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Sauerlandrundfahrt

Sauerlandrundfahrt

Brilon/Arnsberg/Winterberg – Foto: Archiv – Was als Bundesligarennen begann ist erwachsen geworden. Ob man allerdings auch davon sprechen kann, die Veranstaltung sei reif für Höheres muss man sehen. Ab heute drehen sich die Räder im Sauerland, und es beginnt heute Nachmittag mit einem Einzelzeitfahren in Brilon. Einmal Marktplatz und zurück.

Es folgen weitere Etappen. So zum Beispiel morgen eine vom Startort Brilon nach Siedlingshausen, am Samstag dann ein Rundkurs in Wenholthausen, den man bis da als den Sauerländer Bergpreis kannte, und dann am Sonntag das Finale von Arnsberg auf den zweithöchsten Berg Nordrhein-Westfalens. Diese Etappe kann Jedermann auch als Hobbyrennen in Angriff nehmen. Nach alter Bezeichnung war eben das bis letztes Jahr die Sauerlandrundfahrt, wobei der Start auch mal woanders war. Das Ziel war aber immer „oben“.

„Bist du bei der SauerlandRundfahrt 2026 dabei?“ Das wird erwartungsvoll auf Facebook gefragt. Was soll man davon halten, wenn die Bahn die Strecke sperrt, und die Regierung zugleich das Benzin so teuer macht dass Reisen zu purem Luxus verkommt? Das ist weder Markt noch Zufall. Zur benötigten Uhrzeit fährt kein Zug, kein Bus, nichts anderes als das eigene Auto. Das ist eben aus Berlin so gewollt. Ist es zulässig daraus zu schließen, dass nur Einheimische zu den Rennen kommen sollen? Zwar haben die Veranstalter keinen Einfluss auf die Bahn, wohl aber auf die Wahl von Ort und Zeit, und wer weiss dass spätestens zum Finale am Sonntag der Aufstieg auf den Kahlen Asten für die Teilnehmer per Rad, und für alle Zuschauer absehbar per Pedes erfolgt weil es da eben keinen ÖPNV gibt, dann ist das eben nur was für junge Gesunde. Gut, wer da wohnt und kurze Wege hat mag das so machen. Was aber ist mit dem Rest?

Da kommen Fragen auf. Wer an politisch verantwortlicher Stelle dazu aufruft, das Auto stehen zu lassen, muss eben auch Möglichkeiten dafür bieten, die sich nicht in „zuhause bleiben“ erschöpfen. Wie aber schaut das real aus? Seien wir ehrlich, solche Möglichkeiten existieren nicht! Es wird aber wie aus den Vorjahren hinreichend bekannt auch nicht genug Parkplätze für alle geben, die da kommen wollen würden. In Wenholthausen zum Beispiel gibt es gleich um die Ecke von Start und Ziel einen (kleinen) Parkplatz. Einen für vielleicht 15 Autos. Am Start stehen alleine über 100 Rennfahrer. Samt Teamfahrzeugen ergibt das einen Parkbedarf für mindestens 300 Fahrzeuge vom Begleitwagen bis zum Teamtruck. Der ist offiziell als Startpunkt für den Radwanderweg gedacht, der eben früher mal die Bahnstrecke war, mit der man heute nicht mehr anreisen kann weil es jetzt eben ein Radweg ist, und Busse können ersatzweise nicht da fahren wo eben das Rennen stattfindet. Das eine schließt das andere aus, womit dann klar sein kann was von politischen Reden dieser Art zu halten ist. Wer nichts anzubieten hat höre bitte mit der Verbieteritis auf! Solche Forderungen sind scheinheilig.

Zu obiger Frage gehört also real die Antwort „Wollen gerne, aber können?“! Der genannte Parkplatz war letztes Mal Standort der Bühne, steht also ebenso absehbar nicht zum Parken zur Verfügung. In der Nähe ist da sonst nicht viel. Die Webseite gibt dazu nicht viel her, dabei sind das doch Fragen, die im Vorfeld geklärt werden sollten, wenn da eben nicht der berühmte Elefant im Raum stehen soll, ob Besuch da überhaupt erwünscht ist. Man sollte da nicht zu viel drüber nachdenken.

Ähnliches gilt für die Medien. Zu Fragen wie Akkreditierung kein Wort. Kommen und wieder gehen? Bislang hat sich so mancher Komissär angemasst, hier frei Schnauze entscheiden zu dürfen wer an dem Morgen gerade genehm ist und wer nicht. Das ist unprofessionell, war bislang aber oftmals gängige Praxis. UCI bzw. GC als Großgrundbesitzer, der an dem Tag dort das Hausrecht ausübt und frei bestimmen kann was ist? Dafür ist der Spaß entschieden zu teuer, zumal aus der Erfahrung mit Eschborn-Frankfurt oder der Deutschlandtour klar sein kann dass mit einer reellen Wahrscheinlichkeit die UCI dazu ihre bekannte Meinung vertreten wird, dass unsereins da eh nichts zu suchen habe. Man braucht ja nur Hauptberufliche? Die WP stellt ihre Artikel hinter Bezahlschranke. Auswärtigen, die die Zeitung nicht wegen eines Beitrags abonnieren werden, nützt das also nichts. Der Sport entscheidet mit seinem so zu beobachtenden Verhalten auch über seine Glaubwürdigkeit. Wer sich benimmt wie der FC Bayern („Mia san mia“) wird auch genau so wahrgenommen, da kann man sonst so freundlich sein wie man will. Man sollte aufpassen, nicht dass die selbstgelegte „Zeitbombe“ einem mal um die Ohren fliegt. Es träfe hier vermutlich die Falschen, aber das bisherige Gebaren des Sports kostet Vertrauen. Klar sein kann aber auch, dass interessierte Auswärtige nicht nach Personen fragen werden, wenn die Handlungsmaxime von anders her klar sein kann, oder so erwartet werden muss. Vertrauen ist endlich.

Auch das hat zu meiner Entscheidung beigetragen, für Sonntag nicht um die Zulassung zu fragen, sondern eine Entscheidung zugunsten des Bergkönigs zu treffen. Das Bergrennen ist zwar vergleichsweise weniger bedeutend, aber da war bislang eben gegeben was ein Fotograf braucht. Möglichkeiten! Die Bundesliga tut zwar auch gerne so als seien das Profirennen (ja, wer sich an abgeschiedene Orte wie den Nürburgring zurückzieht oder in die ferne Schweiz nach Gippingen, wo von hier her sonst keiner hin kommt, macht klar was er von der Abwesenheit von Besuch hält. Das will man so!), real ist das jedoch noch eine etwas andere Kategorie hinsichtlich des öffentlichen Auftretens als das, was bislang unter UCI-Regie woanders stattfand. Da war die Bevölkerung selten mehr als Klatschvieh! Für die Kulisse notwendig, ansonsten rechtlos.

Es läuft auch immer auf Geben und Nehmen hinaus. Ich glaube kaum dass allzu viele Medienvertreter dafür ins Sauerland reisen, mag es noch so schön sein. Der Aufwand steht in einem groben Missverhältnis zum erwartbaren Bildergebnis. Da muss auch gefragt werden was für die Kosten an Nutzen zur erwarten ist.

Ich habe schon kurz darüber nachgedacht, ob ich am Samstag einfach meine Osmo Pocket nehmen und nach Wenholthausen fahren soll. Kleines Gepäck, zehn Runden, zehn Einstellungen, davor Einschreibung und Start, danach Siegerehrung. Film fertig? Das Problem: Ich weiss nur was dort das letzte Mal war. Die Straße ist schmal. Sehr schmal. Für Zuschauer bleibt da bestenfalls ein halber Meter zwischen Zaun und Graben. Der Bauer wird sich bedanken wenn die Leute ggf. seine Wiese dahinter platt trampeln. Welche Chance gibt es da, ohne Zulassung? Ich habe keinen Anlass zu glauben von der UCI ernst genommen zu werden. Real ist das Glücksspiel mit ungewissem Ausgang. Das kann funktionieren, wenn wie beim letzten Ligarennen fast keine Zuschauer gekommen waren. Ist es dort voll kannst du mit der Pocket da nichts bestellen und bist für die Katz den weiten Weg gefahren! Was ich eben auch nicht weiss ist, wie das Gebaren da nun sein wird! Ihr legt solchen Wert auf den neuen Profistatus dass alles möglich ist. Alles von „Herzlich willkommen!“ bis zu „Was willst du hier, du Nichts?“. Lieber Sport, wie man sich bettet so liegt man. Das gilt auch für euch.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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