzeit wenig ändern, und erwarte nicht dass andere mir dabei helfen. Vermutlich würde dir jeder gewerbliche Bilderdienst ähnlich antworten, denn das ist nicht deren Aufgabe. Es übersteigt deren, und erst recht meine, Möglichkeiten, und das möchte ich bitten zu akzeptieren.


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