Bensheim
BENSHEIM – Foto: Archiv 2012 – Am kommenden Wochenende wird im Westen von Bensheim die Deutsche Meisterschaft im Radcross stattfinden. Die Wetterverhältnisse damals waren so ähnlich wie die heute. Ich werde nicht hingehen. Warum nicht?
Dafür gibt es eine ganze Reihe an Gründen, und der wesentliche ist, dass ich keinen Grund mehr sehe, mich dort erwünscht zu fühlen! Es gibt nichts, was ich zum Gelingen der Veranstaltung oder deren Dokumentation beitragen könnte. Es wurde gesagt, die Anwesenheit von Amateurfotografen sei überflüssig, es genügen die Gewerblichen, und nun macht mal! Menschen als solche zweiter oder dritter Klasse abzutun hat Folgen! Ihnen das Leben unnütz schwer zu machen oder die Bilder zu verbieten auch. Das begründet sich aus einer langjährigen Entwicklung heraus, und nicht aus einem isolierten Ereignis, das man als „Betriebsunfall“ hinstellen könnte. Die Verantwortlichen im Radsport leben demnach immer noch in den Verhältnissen von 1980 und weigern sich zu erkennen dass die Zeit fortgeschritten ist. Das Spiel können auch zwei spielen.
Beginnen wir im Jetzt. Die SSG Bensheim teilte dieser Tage auf Instagram einen Post eines anderen Fotografen, der dort bekannt gab, der offizielle Fotograf dieser DM zu sein. Nun, einmal – man lädt sich nicht selbst zu einer Party ein, man wird bestenfalls eingeladen. Zum anderen kann bekannt sein, wie weite Teile der „Teilnehmerfotoszene“ die Dinge sehen. Das tun die schon seit zwanzig Jahren und bis heute unverändert! Sie dürfen alles, und alle anderen dürfen nichts! Darauf basiert deren Geschäftsmodell. Diese Damen und Herren kommen weniger um die Veranstaltung zu unterstützen, sondern regelmäßig um dort Geld zu verdienen – und mir ist auch schon unterstellt worden meine Anwesenheit sei daran „schuld“ wenn das dann nicht wunschgemäß eintritt. Es geht um Geld, und sonst um wenig.
Man muss dazu wissen: Aus gewerblicher Sicht ist ein Sport, der aus sich heraus an mangelndem Zuschauerinteresse leidet, weil er Verhältnisse herbeigeführt hat, die eben jene vom Kommen abhalten, eine „brotlose Kunst“. Wer soll denn da Bilder kaufen? Im Zeitalter der Handyknipserei, von seriöser Fotografie möchte ich da nicht reden, macht sich jeder seine Erinnerungsbilder eben selbst. Hauptsache man hat da irgendwas, das man in den sozialen Medien möglichst verzugslos verbreiten kann. „Nachhaltigkeit“ zählt nichts. Ob das nach den Maßstäben handwerklicher Fotografie was taugt steht da eher weniger zur Debatte. Man kann das sehen wenn man einige Rennen besucht hat, nicht nur im Radsport. Selbst die Veranstalter gehen so vor. Sie entziehen so aber ihren gewerblichen Fotografen die Geschäftsgrundlage. Die Amateure sollen dann dran schuld sein? Ich muss mich sicher nicht für mein Dasein rechtfertigen! Ganz sicher nicht! Um da wenigstens die eigenen Auslagen heraus zu bekommen, also auf die schwarze Null zu kommen, muss man schon ziemlich viele Bilder verkaufen. Ich frage erneut: an wen? Sportler und Teams regeln das selber, die haben ihre eigenen Fotografen, die auch dann kommen werden, wenn man ihnen Steine in den Weg legt. Das eben passiert politisch.
Unsereins kommt irgendwann nicht mehr, wenn die Bedingungen zu schlecht werden, oder das erwartet werden darf. Ich habe mir das jahrelang angesehen, und fast nichts dazu gesagt. Irgendwann aber ist jedes Maß voll. Es gab Aussagen, die dazu Anlass geben. Siehe da die Forderungen der DSGVO, die Zuschauerausschlüsse am 1. Mai oder bei der Straßen-DM im letzten Jahr, sowie verschiedenen anderen Rennen mehr. Das ist kein „Sicherheitskonzept“, das ist die Ansage wen man da wünscht und wen nicht. Ich kann und werde mich danach richten. Das Interesse ist nach wie vor da, aber die Grundlage nicht mehr!
So wurde mir bei meinem letzten Besuch in 2024, oder besser gesagt beim Versuch des Besuchs, durch Verweigerung der Zufahrt klar gemacht wie die Dinge da liegen. Man hat die Zufahrt zu den ausgewiesenen Parkplätzen einfach verbarrikadiert und den Verkehr von der Veranstaltung weggeleitet. Als fort mit! Braucht es noch weitere Aussagen dazu, wen man da wünscht und wen nicht? Auch Seitens der Stadt sind mir Aussagen bekannt geworden, die darauf schließen lassen, dass es genüge wenn Einheimische zu Fuss da hin kommen. Auswärtige, die mangels Alternative mit dem Auto anreisen, braucht man da offenkundig nicht. Es ist ein Axthieb unter etlichen, die den Baum gefällt haben. Ich muss nicht Aufwand betreiben wenn die Dinge dann so aussehen, und es ist erwartbar dass das nun erneut so ist. Wozu soll ich so viel Aufwand treiben, wozu soll ich mich hinsetzen und in den Tagen danach Bilder ausarbeiten, wenn die eh niemand braucht? Ich habe die Abrufzahlen gesehen, ich habe gesehen was gewünscht wurde. Das muss jetzt keiner leugnen. Ihr habt wie gesehen eure Hausfotografen, und das genügt dann.
Dann wäre da die Zulassungspolitik. Wer entscheidet da was? Bislang war dazu eine bestimmte Adresse benannt, an die man sich hat wenden können. Auf der aktuellen Webseite habe ich solches vergeblich gesucht, was zu der Aussage mit dem offiziellen Fotografen passt. Keine offizielle Ansprechstelle bedeutet, man regelt das unter der Hand im Geheimen. Sonstige Interessierte braucht man nicht. Auch andere haben sich derweil so eingelassen, dass es genüge den einen zu haben, und darum keine weiteren zu brauchen. Wie war das in Stuttgart? Wir haben Vero, das genügt. Noch Fragen? Da kommt eins zum andern, und am Schluss steht eine Aussage. Es kann euch klar sein dass das wie eine Unerwünschtheitserklärung wirkt. Wenn ihr das so seht, werbt nicht öffentlich um Gäste! Da steht förmlich die Erklärung, unter sich sein zu wollen und eben keinen Besuch zu brauchen. Seitens der Verantwortlichen kamen schon damals Bemerkungen, unsereins brauche man da eh nicht, und wir sollten nur das tun was man da wolle. Herren und Diener? Brauche ich nicht!
Wir sitzen reell alle im selben Boot und bringen entweder zusammen was zustande, oder scheitern zusammen. Das ist kein Konzert, wo ein Veranstalter was auf die Bühne bringt und alle Besucher Musik konsumieren. Besucher sind da auch keine Gaffer und Bravorufer, deren alleinige Aufgabe es ist für Stimmung zu sorgen.
Auf den Hinweis zum Livestream habe ich eingeworfen dass dies dazu führen kann, dass mögliche Besucher angesichts der aktuellen und im Weiteren erwartbaren Wetterverhältnisse mit Glatteis sich die Rennen online aus der warmen Stube ansehen und aus dieser Perspektive vom Besuch Abstand nehmen werden. Ich wurde dafür runtergeputzt! Da wurde erneut erkennbar dass da wer nur seine eigene Perspektive kennt, und nicht Willens ist zu begreifen, dass es da noch weitere geben könnte. Nun, ist es Zufall dass bei mir nun genau das eintreten wird? Statt mich zwei Tage lang mit der Kamera an die Strecke zu stellen, womit auch ihr Bilder bekommen hättet, werde ich jetzt die offiziell Eingeladenen „machen lassen“ und mir das Ganze eben von Zuhause aus ansehen. Da ist es verhältnismäßig warm und trocken!
Man will das so? Man kann das so haben.



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