Langes Eisen
HEIDELBERG – Foto: Archiv – Schauen wir uns das Beitragsbild einmal näher an. Es zeigt den Start der Männer-Elite seinerzeit beim Elektroland24-Cyclocrosscup.
Es schaut auf den ersten Blick so aus als würden die Sportler gleich den Fotografen überfahren.
Das kann täuschen! In Wahrheit stand der Fotograf da weit ausserhalb jeder Absperrung. Ja, ich stand da am Streckenrand in optischer Verlängerung der Startgeraden, die Strecke machte davor aber einen 90°-Bogen nach links. Das sieht man auf dem Bild nicht. Man sieht auch nicht wirklich dass dafür ein 800mm-Tele zum Einsatz kam. Im Jargon nennt man so lange Teleobjektive auch „lange Eisen“, weil sie von ihrem Zweck her Golfschlägern ähneln, bei denen der Zweck eben ist, Weg zurückzulegen.
Die optische Wirkung langer Teleobjektive ist ein Kulisseneffekt, sie schrumpfen Räume. So schaut es hier entfernt auch so aus als stünden die Teilnehmer gleich hinten in der Hecke, dabei waren da noch mindestens 100 Meter Platz. Das kann, und mitunter soll, täuschen!
Gegenteilige Effekte erzielt man mit Weitwinkelobjektiven. Sie dienen hauptsächlich dazu Platzmangel bei der Standortwahl zu bewältigen. Dabei verlangen jene aber nach aussagekräftigen Vordergründen. Man muss also beim Bildaufbau darauf achten dort keine leeren Räume zu erzeugen.
Auch sollte man tunlichst keine Portraits mit einem starken Weitwinkelobjektiv machen. Abgesehen davon dass man da mit der Vorderlinse ziemlich dicht vor der Nase seines Motivs stehen würde wirkt so ein Foto auch wie eine Karikatur. Die Verzeichnung, die solchen Brennweiten naturgegeben Eigen ist, führt zu einer Knollennase und fliehenden Ohren! Sie überbetonen den Vordergrund. Alles was nah zur Optik ist wird übermäßig groß dargestellt.
Das Paradebeispiel für den „Missbrauch“ kurzer Brennweiten ist eben „Brigitte Bardot“. Die Fotos sehen so aus als bestünde die Dame zu zwei Dritteln nur aus Bein. Aus einer tiefen Position aufgenommen sind die Beine eben nah zur Linse, und werden überproportional groß dargestellt. Dasselbe passiert, wenn man an den Hürden damit Radcross fotografiert, sofern man nahe genug ran darf. Bedenkt bitte: Weitwinkel gleich geringe Abstände! Wer das nicht bedenkt bekommt Bilder, auf denen viel Landschaft und wenig Motiv zu sehen ist, eben die berüchtigte Ameise, die durch das Bild krabbelt.
Wer mehr über die zielführende Nutzung bestimmter Brennweiten lesen möchte frage Tante Google oder den Fachbuchhandel. Zu dem Themenfeld kann man Bücher schreiben.


