Bildgestaltung
Aus gegebenem Anlass möchte ich warnen!
Es gibt Menschen, die sich berufen fühlen, aus ihrem persönlichen Eindruck unzulässige Schlüsse zu ziehen! Auch die mir zugegangenen Akkreditierungsrichtlinien lassen Schlüsse in diese Richtung zu. Man muss hier klar trennen!
Wir reden hier nicht über Moralvorstellungen. Grundsätzlich müssen mehrere Dinge bedacht werden. Um die Arbeit eines „Handwerkers“ beurteilen zu können braucht es eine entsprechende Sachkenntnis. Fachfremde haben diese in der Regel nicht. Ferner ist auch eine Kamera, ein Objektiv, etc. pp. Werkzeug. Sie werden genutzt um Bilder zu machen. Was für Bilder das sind und was sie zeigen lässt sich aus der genutzten Ausrüstung nicht ableiten! Nicht die Kamera macht ein Bild, sondern der Fotograf oder die Fotografin.
Der Zirkelschluss „Der nutzt diese Kamera!“ hin zu „der macht unzulässige Bilder!“ ist gefährlich, und unzulässig. Dasselbe ist inhaltlich die Vermutung, aus der Kamera auf einen Zweck der Bilder zu schließen. Alle gebräuchlichen Kameras sind frei im Handel erhältlich. Für jedermann. Ein Bild ist fertig wenn es ausgeliefert wird. Nicht früher. Bis dahin gibt es eine ganze Reihe Bearbeitungsschritte, und was sich andere in ihrem Kopfkino vorstellen ist insoweit unerheblich.
Ich habe erlebt was in Wiesbaden vorgefallen ist, wo dem Augenschein nach eben genau das passiert ist. Ein Funktionär hat auf unzulässiger Grundlage entschieden, nämlich genau das: Kamera -> Ausschluss. Sonst hätte er nicht nach einer Genehmigung wegen „dieser Fotografie“ verlangt! Worte als Taten!
Es benimmt sich damit wie mit dem bekannten Küchenmessergleichnis, wenn aus Möglichkeiten auf Tatsachen geschlossen wird. Wer ein Küchenmesser zuhause in der Schublade hat könnte ja jemanden damit umbringen? Könnte. Wie wahrscheinlich ist es aber dass wer das tut? Solche Rückschlüsse ohne konkreten Anlass sind ehrenrührig. Hier wird Fotografen ohne Grund schlechte Absichten unterstellt, und damit offenbart dass man ihnen grundsätzlich nicht vertraut.
Im aufgeführten Fall geht es um möglicherweise unsittliche Aufnahmen, vor allem beim Damenrennen. Ja, man kann das machen. Theoretisch. Niemand wird es aber bei klarem Verstand tun, und kein Schiedsrichter ist in der Lage vor Ort zu beurteilen wie das Bild aussieht, das ein Fotograf da gerade macht. Nicht mal ein anderer Fotograf kann das. Konkretes Beispiel: Es wird verboten beim Start von hinten zu fotografieren. Man kann da das Hinterteil sehen. Man kann den Bildausschnitt aber auch so wählen dass man etwas ganz anderes auf dem Bild sieht, nämlich zwei Torso. Ein spannendes Bild von einer Konkurrenz, wenn es die richtigen Leute sind. Keine „Ärsche“!
In diesem Zusammenhang sollte auch der Sport nicht zu sehr mit Fingern auf andere zeigen, schreibt er doch gerade hier eine Art Bekleidung vor, die Unbedarfte normalerweise eher im Bad erwarten. Wer teils knappste Kleidung vorgibt, und dazu unumwunden erläutert welcher Zweck damit verfolgt werden soll, sollte sich nicht über den Eindruck wundern, den das dann macht. Oft genug führt das eine zum anderen, oder kann das tun.
In diesem Schreiben sind noch weitere Beispiele aufgeführt. Es kann dazu führen dass Fotografen es für besser halten, aus Vorsicht bei der Damenkonkurrenz überhaupt keine Bilder mehr zu machen. Ich erinnere an die Mail der Siegerin vom seinerzeitigen Lindenseelauf, die die Löschung von Bildern verlangte, weil sie sich nicht als schön empfand. Sie hat gewonnen, das war da die Nachricht. Sie war da eine Person der Zeitgeschichte. Ich habe die Vorschrift nicht gemacht, und dem Wunsch seinerzeit entsprochen. Das bedeutete jedoch auch: Sie hat die Berichterstattung über den Lauf unterbunden! Heute bin ich bei solchen Rennen übervorsichtig, und sehe lieber generell von der Veröffentlichung von Bildern ab. Das hat nichts mit „Sexismus“ zu tun. Es macht deutlich, welche Vorurteile in unserer Gesellschaft vermutlich vorhanden sind, habe ich zumindest noch nie solche Bilder öffentlich gesehen, jedenfalls nicht beim Sport. Man darf vermuten wo der Anlass für solche Vorgaben zu suchen ist, nämlich bei einer TV-Übertragung damals, als es tatsächlich zu solchen Bildern kam. Die großen TV-Kameras sind allerdings auch nicht unbedingt ortsveränderlich, und wer sich dann so da hin setzt … Nun ja, hier führt diese Diskussion zu nichts. Wer die Wahl hat macht solche Bilder nicht! Ein guter Fotograf macht sie bedarfsweise so dass daran nichts auszusetzen ist. Nur weil etwas theoretisch möglich ist darauf zu schließen dass jemand etwas auch real macht hiesse ebenso aus der Tatsache dass es Menschen gibt die Auto fahren zu schlussfolgern dass diese das nur deswegen tun um andere über den Haufen zu fahren.
Wer würde so weit gehen? Bitte bleibt bei der Realität! Für die Bebilderung eines Blogbeitrags oder Zeitungsartikels braucht es selten mehr als 1-2 Fotos. Die bekommt man bedarfsweise auch woanders her, sodass es dieser Fragen eigentlich nicht bedarf. Alle können sich danach richten, das ist dann wiederum anderen nicht recht. Man kann Besorgnis haben, oder Öffentlichkeit. Nicht beides.


