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Cyclingworld

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DÜSSELDORF – Foto: Archiv 2019 – „DIE CYCLINGWORLD EUROPE – EUROPAS SHOW FÜR FEINSTE RADKULTUR“. So nennt sie sich selbst. Jetzt wieder in rund einer Woche vom 20.-23. März. Mein letzter Besuch in Düsseldorf ist schon eine Weile her, und auch jetzt stellt sich wieder diese eine Frage: Was bekomme ich, wenn ich für den Fahrschein und den Eintritt zusammen mit allen Nebenkosten über 100 Euro ausgebe?

Ein Aha-Erlebnis, oder eine herbe Enttäuschung?

Das ist relativ viel Geld. Der Betrag steht in direkter Beziehung zum erwartbaren Erlebnis, und versprochen wird viel. Was davon gehalten wird ist dann so eine Sache, wie das Leben auch an anderen Orten gezeigt hat. Ja, trotz Bahncard 50, also Fahrscheine zum halben Preis, und Deutschlandticket kostet mich die Fahrt von Riedstadt via Frankfurt nach Düsseldorf mehr als 80 Euro, und der Eintritt kommt noch oben drauf. Da muss man schon fragen was man dafür bekommt. Für eine Fahrt ins Blaue ohne Resultate ist das doch etwas kostspielig.

Meine damaligen Anfragen an den Veranstalter ergaben Antworten, die den Eindruck förderten, mit dem Anliegen nicht recht ernst genommen zu werden. Was Auswärtige damit an Problemen haben macht auf Ortsansässige eben den Eindruck, Probleme zu sehen wo keine sind. Wer in Düsseldorf sitzt hat die auch nicht, die Besucher kommen aber nicht nur aus Düsseldorf! Die Fragen sind aber durchaus ganz real, wenn du nicht mit dem Auto kommen kannst oder willst, weil es a) nicht genug Parkplätze gibt, b) das Benzin unerschwinglich gemacht wird und c) der Zeitplan zum Problem wird. Abends bist du müde, aber die Bahn macht Feierabend. Fernzüge fahren später am Abend nicht mehr, die Baustellen der Bahn erschweren die Reise, und dann wird es kompliziert mit der Heimfahrt! Man wünscht sich Besucher, wirft ihnen aber zugleich alle denkbaren Knüppel zwischen die Beine! Wer das im einzelnen ist darf da egal sein.

Natürlich ist der Messeveranstalter nicht für Fragen abseits der Messe zuständig, aber er kann wissen wie aktuell die Verhältnisse in der Stadt sind, ob die Rheinbahn zuverlässig fährt oder Großbaustellen warten. Da genügt ja mitunter ein ausgefallener Zug oder ein verhagelter Anschluss, und mit dem Besuch ist Essig. Das kann man sonst kaum feststellen, und wenn man vor Ort ist und vor der Baugrube steht ist es zum Planen etwas spät. Das kennt man aus Frankfurt, wo die Info zur Stadtbahn erst am Tag vor der Stilllegung kam und davor fleissig unrichtige Auskünfte ausgegeben wurden. So erhaltene Fahrpläne sind am Tag X Makulatur! Da wurden Straßenbahnen eingekürzt, Busse umgeleitet, Straßen gesperrt, und Ortsfremde haben dann den Salat. Wie gesagt kamen Infos dazu mehr als einmal viel zu spät, und warum soll das in Düsseldorf nicht ähnlich sein?

Die Messe rund ums Fahrrad wächst. Auf dem Areal Böhler im Stadtteil Lörick werden es immer mehr Hallen, und aktuell nimmt man die Innenstadt gleich noch mit dazu. Ansehen, erleben, ausprobieren. Das ist das Konzept. Die Liste der Aussteller liest sich wie eine kleine Eurobike. Was aber sieht man da wirklich?

Ich habe es auf anderen Messen erlebt. Anfangs waren das alles hochinformative Veranstaltungen, mit Rahmenprogrammen wie Teampräsentationen namhafter Mannschaften, oder Rennen im Beiprogramm. Letztere gibt es heute teils immer noch, wie das Bembelkrit in Frankfurt bei der Eurobike, oder das Crossrennen eben dahier. Bei der Cyclingworld gibt es nebenan einen extra Parcours, tagsüber zum Testen, abends fürs Radcrossrennen. Dessen zeitliche Lage macht die Heimfahrt aber kritisch, das wird spät.

Damals in Freiburg wurde bei der Bike-Aktiv die Menge an Ausstellern Jahr um Jahr aber immer kleiner, bis zum Schluss die örtlichen Händler unter sich waren und die Messe eigentlich zu einer Abverkaufsveranstaltung dieser Händler verkam. Man nennt sowas auch Resterampe. Heute gibt es sie nicht mehr, es hat keinen mehr wirklich interessiert. Andere Fahrradmessen benehmen sich da ähnlich. Die lokale Händlerschaft stellt aus und will verkaufen. Dazu ist eine Messe aber streng genommen nicht da!

Messen sollen informieren, Neues zeigen, Appetit machen. Zum Einkauf gehst du dann zum jeweiligen Fachhandel. Genau da aber liegt gleich das nächste Problem. Schaut man sich um wird man merken dass das eben so eine Sache ist. Ich erinnere an die CMT in Stuttgart vor einigen Jahren. Was man da zu sehen bekam hatte nicht viel mit dem zu tun was man dann im Handel hat kaufen können. Man konnte nicht liefern was zuvor präsentiert wurde, und das nicht nur vier Wochen lang, sondern grundsätzlich. Heute ist das teilweise immer noch so!

Das gab es auch schon im Fotobereich, und an solchen Dingen scheint auch die Fotokina zugrunde gegangen zu sein. Schöner Schein verdient kein Geld. Oder – was man verspricht soll man auch halten, oder die Kunden verlieren das Vertrauen.

Eine umfangreiche Ausstellerliste heisst nicht unbedingt auch viel Informationen. Nicht selten werden die Ausstellungsobjekte, sprich die gezeigten Fahrräder, der Örtlichkeit angepasst. So sieht man in Willingen fast nur Downhillbikes. Warum? Es ist ein Bikepark, und die Klientel besteht eben vorwiegend aus in dieser Richtung interessierten Menschen. Stadträder wird man da vergebens suchen.

Ich gebe zu dass ich derzeit kein neues Rad suche. Ich habe was ich brauche, auch wenn es nicht der neueste Schrei ist. Aber wissen was der Markt bietet wäre durchaus interessant. Wird man das aber dort erfahren? Die Erfahrung hat gezeigt dass das eben so eine Frage ist. Wenn sich fünf Aussteller einen Stand teilen kann das auch heissen dass man von keinem wirklich was sieht. Auch eine große Standfläche sagt nicht viel aus über die Ausstellungsstücke. Das kann auch ein großer Konferenzbereich sein, wie man auf der Eurobike hat sehen müssen. Zwei Drittel der Fläche des Standes waren da Tische, und Räder hat man nicht gesehen. Da stehen dann mitunter nur jeweils ein Korb Trinkflaschen, und dafür braucht es keine Messe. Es soll ja zählen was es Neues gibt. Ein wohlgefüllter Kleiderständer ist da wenig aussagekräftig, weil es eben keinen Zusammenhang gibt zu dem, was man später im Fachhandel vorfindet, und bei der Messe kaufen ist mitunter ein Problem, weil man weder mit Geldbündeln in der Jackentasche da rum läuft noch viel Platz hat, die Sachen heim zu fahren wenn man eben keinen Kofferraum zur Verfügung hat! Wer kommt da mit Koffern? Auch die musst du dann ja in den Zug kriegen, zudem verhageln sie dir den restlichen Tag für den weiteren Messebesuch. Mit Reklamationen bei Fehlern steht man dann auch vor einem Problem, der Händler ist nach der Messe oft nicht mehr greifbar.

Wer über eine Messe berichten will braucht auch Bilder. Es ist durchaus nicht mehr als gegeben vorauszusetzen dass man die einfach so machen kann. Darf man überhaupt noch eine Kamera mitbringen? Manche Veranstalter verbieten alles und jedes, und eine klare Aussage auf der Webseite vermisse ich. Andere lassen da nicht mal einen Rucksack für eine Regenjacke zu, oder eigene Brötchen zum Mittagessen. Wo finde ich was der Caterer anbietet? Einen Speiseplan oder eine Getränkekarte? Was gibt es zu Essen? Wie sind die Preise? Brauche ich Bargeld oder genügt eine Bankkarte? Es gibt ja nicht nur „junge Gesunde“. Manche Menschen müssen aufpassen was sie einwerfen. Andernfalls drohen Überraschungen, und Montezumas Rache ist da oft genug noch vergleichsweise harmlos.

Wer braucht das schon? Das sind eben Gesichtspunkte abseits des eigentlichen Messebesuchs, die aber mit darüber entscheiden können, ob der Besuch selbst überhaupt durchführbar ist. Man sollte das ernst nehmen.

Die Entscheidung über den Messebesuch wird jetzt am Wochenende fallen. Calumet in Frankfurt hat am Samstag Hausmesse. Wenn mir dort einige offene Fragen beantwortet werden, und andere Dinge optimal laufen kann ich das Geld für die Reise aufbringen. Sonst nicht.
Weitere Angaben: Webseite der Veranstaltung

Ich bin Baujahr 1965, wohne in Riedstadt in Südhessen und bin in meiner Freizeit Amateurfotograf, Hobbyfilmer, Drohnenpilot, und eben Blogger. Mir gehört dieser Blog. Wenn es die Zeit erlaubt bin ich auch Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger. Naturverbunden, aber nicht politisch indoktriniert. Ich erlaube mir noch selbst zu denken, und sage was dabei herauskommt.

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