Lindensee-Laufserie
RÜSSELSHEIM – Foto: Archiv – Gewöhnlich fangen um diese Zeit des Jahres die verschiedenen Winterlaufserien an, und so habe ich auch auf der Suche nach Informationen beim LC Rüsselsheim vorbeigeschaut. Was ich da fand schlägt dem Fass den Boden aus! Link hier.
Da steht, ich zitiere: „Leider müssen wir den Lauf am 11.10.25 absagen!„
Zum Grund steht da weiter: „Januar kam es zu einem Zwischenfall mit einem Anwohner, der mit seinem Auto in Laufstrecke trotz Streckenposten gefahren ist und dabei einen Läufer gefährdet hat und anschließend noch wütend auf das Schulgelände kam. Da wir befürchten, dass dieser Anwohner uns bei der nächsten Veranstaltung wieder Ärger macht, wurde über das Sportamt bei der Stadtpolizei angefragt, ob diese dort temporär vor Ort erscheinen könnten. Dies wurde von der Stadtpolizei abgelehnt. Wir müssten einen privaten Sicherheitsdienst beauftragen, die öffentliche Straße für den Verkehr sperren lassen und zudem noch ein Sicherheitskonzept erstellen lassen, um uns für eventuell zukünftige Vorfälle rechtlich abzusichern.“
Was daraus folgt kann nahe liegen! Natürlich ist das für einen „kleinen“ Verein nicht tragbar, und widerspricht auch der hessischen Landesverfassung, in der Sport als Staatsziel ausgegeben wird. Nicht nur jener kommerzielle Sport, mit dem einige Geld verdienen, sondern insbesondere Breitensport, der der Volksgesundheit dient.
Wer die Strecke kennt kann wissen was da ist. Das sind Wege, die für den allgemeinen Verkehr ausser ein paar Anliegern ohnehin bedeutungslos sind. Feld- und Waldwege, wo nach allgemeinem Verständnis kein Autofahrer was zu suchen hat!
Zudem gibt es da sowas wie die heimliche Verfassung des Straßenverkehrs, besser bekannt als Straßenverkehrsordnung. Die sagt ganz prominent: „§ 1 Grundregeln
(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“
Noch Fragen? So wie das Verhalten dieses „Anwohners“ beschrieben wird kann davon hier kaum die Rede sein. Rücksichtsvolles Verhalten und Straßenverkehrsgefährdung stehen sich diametral gegenüber, und ich halte es für die Pflicht der Behörden, dem abzuhelfen. Wer sich so verhält ist meines Erachtens zum Führen eines Kraftfahrzeugs charakterlich ungeeignet!
In unserer Gesellschaft macht sich, wie woanders bereits mehrfach erwähnt, ein Sittenverfall breit, der mit Egoismus nicht ausreichend zu beschreiben ist. Gewisse Leute denken, sie hätten bessere Rechte? Es wäre angezeigt denen beizubringen dass dem nicht so ist! Auch ein „Primus inter pares“ ist eben auch nur „inter pares“, einer unter gleichen! Ob der erste oder der letzte ist da gleich.

Leider ist es nun mal auch zu erwähnen was sich da sonst noch im Laufe der Zeit so ereignet hat. In meinem Archiv liegt da so ein Bild … siehe oben. Da war der Verein nicht völlig unbeteiligt, dass sich bei einigen der Eindruck verfestigt hat, dass manche mehr dürfen als andere. Wie war das mit diesem Fotografen, der beim Start mitten auf der Straße hat sein dürfen, mit der bescheidenen Folge dass ausser ihm sonst niemand hat Bilder machen können? Ich habe die Szene trotzdem dokumentiert. Jetzt ist es aus Gründen der Glaubwürdigkeit wichtig. So kann niemand sagen da sei nichts gewesen. Der ist damals erst im letzten Augenblick weggesprungen, bevor ihn das Feld über den Haufen gerannt hätte! Da muss man doch mal fragen dürfen: Muss das sein?
Natürlich trägt das zu einem gewissen Eindruck bei! Ab da kann klar sein wer da was darf, und wer egal ist. Das bekommen halt auch andere mit.
Es war ebenso da, wo mir jene Mail geschickt wurde, in der die damalige Siegerin um Löschung der Bilder „bat“! Solche Wünsche sind nach der DSGVO legitim, allerdings zählen Siegerinnen eben zu den Personen der Zeitgeschichte, und für die Berichterstattung (durch jedermann!) ist es eben egal ob sich wer schön findet oder nicht. Dem Wunsch habe ich seinerzeit entsprochen, mit der Folge des Entfalls weiterer Beiträge zu diesem Thema. Das ist auf dieser Grundlage weder sinnvoll noch möglich, sollte man doch nicht erwarten dass jemand seine Freizeit aufwendet um einem Sport zu helfen, der offenkundig nicht geholfen bekommen möchte. Sonst würde man sich da anders positionieren. Das gilt in gleicher Weise auch für andere Veranstaltungen. Ich habe nach diesem Vorgang meine Besuche dort eingestellt. Vergleichbare Aussagen („Wir brauchen das nicht!“) habe ich ebenso beim Groß-Gerauer Frühjahrslauf zu hören bekommen, und zwar ebenso aus Teilnehmerkreisen. Was davor bei Triathlons gewesen ist kann ebenso bekannt sein („Wer hat den denn hier rein gelassen?!“).
Einer meint über alle hinweg bestimmen zu dürfen? Okay, macht mal. Ihr werdet rasch sehen was ihr davon habt.
Der Beitrag auf der LC-Seite endet mit den Worten: „Es tut uns wirklich leid nach 42 Jahren die Serie eventuell einzustellen zu müssen.“ Das wäre schade, und ich frage die Stadt allen Ernstes, ob das ihrer Auffassung von einer gedeihlichen Gesellschaft entspricht. Für jedes kommerzielle Fussballspiel stehen Ordnungskräfte in Bataillonsstärke kostenlos zur Verfügung, und hier bekommt man es nicht hin einen einstündigen Volkslauf abzusichern?
Welches Verständnis vertritt hier die Stadt, das Land, diese Gesellschaft? Es kann jetzt jeder wissen, was aus egozentrischem, rücksichtslosem Verhalten folgen kann! Wann habt ihr genug? Wenn alles kaputt ist?


