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Hardware

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Foto: Symbolbild – Heute fasse ich heiße Eisen an! Betrachten wir die Frage rund um „Professionalität“.

Wer ist Profi? Streng nach der Definition ist Profi wer seine Tätigkeit gelernt hat, nach den Regeln der jeweiligen Kunst arbeitet, und weiss was er tut. Das Geld spielt im Gegensatz zu landläufigen Meinungen dabei eigentlich keine Rolle. Ob jemand etwas zum Vergnügen macht, selbständig arbeitet oder einer brotlosen Kunst nachgeht, irgendwo angestellt ist und dafür bezahlt wird, davon leben kann oder nicht, sagt eigentlich nicht viel dazu aus was er da „produziert“. Es gibt hochbezahlte Experten, die keine brauchbaren Resultate liefern ebenso wie altruistisch denkende Talente, die „die Welt retten“.

Manche Sportfunktionäre meinen ja augenscheinlich, das an der verwendeten Fotoausrüstung festmachen zu können, und offenbaren damit vor allem, dass sie vom Thema nichts verstehen, regelmäßig auch nichts verstehen wollen, oftmals im Gestern verhaftet sind und vor allem, sich beratungsresistent zeigen. Das ist leider so. Würden sie daran keine Zulassungsentscheidungen festmachen könnte man noch zugestehen, dass das nicht ihr Fach ist. Sie tun aber genau das, und dann muss auch erwartet werden dürfen dass sie wissen auf welcher Grundlage sie entscheiden! Das kann und darf nicht Willkür oder Beliebigkeit sein.

Wir reden hier von Geräten, die jedermann mit entsprechendem Budget im örtlichen Fachhandel frei kaufen kann, nicht von Sachen, die nur im Spezialhandel für bestimmte Berufsgruppen gehandelt werden. Insofern sagt der Besitz alleine noch gar nichts aus, und wer sich etwas umsieht wird merken, dass nicht wenige Zeitungsfotografen eine alte DSLR von vor 30 Jahren um den Hals hängen haben statt des neuesten Topmodells der jeweiligen Marke. Warum ist das so? Es genügt dem Bedarf, ist vorhanden, und vor allem, man ist darauf eingearbeitet. Zu wissen was wie funktioniert ist im Alltag entscheidender als das neueste Feature.

Nüchtern betrachtet unterscheidet Amateure und Profis nicht die verwendete Ausrüstung, sondern, ob wer damit Geld verdienen will. So einfach ist das. Im Prinzip kann man auch Bilder aus einer Taschenkamera verkaufen, wenn man dafür Abnehmer findet, und dann ist das gewerblich. Punkt.

Das ist bei Fahrrädern im Prinzip nicht viel anders. Jeder kann in einen Radladen gehen und sich dort für fünfstellige Beträge ein Profirennrad kaufen. Ist der deshalb Worldtourprofi? Vermutlich eher nicht, und ein echter Profi kann auch mit einem Einsteigerrennrad schnell fahren. Bei Fotografen ist das recht ähnlich.

Wer seine Bilder aus „Spaß an der Freude“ macht kann dafür auch „Profikameras“ einsetzen, das tut hier nicht wirklich was zur Sache. Streng genommen ist das ähnlich wie der „Ferrari zum Brötchen holen“. Da macht jemand was, was es zumindest im engeren technischen Sinn so nicht braucht. Er könnte dieselben Bilder auch mit einer einfacheren Ausrüstung machen. Die Frage ist hier aber gegenstandslos, denn es zählt das Ergebnis. Ansonsten sind Kameras eben Werkzeug zum Bilder machen. Nicht mehr und nicht weniger. Was jemand damit beabsichtigt ist ein komplett anderes Thema.

Wie in anderen Fragen auch unterscheidet die Fotozunft zwschen Einsteigerkameras, einer sogenannten Mittelklasse, und eben den Profimodellen. 80% derer werden aber gar nicht von Profis gekauft oder benutzt! Die Mehrzahl der Kunden sind Amateure! Was macht den Unterschied denn aus? Nikon als Beispiel gibt recht offenherzig zu dass fotografisch eine Z8 sich nicht erheblich von einer Z9 unterscheidet, letztere aber erheblich mehr kostet. Da heisst es der fotografische Teil beider Modelle sei weitgehend gleich. Worin liegt also da der Unterschied?

Dieser „Unterschied“ findet sich im Hinterzimmer, also in den Bereichen wo es um die Verarbeitung und Verbreitung der Aufnahmen geht. Lassen wir mal beiseite dass eine Z9 einen stärkeren Akku nutzt als die Z8, ist der Hauptunterschied das eingebaute „Postamt“. Die Z9 hat einen Netzwerkanschluss, die Z8 nur WLAN. Wer gleich nach dem Rennen die Redaktion mit Bildern versorgen muss weiss von was ich rede. Entsprechend eingerichtet muss man da nur noch das Kabel reinstecken, und die Bilder gehen auf die Reise – jeweils vorausgesetzt der Rennveranstalter hat in seinem Pressebüro die notwendigen Hausaufgaben gemacht. Auch da ist in Deutschland nicht immer alles so wie es eigentlich sein müsste. Rein theoretisch kann man die Bilder auch via Mobilfunk verschicken, in der Praxis scheitert das aber an nicht erhältlichen Mobilfunkverträgen, beziehungsweise an deren Datenvolumen. Die haben immer noch selten mehr als 20 GB im Monat, und eine Speicherkarte fasst Daten im Terabytebereich. Man erkenne den Unterschied. Auch wenn selten solche Umfänge transferiert werden, es muss bedarfsweise möglich sein, sonst bringt das nichts. Ist das möglich? Real, nein!

Es ist für eine Zulassungsentscheidung völlig irrelevant ob da jemand wie ein „Weihnachtsbaum“ mit Fototechnik behangen ist, oder mit einem Handy in der Tasche daherkommt. Viel wesentlicher ist doch, was er oder sie damit macht. Wir sehen Wochenende für Wochenende auf Instagram und anderen ähnlichen Diensten was inzwischen geht. Da sind herkömmliche Kameras Technik von gestern. Sofort ohne Zeitverzug hochladen geht da nicht, und wer seriös arbeitet will das auch gar nicht. Dazu braucht es eine geeignete Verschlagwortung, damit andere mit den Bilddaten weiterarbeiten können. Wenn ich auf dem Bild einen Sportler sehe weiss ich als Redakteur nicht wer das ist, um welches Rennen es sich handelt, was der da gemacht hat, ob der gerade gewonnen hat, und so weiter. Ist das einer unter tausend, oder ist der wichtig? Da ist ein weiterer Unterschied zwischen Profi- und Amateurmodellen, denn die Profikamera kann man entsprechend vorbereiten. Da stehen dann diese Angaben nach der Aufnahme bereits in den EXIF-Daten, und müssen nicht aufwändig am Computer nachgepflegt werden, bevor die Bilder herausgegeben werden können.

Rein fotografisch spielt es keine große Rolle ob man da eine R1 oder eine R6 verwendet. Für die Nachverarbeitung sind die Unterschiede aber essentiell, vor allem was die Software betrifft.

Kleider machen Leute? Fotografen sehen manchmal tatsächlich aus wie der sprichwörtliche Weihnachtsbaum, rundum behangen mit Kameras. Ist das nötig? Kommt halt drauf an!

Man bezeichnet Sportfotografie manchmal als das Rennen im Rennen, will heißen niemand wartet auf die Fotografen, verlangt aber passende Ergebnisse. Wenn es beim Zielsprint um Sekundenbruchteile geht hat niemand lange Zeit zum Objektive wechseln. Das muss passen, oder die Motive sind über alle Berge. Somit kannst du dir nur helfen indem die dazu passend bestückten Kameras eben nicht im Rucksack schlummern, sondern am Arm baumeln. Ob das „merkwürdig“ aussieht darf dem Fotografen egal sein. Kein Kunde wird jemals nach Äußerlichkeiten fragen, die wollen Bilder. Dazu haben sich gewisse Dinge in der Praxis bewährt, und man greift da gern auf „Bewährtes“ zurück. Getreu dem Motto von Adenauer: Keine Experimente! Es gibt nicht viel was ähnlich stockkonservativ ist wie Fotografen.

Im Kochbuch sähe das dann in etwa so aus:

Man nehme zwei Gehäuse, hänge die an einen Tragegurt wie z.B. dem SunSniper Rotaball DHP, montiere da jeweils ein 2,8/24-70mm und ein 2,8/70-200mm, habe „etwas längeres“ in der Hinterhand, und freue sich auf einen schönen Tag. Im Prinzip kann man damit die Bilder machen, die erwartbar bei so einem Rennen anfallen. Man kann natürlich auch „Kleines Gepäck“ bevorzugen und es bei einem 24-200mm belassen. Dann aber spielt man auf Glück!

Man sieht hier: Die Ausrüstung sagt für sich alleine nicht viel über einen Fotografen aus, über dessen Absichten gleich mal garnicht. Dasselbe gilt übrigens auch in Sachen Presseausweis. Dass jemand einen hat und somit nachweisen kann „hauptberuflich“ angestellt zu sein bedeutet noch lange nicht dass der auch gute Bilder in den Kasten kriegt! Da darf man sich nichts vormachen.

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.