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Drahtlose Fernbeziehung?

Drahtlose Fernbeziehung?

Foto: Screenshot – Draussen ist es heute früh neblig. Wolke von innen. Das passt gut zum Thema, denn wir reden heute von der Cloud. Niemand weiss so recht was darin vor sich geht, und wo die Daten darin wirklich liegen. Es ist halt irgendwie verfügbar.

Die Hersteller haben sich neue Features ausgedacht. Besitzer ausgewählter Kameras können ihre Bilder jetzt in eine Cloud hochladen. Das Beitragsbild zeigt einen Ausschnitt aus der Liste mit den Kameras, die man demnach mit dem Datendienst von Canon verbinden kann. Das kann – theoretisch – den Zeitbedarf enorm verkürzen, wenn man seine Bilder online verfügbar machen will. Die Sache hat jedoch einen gewissen Haken.

Wir sind in Deutschland, und wer die Verhältnisse kennt kann wissen wo dieser Haken liegt. Um etwas ins Netz hochladen zu können brauchst du eine mobile Datenverbindung. Eine, die stark genug ist, um die anfallenden Datenmengen auch aufzunehmen. Keine, die eben mal gut genug ist, um eMails oder eine Fahrplanauskunft abzurufen. Da kommt ein bisschen mehr bei rum! Ein bisschen sehr viel mehr!

Wir müssen uns die Verhältnisse ansehen. Eine Speicherkarte in einer Kamera nimmt üblicherweise ein Datenvolumen von 256 GB oder mehr auf. Bei jedem Rennen können die Karten voll werden. Du trägst sie mit dir herum um Bilder zu machen und nicht nur um die zu besitzen. Gängige Mobilfunkverträge haben ein Datenvolumen von 20, 30 oder 60 GB – im Monat und nicht jedes Wochenende. Da hilft dir auch kein 5G.

Eben da liegt das Problem. In unseren Städten ist öffentliches WLAN real nur an wenigen Punkten wie Cafés oder Bahnhöfen überhaupt vorhanden, und datenmäßig unbegrenzte Mobilfunkverträge entweder nur für Geschäftsleute erhältlich, und/oder unbezahlbar. Ob das dann überhaupt funktioniert wenn an einem Zugangspunkt 20 Leute saugen ist da noch die andere Frage, wie man in den Zügen der Bahn sehen kann wenn man es ausprobiert. So etwas macht nur dann einen Sinn wenn es jedermann ohne besondere Voraussetzungen auch überall zur Verfügung steht. Das eben tut es nicht!

Bei Nikon heisst das Kind Nikon Image Space, bei Canon dementsprechend Image.Canon. Man kann nicht alle Kameras damit verbinden. Ist die Liste, siehe Beitragsbild, bei Canon doch erheblich vollständiger als bei Nikon dient es dort wohl eher der Werbung für eine Handvoll ausgewählter Mittelklassemodelle. Die Profigeräte wie Z9 oder Z8 sind nicht dabei! Da kommt man mit der Bildübertragung lokal bis auf das Tablett mit der App, von da aber nicht weiter. Ich habe es versucht, und bin gescheitert.

Was bitte soll das dann? Technisch ist es kein Problem. Dafür aber scheitert es real an der Verfügbarkeit der notwendigen Dienste! Entweder kommt es für Amateure preislich nicht infrage, oder ist witzlos weil die Hersteller Schranken eingebaut haben, die eine sinnvolle Nutzung verhindern.

Den Workaround dazu gibt es schon länger, und er heisst Shuttersnitch.

Shuttersnitch ist eine (kostenpflichtige) App, mit der du dir einen FTP-Server auf dein Tablett installierst, und den kannst du als Ziel nutzen, will heißen die Bilder da hin schicken. Während mit den üblichen Apps der Kamerahersteller die Verbindung nur mit jeweils einer Kamera funktioniert geht es hier mit so vielen, wie dein Taschenrouter, den du dafür brauchst, an Adressen hat. Im Router nimmt dann die SIM-Karte Platz, und dann geht es raus in die Walachei. Du hast dann im Umfang deines Datenvertrags mobiles Internet in der Jackentasche, und kannst via SFTP faktisch jeden Server im Universum erreichen, auf dem du einen Account hast – Datenvolumen vorausgesetzt. Grundsätzliche Bedingung dafür ist, dass deine Kamera überhaupt an einen FTP-Server senden kann. Gerade die kleineren Modelle sind da auf die App beschränkt, die die Hersteller liefern. Die aber sind wie gesehen selbst in ihren Möglichkeiten begrenzt und tun nicht immer was von ihnen versprochen wird. Alternativ tut es auch der Hotspot deines Handys, wenn das Programm dort läuft. Wie groß ist eigentlich der Datenspeicher auf dem Handy? Da müssen die Daten deiner Bilder dann ja erst mal hin.

Probiert man es aus wird man etwas feststellen. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Es gibt dutzende Störfaktoren, je nachdem ob du dich in der Stadt befindest, oder draussen im Wald. Das Band für diese Übertragungen ist nicht unbegrenzt, und voller als viele denken.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist dabei die Kamera selbst. Solange nur hin und wieder ein Bild zu senden wäre macht es kaum Schwierigkeiten. In der Sport- oder Pressefotografie sind es aber regelmäßig dutzende Bilder, die schnell ihren Weg finden müssen, und da wird es dann eng. Nicht nur einmal hat sich dabei bei mir der Puffer aufgehangen, und dann geht gar nichts mehr! Im schlimmsten Fall musste du den Akku ziehen damit die Kamera überhaupt wieder reagiert, und die Bilder, die bis dahin nicht übertragen waren, sind dann futsch. Noch schlimmer, sie sind dann nicht mal auf der internen Speicherkarte, denn die Software sendet erst und speichert dann! Kommt es dabei zu Problemen hast du gelitten!

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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