Zuschriften
Foto: Symbolbild – Ich habe Post erhalten. Jemand schreibt da:
„Für mich Du bist kein Amateur, Passioniert mehr – als- Hobby Fotograf, mit besseren Ergebnissen als vielen Profis . Nochmal Grüße und bitte weiter machen“
Dafür vielen herzlichen Dank!
Die Nachricht enthält allerdings einen der weit verbreiteten Denkfehler, den nämlich dass Amateur das Gegenstück zum Profi sei. Es ist das Resultat einer gesellschaftsfähigen Fehlübersetzung. Man kann es eher so sagen dass Hobby das Gegenteil von Lohnarbeit ist. Das bezieht sich ausdrücklich nicht auf die Qualität der Ergebnisse oder auf die Intention der Tätigkeit. Man kann einen Blog schreiben ohne einer Zeitung damit Konkurrenz zu machen, und das auch dann wenn jene es anders sehen. Ja, ein Blog ist in gewisser Weise eine Online-Zeitung. Sie spricht aber andere Leser an.
Profi kommt von professionell, also von berufsmäßig, was in unseren Breiten gewöhnlich mit Geldzahlungen assoziiert wird. Man sollte dabei eher an eine Ausbildung denken, im Sinn von da macht einer was, das er gelernt hat und daher weiss wie das geht. Lernen kann man etwas aber auch „by doing“, also durch Versuch und Irrtum. Dabei heraus kommt dann ein Autodidakt. Jemand also, der sein Wissen aus Erfahrung erworben hat, eben durch gelebte Praxis, unter Zuhilfenahme von Lehrbüchern im Selbststudium. Der hat dann kein Diplom als Ausbildungsnachweis, aber mitunter bessere Kenntnisse als ein Studierter.
Der Amateur wiederum macht etwas „aus Liebe“. Das Wort hat seinen Ursprung im Lateinischen. Amore, Liebe. Ob der dann dafür bezahlt wird steht auf einem völlig anderen Blatt Papier, und es sollte eigentlich immer so sein dass man seinen Beruf auch liebt. Wer geht denn gerne jeden Tag mit Frust zur Arbeit? Man kann das aber auch ohne Bezahlung aus Liebe an der Sache machen. Das sind zwei grundverschiedene Kriterien. Geld ist nicht alles! Geld ist notwendig, unbestritten, denn die Ausrüstung und das Hinfahren kosten Geld. Man kann aber nicht immer von den Ergebnissen dieses Tuns leben. Dann spricht man eben von brotlosen Künsten, oder von einem Hobby. Ein Hobbyist legt es nicht auf Profit an, oder anders ausgedrückt, sobald das Geld das Mass der Dinge wird bist du Profi und eben nicht mehr Hobbyist. Ob das dann auskömmlich ist wäre die andere Frage. Man muss ziemlich viele Bilder verkaufen um davon leben zu können.
Im Sport kann man beobachten dass immer weniger Pressefotografen zu Rennen kommen. Woran das liegt? Nein, es liegt nicht daran dass dieser Sport uninteressant sei. Es liegt eher an Strukturen der Zeitungslandschaft, die sich immer eindeutiger entwickeln. Früher hatten alle Redaktionen ihren festen Fotografenstamm. Heute findet man dort überwiegend freie Mitarbeiter, solche also die mal hier, mal da tätig sind, je nachdem von wem sie Aufträge bekommen. Die richten sich naturgemäß auch danach, wo sie das meiste Geld bezahlt bekommen. Wer Marktwirtschaft will muss auch die Folgen berücksichtigen. Es ist nunmal so, dass sich bedeutend mehr Leser für Fussball interessieren als für Kegeln, oder im Beispiel für Radsport, und da ist eben der Sieg bei der Tour de France lukrativer als jedes Dorfplatzkriterium, wo man vielleicht eine Flasche Wein bekommt statt dem dicken Scheckbuch. So ähnlich benimmt sich das auch bei Fotografen, wenn die von den Früchten ihrer Arbeit leben müssen. Da kommt keiner zu Crossrennen, weil es eben keine Resonanz gibt. Das hat auch mit Erklärungen zu tun, die man aus euren Reihen hat vernehmen können. „Wir wollen nur diesen oder jenen Fotografen!“ beinhaltet eben auch dass alle anderen daheim bleiben können. Sie werden nicht gebraucht, nicht gewollt, sind unerwünscht und überflüssig! Man hat haben wollen dass die Zuschauer zuhause bleiben. Das hat Gründe, auch wenn ihr die nicht hören wollt. Wo aber kein Interesse ist sind auch keine Leser, und das Thema fällt in der Redaktion hinten runter!
Wer den Presseausweis als Akkreditierungsmittel nutzt begeht nun gleich den nächsten Denkfehler, den nämlich zu meinen die Plastikkarte liesse Rückschlüsse auf Befähigung zu. Früher war das mal so, zu Zeiten nämlich als der Zugang zu einer Redaktion eben auch Zugang zu einer Druckerei bedeutete und damit die Möglichkeit zu berichten. Das eben kann heute jeder, online und für wenige Euro, und wenn der Journalistenverband sagt es bekämen nur Hauptberufliche das Kärtchen dann sagt er eben damit vor allem, dass es ihm um Konkurrenzvermeidung geht. Journalist ist da eben nur, wer es des Geldes wegen macht. Das „Hauptberuflich“ begrenzt die Interessensphäre eben auf Geld, auf Broterwerb, und lässt Interesse als Begründung nicht zu. Es geht nicht um Interesse, es geht um Bezahlung, und sonst um gar nichts! Ihr reduziert damit das öffentliche Ansehen eures Sports auf Geld. Zugleich diffamiert ihr damit die Hobbyisten, die eben nicht am Geld interessiert sind, als unfähig. Alleine das ist eine Botschaft! Die freien Fotografen sind selbst oft genug Autodidakten, und keine handwerklich Ausgebildeten. Ich schliesse damit nicht auf irgendeine Befähigung oder Kenntnis, das ist voneinander unabhängig ob jemand der bezahlt wird auch weiss was er tut. Schaut man auf die Ergebnisse wissen es manche da eben nicht. Wenn man jemanden dahin schickt und ihm aufträgt das Siegerbild mitzubringen wird der seinen Auftrag befolgen und dafür bezahlt werden. Kann der davon leben ist das hauptberuflich! Ist das aber eine Fotodokumentation des Rennens? Nein, weil es eben nicht interessiert was da sonst noch war! Du brauchst nicht einen Fotografen beim Rennen, du kannst dort eine kleine Armee beschäftigen ohne dass zwei dieselben Bilder heim bringen! Das muss man begreifen!
Helfen könnten euch Menschen wie ich, die so etwas nicht des Geldes wegen machen, sondern um dem Sport zu helfen, sofern der denn bereit wäre, Hilfe anzunehmen. Das aber sind Funktionäre der alten Schule nicht. Wir haben das schon immer ohne gemacht, wir machen das auch weiterhin ohne! Wo kämen wir denn da hin wenn sich jeder da hinstellen könnte und Bilder machen würde ohne uns um Erlaubnis zu fragen.
Auf einen Kotau könnt ihr lange warten! Das hat niemand nötig. Von Ausnahmen abgesehen begreift man da seit 1980 nicht, dass sich bei den Medien erheblich viel verändert hat, und die alten Rechnungen eben nicht mehr gelten. Entweder man hilft sich selbst, oder wird lernen dass Öffentlichkeitsarbeit und Sponsoring Hand in Hand gehen.
Nebenbei bemerkt, eine Kamera ist da vergleichbar mit einem Werkzeugkoffer. Er stellt die Voraussetzungen bereit, damit ein Handwerker sein Handwerk ausüben kann. Früher war eine Kamera, wie das Wort schon sagt, nicht mehr als ein lichtdichter Kasten mit einem Loch vorne drin. Das war die Camera Obscura. Heute ist eine Kamera ein fotografierender Computer, und ob die Programme darin was taugen wäre zu erörtern. Die Kunst des Fotografen ist dabei, das richtige zur richtigen Zeit zu tun. Nicht immer ist das Gerät dabei hilfreich und oft genug eher ein Hindernis, dann nämlich wenn die Hersteller meinen, es besser zu wissen als der Fotograf, was dessen Motiv erfordert. Aus einer statistischen Wahrscheinlichkeit hat man sich da eben überlegt, welche Motive die meisten Fotografen denn so bedienen. Daraus hat man Programme entwickelt, die eben diesem Durchschnitt genügen. Die interessantesten Motive liegen aber ausserhalb von diesem Durchschnitt! Diese Vorstellung ist so alt wie die Fotografie selbst. Zu Zeiten der alten Boxkamera, einem Vorläufer das Fotohandys, warb Kodak-Eastman mit dem Slogan „You press the button, we do the rest!“. Du drückst nur auf den Auslöser, wir machen alles andere. Das war eine „Einfachkamera“, die von der Fabrik mit einem Rollfilm geladen war, und wenn der belichtet war schickte man die ganze Kamera per Post ans Werk, und bekam bald darauf entwickelte Bilder nebst einer neu geladenen Kamera zurück. Das Ergebnis war da ziemlich dem Glück überlassen, denn einstellen konnte man da wenig. Es gab aber auch keinerlei Elektronik, die etwas hätte regeln können. Aus diesen Zeiten stammen ja auch mehr oder weniger bekannte Faustformeln, wie Bilder zu belichten seien. Sie ergaben sich aus Erfahrung, was im jeweiligen Einzelfall passte war oft genug „etwas anders“.
In diesem Zusammenhang ist es lustig zu sehen wie manuell das Manuell-Programm wirklich ist, nämlich fast garnicht. Auch da wird das bekannte Kräftedreieck aus Belichtungszeit, Blende und Verstärkung bedient, nur dass man die Elemente selbst einstellen kann. Wenn du ISO-Auto wählst bekommst du auch da innerhalb der vorgewählten Grenzen richtig belichtete Bilder. So eine Einstellung entspräche in meinen Augen aber eher einer „fotografengesteuerten Vollautomatik“, wenn der Fotograf der Kamera die Grundwerte gibt und diese nur noch für die passende Belichtung sorgt, statt zu meinen das Programm wisse es besser als der Fotograf. Da sind wir dann an der Grenze von Fotografie und Knipserei. Ein heißes Pflaster! Manuell ist es nur dann, wenn ISO fest eingestellt wird, was dann eben zu Falschbelichtungen führen kann.
Heute merkt man das an Details wie der Farbtemperatur, wenn du 6500K einstellst weil der Himmel bewölkt ist, der Kameracomputer aber 5300K in die Datei schreibt, was zu verkühlten Fotos führt. Die werden zu blau, und Blau ist da mehr als ein Zustand. Im Weiteren ist das einer der Anlässe, warum sich Rohdatenverarbeitung lohnt, oder gar notwendig ist. Du kannst solche Systemfehler korrigieren! Mach das mal mit Bildern in JPEG. Viel Spaß! Da sind die nötigen Grunddaten gar nicht mehr vorhanden, weil man sie wegkomprimiert hat! Ja, es macht Arbeit, aber das Resultat ist es wert.
Arbeit mit Bildern wiederum braucht Zeit. Zeit, die nicht jeder warten will. Wenn der Fotograf es aber als notwendig erachtet diese Arbeit zu investieren wird dem Betrachter nichts anderes übrig bleiben als zu warten bis es fertig ist.


