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Konzeptproblem

Konzeptproblem

Foto: Symbolbild – Kann ein Konzept, das dem ersten Anschein nach den Umständen gehorcht, in Wahrheit das eigene Grab schaufeln? Ja, kann es!

Wie schaut das denn aus? Angeblich ist Radsport doch Volkssport? Warum verhalten sich dann nicht wenige Rennen genau anders herum? So nämlich dass man es bewusst vermeidet, Besuch zu bekommen! Wer nicht zufällig vor Ort wohnt kommt zu diesen Uhrzeiten nicht so einfach da hin. Dabei kann etwas auffallen.

Wie war das denn in der jüngeren Vergangenheit nur allzu oft? Das geht durch die Reihen, von Meisterschaften bis zum Trainingsrennen. Stets trifft man auf eine schlecht getarnte Aussage. Zuschauer sind im Weg? Eine Gefahr für die Allgemeinheit? Lebensgefährlich für die Sportler? Ihr nennt das Sicherheitskonzept, was man die letzten Jahre im Taunus erlebt hat. Ich nenne es Ausschlusserklärung. Ja okay, wenn dem so ist wie es manche schon gesagt haben bleibt man da eben weg und geht da hin wo man sich noch erwünscht fühlt. Das ist ganz einfach!

Ihr werdet nicht nach Reden beurteilt. Wünsche sind da weitgehend egal. Die Leute sehen den Sport so wie er Fakten schafft.

Man soll nicht mit Autos kommen. Busse fahren aber auch keine. Also enthält das immanent die Aussage, wegbleiben zu sollen. Man braucht allen Platz für sich alleine? Eben diesen Satz hat mir einer mal wörtlich so an den Kopf geworfen! Noch Fragen? Ja dann macht mal. Hinzu kommt dann noch, was man hintenrum beigebracht bekommt. Eine Radrennbahn ist dann Privatgelände, die Straße gehört dem Veranstalter, jemand beansprucht das Hausrecht. Damit einher geht die ungeschriebene Aussage an mögliche Besucher, dort nichts zu dürfen. Somit bleibt man besser zuhause, geht auf jeden Fall nicht bevorzugt dort hin! Das sind gesellschaftliche wie weltanschauliche Fragen. Wer darf was, wer ist wo erwünscht? Alleine dass diese Frage überhaupt gestellt werden muss ist ein gesellschaftlicher Offenbarungseid. Wer dabei zu sehr das Geld raushängen lässt tut sich keinen Gefallen. Wer nicht direkt geschickt wird hat keinen Anlass, sich da einem Risiko auszusetzen. Die Besucher wollen einen schönen Tag haben, und nicht sich ärgern.

Übermorgen ist wieder „Eschborn-Frankfurt“, oder wie auch immer das Rennen nun heißen mag, das man früher unter dem Namen „Rund um den Henninger Turm“ kannte. Start ist überwiegend in Eschborn, das man durchaus auch als den Geldbeutel von Frankfurt bezeichnen kann, hat sich doch die Börse dorthin zurückgezogen. Die sitzt auch nicht mehr in der Stadt selbst. Diese Starts sind nun so angelegt, dass zwar für die Teilnehmer weitgehend genug Platz ist, mögliche Zuschauer aber kaum da hin kommen können. Die Velotour startet bei den Möbelmärkten im Gewerbegebiet, die Profis gastieren zentral am Eschenplatz. Das zwar nicht zeitgleich, aber die Wege dazwischen sind weit und umständlich. Alles zugleich werden sie so kaum sehen. Wer die Velotour besucht wird Mühe haben, zeitgerecht zum Eschenplatz zu kommen, wo die Profis starten. Warum? Zu Fuss ist es weit, Parkplätze gibt es kaum. Der öffentliche Verkehr wird abgesehen von der S-Bahn voraussichtlich eingestellt. Von da aus in den Taunus zu gelangen wird also ohnehin kompliziert. Was soll man dort, fahren doch eh keine Busse, und die Parkplätze am Feldberg werden wohl wieder gesperrt. Ja, das eine oder das andere wird möglich sein, aber beides zugleich, oder nacheinander? Herumwandern, dem Rennen folgen? Was liegt da näher als sich den Aufwand zu ersparen und das Rennen gleich vor der Glotze zu geniessen?

Wer sich die Mühe macht und dorthin anreist erwartet etwas. Der oder die kommt überwiegend nicht zum Kaffeetrinken und Kuchenessen. Solche Orte taugen gewöhnlich nicht mal unbedingt als Ziel einer Radtour. Zum Einkaufen mutmasslich gleich mal gar nicht. Es ist ja Feiertag, und die Läden haben geschlossen. Sonst könnte man kaum auf deren Parkplätzen den Start ausrichten. Das kann aber bekannt sein. Gehen wir die Treppe mal eine Stufe runter kommen wir zu den lokalen Meisterschaften, die verbreitet auch an diesem Wochenende anstehen. Von den Landesverbandsmeisterschaften rede ich, in unserem Fall sind die jetzt entweder in Engen oder in Leubingen. Zeitfahren am Samstag, 1er-Straße am Sonntag. Für die Saarländer ist Engen nicht im Saarland, und Leubingen liegt in Thüringen. Alles schöne Orte, das steht hier nicht zur Diskussion. Wie aber kommt man da hin? Gibt es dort genug Hotelkapazität für alle Beteiligten? Ich glaube kaum. Diese Veranstaltungen sind ja erkennbar so angelegt dass eine Übernachtung unausweichlich ist. So wie man das inzwischen auch in der Liga oft macht. Die Mannschaften müssen wegen der Besprechung schon am Vortag anreisen, ob da wer arbeitet juckt nicht. Medien und Zuschauer werden somit auch nicht wirklich gebraucht. Sonst würde man die mit ins Boot holen statt ihnen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Die Kostenfrage wird, wie generell die damit einhergehenden Logistikprobleme, nicht erörtert. Das überlässt man denen, die damit umgehen müssen.

Wer es darauf anlegt wird Wege finden. Nüchtern betrachtet aber wird möglichen Besuchern eben dieser Weg verlegt. Zeitgerecht dorthin zu kommen wird ohne Auto kaum möglich sein, und mit Auto findet man keinen Parkplatz, von den Spritkosten ganz zu schweigen. Es ist etwas bigott, einerseits einzuladen und sich andererseits Orte dafür auszusuchen, zu denen nur findet wer es darauf anlegt. Außer den Teilnehmern werden das nicht allzu viele sein! Es liegt der Eindruck nahe dass man genau das so wünscht.

Wer sich Maps dazu anschaut kann etwas entdecken. Die als Start in Engen genannte Jahnstraße ist lang, und im Prinzip vom Bahnhof aus fussläufig erreichbar. Es ist da irgendwie nicht ganz so toll dass man den Start genau ans extrem andere Ende gelegt hat, eben nicht in Bahnhofsnähe, sondern weit draussen in die Vororte. Da läuft niemand freiwillig hin! Die Straße heisst dort immer noch so, nur nützt das keinem, der über keinen fahrbaren Untersatz verfügt. Das ist wie letztens in Schweigen. Kaum wer wandert anlasslos mehrere Kilometer mit Gepäck. Das enthält von da her die Erklärung, gleich wegbleiben zu können. Mit Hausach benahm es sich doch ähnlich. Offiziell eine Einladung stellte sich bei näherem Hinsehen heraus, dass der Ort zu dieser Zeit nur mit Autos erreichbar war, fuhr der Zug doch so dass man den Start fast garantiert verpasste. Ob man mit der Schwarzwaldbahn demnächst nach Engen durchkommt ist zudem noch fraglich. Bauarbeiten. Da braucht man dann auch nicht fahren. Davor gab es zu Kottenheim die Aussage des Forstamtes, Zuschauer seien im Wald ein Umweltfrevel. Oder wie war das da zu Schönaich, Waldrems oder Zusmarshausen, wo einfach keine brauchbare Busverbindung vorzufinden war? Der Dreiminutenumstieg kommt einem Anschlussverlust gleich, es wartet nichts auf den anderen. Somit sind solche „Verbindungen“ praktisch nicht nutzbar. Trier war da zuletzt auch so ein Beispiel. Zwar stand da ein Fahrplan auf dem Papier, es war aber ersichtlich dass der nichts taugte. Am Tag davor war das Rennen in Schweigen, beides Läufe zur Bundesliga, und wer nicht zum Schlafen kommt kann auch nicht sinnvoll fotografieren. Ist das der Zweck des Besuchs liegt die Absage nahe. Man bleibt dann da weg und schläft sich aus. Das kann bei der Planung bekannt sein, und darf als systemimmanent aufgefasst werden. Man legt die Planung da so dass selbst die wütigsten Besucher die Sinnlosigkeit des Besuchs einsehen.

Wird da bei der Planung nicht über den Tellerrand hinausgeschaut liegt die Vermutung nahe, dass auch die Nebeneffekte eingeplant sind. Das sind ja keine Zufälle, sondern absehbar. Wird das eine gewünscht oder gar verlangt bleibt auch das andere nicht aus. Es betrifft vor allem die Verkehrsanbindung. Real ist da nichts Nutzbares vorhanden. Das Auto kann auf Dauer niemand bezahlen, Öffis fahren nicht. Die Politik hat das so gewünscht, da muss der andere Arm der Politik dann auch die Folgen dessen einplanen, oder man gibt die Parole aus, dass man unter sich bleiben will und eben keinen Besuch wünscht. Ein Veranstalter hat es mal so gesagt: „Wir können auf die Bahn keine Rücksicht nehmen!“, will heissen, es ist uns egal wie ihr da her kommt. Mit dem Auto sollt ihr nicht, mit Bus und Bahn könnt ihr nicht? Dann bleibt eben zuhause!

Politisch motiviertes Gelaber hat Folgen! Auch für die, die eigentlich direkt nichts dafür können. Ich sagte es schonmal: Wer von anderen verlangt hat auch bereitzustellen bzw. zu ermöglichen, und nicht auf andere zu verweisen. Der beste Wille hilft wenig wo die Möglichkeit fehlt. Auch Leubingen hat einen Bahnhalt, nur fährt da zu der angegebenen Uhrzeit eben so viel. Man muss ja die ganze Reisekette sehen, nicht nur den kleinen Schienenbus vor Ort. Der heutige öffentliche Verkehr taugt vielleicht in Städten, nicht aber auf dem Land, wo es viel zu lange dauert von A nach B, um das sinnvoll praktisch nutzen zu können. So lange bleibt das Auto das Fortbewegungsmittel der Wahl, und Veranstalter täten gut daran das einzuplanen, will heissen für Parkraum zu sorgen. Nicht nur für die unmittelbar Beteiligten, sondern auch für mögliche Besucher. Sonst bleiben die fort!

Was daraus folgt kann man seit Jahren zunehmend sehen. Hinter dem Zaun bleibt es leer. Oft genug ist die Kulisse nicht mal unmittelbar am Zielstrich voll. Da sind Lücken in den Reihen.

Ist das schlimm? Eigentlich muss man gehässig sagen, ihr habt es doch so gewollt. Es ist da eben von Nachteil wenn man an gestrigen Verhältnissen festhält, auch wenn das blindeste Huhn sehen kann dass sich die Zeiten geändert haben. Nur einer darf was? Nur der eigene Fotograf wird zugelassen? Wer das erwarten muss wird nach langer Erfahrung nicht mal mehr anfragen. Wer als Sponsor Öffentlichkeit erwartet darf lange warten. Die Zeitung berichtet nicht mehr, das eigene Portal wird nicht mehr von allen als neutral wahrgenommen. Kaum ein Sponsor wird sich vor einen Propagandakarren spannen lassen, der nur das „Friede, Freude, Eierkuchen“- Bild verbreitet. Keiner glaubt das noch, wer die Realität kennengelernt hat. Mit dem Sponsoring geht oder steht aber eure Wirtschaftsgrundlage. Die Vereine an der Basis haben nichts anderes. Und da kommen nun einige, die meinen sie dürfen Eintritt verlangen! Geht’s noch?

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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