×

Königshammer-Cross

Königshammer-Cross

FRIEDRICHSTAL – Aus der Rubrik „Neues aus der Waschküche“ präsentiere ich hier nun die Nachlese zum Wochenende. Und du siehst nix!

Es war eine neblige Angelegenheit. Bis zum frühen Nachmittag hing dichter Nebel im Tal, und die Sichtweite war bescheiden. Grau war nicht nur das Wetter. Auch andere Umstände erschienen undurchsichtig. Dazu später mehr.

Ein Renntag reichte nicht. Wenn man den Aufwand schon treibt muss es sich auch lohnen? War ursprünglich nur der Samstag im Baiersbronner Ortsteil Friedrichstal angesetzt, und der Sonntag sollte in Kehl stattfinden, ergab es sich dann dass man plötzlich einen Ausrichter suchte, und so fanden gleich zwei Rennen am selben Ort statt.

NZ8_4276 Königshammer-Cross
NZ8_4311 Königshammer-Cross

Sportlich gibt es nicht übermäßig viel zu erzählen. Das war wie üblich. Wer gewonnen hat ist zufrieden. Die anderen fluchen. Hatte Marcus Bangert als Veranstalter noch selbst am Masters2-Rennen teilgenommen und am Samstag den dritten Platz erspurtet, ereilte ihn dann am Sonntag die Defekthexe. Wer gewonnen hat bedarf keiner Erörterung, dafür kommt derzeit nur einer infrage: Hannes Genze. Der Magstadter hatte bereits nach einer Runde so viel Abstand zu Tobi Kurz aufgebaut dass das weitere nur noch „Ankommen“ hiess. Sascha Starker war in der Elite so grau wie das Wetter, kein Wunder nach seinem Triumph in Varese davor. Wie das Geld kann man seine Körner nur einmal raushauen, und da zählt der Weltmeistertitel mehr als jeder Erfolg in der Liga, von dem er sich nichts kaufen könnte. Er musste aber fahren um demnächst zuhause an der DM teilnehmen zu können. Da hat German Cycling Abhängigkeiten geschaffen, über deren Sinn man streiten darf. In der Liga dominieren die großen Teams, ist das doch eher ein Wanderzirkus quer durch die Republik, und wer normal arbeitet kann dafür die Zeit nicht oder bestenfalls mühsam aufbringen. Vom Geld will ich da gar nicht reden. Ein Konstruktionsfehler? Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Urlaub, und wer kann sich alljährlich wegen der Kilometer ein neues Auto leisten? Ich will da nichts überbewerten, es bleibt aber ein Nachgeschmack wenn man über manche Dinge da nachdenkt. Daten stehen in der Ergebnisliste, wenn die denn mal bei Rad-Net online ist. Es gibt stattdessen einen Zwischenstand der Liga (PDF), und auffällig ist da dass nicht mal der Gesamtführende alle Rennen gefahren ist.

Denkwürdig sind andere Details. Es sind die Dinge, die nur auffallen wenn man genau hinschaut und -hört.

Auffällig war insbesondere die Streckenführung. Nach der Gartenschau blieben die abgeräumten Blumenbeete zurück, und die Strecke führte da nun mitten hindurch. Viel Schaden konnte da kaum entstehen, muss doch im Frühjahr eh alles neu angelegt werden. Mir rief es nur in Erinnerung, was damals in Stuttgart war. Damals gab es dort ein halb offizielles Crossrennen bei der Villa Berg, und auch da wurde so ähnlich verfahren. Es gab nur einen Unterschied: Irgendwer rief damals die Polizei, und die machte daraus eine halbe Treibjagd!

Auf dem Sportlerparkplatz stand ein Auto. Das Redaktionsfahrzeug der Badischen Zeitung, wenn man der Aufschrift glauben darf. Hintendrauf ein Fahrradträger. Den Bericht habe ich bislang noch nicht gefunden, obwohl es seitens des RSV Hochschwarzwald durchaus Anlass zur Freude gegeben haben dürfte.

So ließ sich beim Abschlussinterview am Sonntag, als eigentlich schon alles vorbei und entschieden war, der Vizepräsident für Leistungssport mit einem Satz vernehmen, den wir fast wörtlich vor fünf Jahren schon mal gehört haben. Da war Corona! Für die Zuschauer könne man nichts. Darauf habe man keinen Einfluss. Wirklich? Ob Zuschauer und Fotografen kommen hängt weniger am sportlichen Teil als an den erwartbaren Rahmenbedingungen. Ich hatte mich bereits mehrfach dazu geäußert. Nun, auch wenn man es anders darstellt, ausser den Betreuern und dem Familienanhang der Sportler waren nicht allzu viele Zuschauer da. Das hat aber nicht sehr viel mit dem Rennen an sich zu tun. Das ist woanders ja genauso.

Wer erwartet unerwünscht zu sein kommt nicht! Es ist eine Frage der Ansprache, und die ist eben gewöhnlich „Du darfst nichts!“. So wirkt es eben wenn man Zulassungen von Geldverdienen abhängig macht, was eben das Verlangen nach dem Presseausweis ausdrückt. Den Presseausweis bekommt ja nur wer es hauptberuflich macht. Das sind nur die wenigsten daran Interessierten. Auch da habe ich eine Antwort erhalten, die im weiteren Sinn in diese Richtung geht. Ich dürfe kommen wenn ich meine Bilder veröffentliche. Woran das nun hängt kann man wissen. Ich arbeite derzeit daran, wenn es fertig ist sehe ich weiter. Das kann etwas dauern. Hinsichtlich seiner Medienpräsenz steht der Sport immer noch im letzten Jahrtausend. Da ginge heute mehr. Man muss nur wollen! Wartet nicht auf die alteingesessene Presse, für die spielt Radsport nur dann eine Rolle wenn es die Tour ist. Sogar die Liga unterliegt da in der Quote gegen Fussball, und deshalb sind die Sportseiten täglich voll mit Rasenballsport, während die Rennen bestenfalls am Rande erwähnt werden. Hat stattgefunden, hat gewonnen – fertig, aus und Feierabend.

Auch ein anderes Details gibt zu denken. So wurde nicht nur den Sponsoren vor Ort gedankt, es wurde auch erwähnt, was man sonst so nicht hört. Demnach haben die Sportler heimlich Geld gesammelt, um die Kosten der Veranstaltung aufbringen zu können! Es muss sich um einen namhaften Betrag gehandelt haben, der so zusammen kam. Hallo? Warum hat man das nicht im Vorfeld erwähnt?

In rund drei Wochen wird in Bensheim die Deutsche Meisterschaft sein, und ein Jahr später wird sie dann eben in Friedrichstal auf dem Kurs stattfinden, den wir am Wochenende erlebt haben. Ich weiss nicht wie es dann sein wird, zu verschiedenen Dingen möchte ich aber doch etwas sagen.

Will man eine attraktive DM muss man etwas tun. Sportlich ist der Kurs attraktiv, für Zuschauer aber das genaue Gegenteil. Er ist so lang dass man am einen Ende nicht sieht was am anderen passiert, und mobil ist man da zu Fuss überhaupt nicht. Man will doch das Rennen sehen und ist nicht auf Wandertag dort? Mein Vorschlag wäre, die Streckenlänge zu halbieren und es auf die südliche Hälfte rund um das jetzige Depot zu beschränken. Vorteil: Der Bahnhalt ist genau um die Ecke, und mit den Hängen drumherum gäbe es eine natürliche Tribüne mit bester Aussicht! Nachteil: Man müsste die Brücke wieder aufbauen, die zur Gartenschau abgerissen worden war und jetzt unnütz parallel zur Fahrstraße herumliegt.

NZ8_3878 Königshammer-Cross

Die Logistik ist ohnehin ein Problem. Parkplätze gibt es genug. Die sind aber seltsam beschildert gewesen. Oder wie käme es euch vor wenn über dem Parkplatzschild „Privatgrundstück! Parken verboten!“ steht? Die Nachbarschaft droht mit Videoüberwachung, und macht somit klar dass man da keinen Besuch wünscht. Es war „gewöhnungsbedürftig“!

Für meine Besuche in Friedrichstal habe ich am Wochenende das Auto genutzt. Das waren vier mal 184 Kilometer, oder in Summe ein Tank Benzin. Aufgrund des bescheidenen Wetters war ich dann gestern schon wieder da, und diesmal mit der Bahn. Urlaub plus Chance ergibt Ausflug. Und siehe da, es schien die Sonne! Zeit, sich das alles nochmal in Ruhe anzusehen. Dabei fiel auch auf, wo nach dem großen Fahrplanwechsel am Sonntag die Crux verbaut war. Es könnte so einfach sein, mit der Murgtalbahn nach Baiersbronn zu kommen! Könnte …

Real ist es ein Hindernisparcours. Du kannst den RE40 nehmen, der bringt dich von Karlsruhe nach Freudenstadt und hält auch in Baiersbronn. Aber er hält eben nicht in Friedrichstal. Dorthin kommst du mit der S8, und die ist eben nichts für Ältere oder Leute mit Gepäck. Warum? Da hat jemand das Flügelzugkonzept falsch verstanden! Auf dem Weg ändert der Zug gerne mal seine Länge. Mal fahren zwei, drei oder nur ein Wagen, und du musst unterwegs auch mal den Wagen unerwartet wechseln, weil der Teil, in dem du gerade gesessen bist, nicht bis zum Ziel weiter fährt. Wer am Hauptbahnhof von Karlsruhe einsteigt betritt eine Straßenbahn. Die fährt ab Bahnhofsvorplatz, während absolut zeitgleich von Gleis 10 (?) der RE losfährt. Abfahrt ist planmäßig fast auf die Minute identisch, beide fahren hintereinander her denselben Weg, die Grinsekatze ist aber schneller. Braucht die S8 rund anderthalb Stunden bist du mit dem RE über eine halbe Stunde schneller. Nur eben nicht in Friedrichstal, sondern in Baiersbronn. Den Rest musst du laufen, und kommst dabei an den Parkplätzen vorbei, die etwa auf dem halben Weg liegen.

An der nächsten Haltestelle nach dem Hauptbahnhofsvorplatz, dem Albtalbahnhof, wird dann vorne eine Bahn angekoppelt und hinten eine andere abgehängt. Fahrgäste bitte umsteigen! In Forbach dann fährt nur der vordere Wagen weiter. Wer den Umstieg verpasst bleibt stehen. Auf dem Heimweg dasselbe in grün, nur wird man da eben eine Haltestelle vor Ziel ausgeladen. Du musst zum Hauptbahnhof, der Zug hat aber am Albtalbahnhof einen Häuserblock davor keine Lust mehr. Das ist alles nicht sonderlich attraktiv und eben nichts für alte Leute oder solche mit Gepäck! Bist du jung kannst du zum Anschlusszug rennen, sonst darfst du warten! Ich habe Verständnis für alle, die so das Auto wählen, und die Kilometerleistung zum Entscheidungsmittel für den Besuch machen.

Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt? Man könnte mit einem Deutschlandticket bequem da hin kommen. Anscheinend will man es betrieblich aber unnötig kompliziert machen, sind die Züge doch auch so gut besucht. Ich wünschte die Rennen wären auch nur ansatzweise so gut besucht wie die Züge! Warum das nicht mehr der Fall ist kann bekannt sein, wenn man nichts darf und nur dazu da ist Geld auszugeben für Kuchen und Würstchen, was an sich fein ist, aber selten der Zweck des Besuchs.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.