Freudenstadt

Es liegt am Ende des Murgtals tief im Schwarzwald und wäre städtebaulich in einem Atemzug mit Mannheim oder Karlsruhe zu nennen – Freudenstadt.

Um 1600 herum gegründet und nur wenige Jahre später gleich wieder abgebrannt ist Freudenstadt eine vergleichsweise junge Stadt. Entstanden am Reißbrett darf man sie als Kunstprodukt ansehen. Der Herzog braucht eine neue Residenz und hatte zufällig gerade genug Geld. Die Bautätigkeit der Herzöge jener Zeit war atemberaubend. Gerade in Baden. Karlsruhe nennt sich Fächerstadt, weil eben die wichtigsten Straßen der Altstadt fächerförmig auf das Schloß zulaufen, und Mannheim ist als die Quadratestadt bekannt. Ein Blick auf die Adressen im Zentrum zeigt warum. Normale Straßennamen sucht man da vergebens.

Als das Geld verbraucht war waren gerade mal die Kirche und ein paar Häuser fertig. Dann kam Krieg und der Herzog trat von der Weltbühne ab. Der für sein neues Schloss vorgesehene zentrale Platz blieb leer. Heute kreuzen sich dort zwei bedeutende Bundesstraßen. Geblieben ist die Sage vom größten Marktplatz Deutschlands. Eigentlich sind es vier aneinander gefügte Plätze. Heute sind manche Teile davon anderweitig bebaut.

Wie kommt man hin?
Mit der Grinsekatze! So nennt man die modernen Züge der Baureihe 1440, die den RE40 bedienen, wegen ihres Frontdesigns. In diesem konkreten Fall ist die Murgtalbahn das Gebot der Stunde. Es gibt gleich vier Bahnhöfe, aber kaum Parkplätze. Der Marktplatz ist zwar unten hohl und ein Parkhaus darin, das Angebot wird vom Bedarf jedoch bei weitem überstiegen. So macht eine Stadtbesichtigung keinen Spaß!

Der erste Bahnhof Freudenstadts war der heutige Hauptbahnhof. Der liegt rund 1,5 Km vom Zentrum entfernt und bietet Anschlüsse in Richtung Stuttgart oder ins Kinzigtal, von wo aus man via Offenburg nach Basel oder Freiburg weiterreisen kann. Die Züge aus Karlsruhe enden üblicherweise dort, eine Fortführung ist aber bereits beauftragt. Später baute man dann am anderen Ende der Stadt den Stadtbahnhof auf einem frei gewordenen Gelände. Heute würde man es ein Konversionsgebiet nennen, früher stand dort mal der Festungswall, und in den letzten Jahren kamen dann noch die zwei Haltepunkte in der Nähe der Schulen und dem Panoramabad bzw. am Industriegebiet dazu. Wie heisst es dort so schön? „Der Zug hält nur bei Bedarf!“. Die meisten Stationen der Murgtalbahn sind solche Bedarfshalte, und davon gibt es ganz schön viele.

Erreichbar ist Freudenstadt von Karlsruhe her mit der Stadtbahn der Linie S8 oder mit den RE40. Die RE fahren im Hauptbahnhof ab, während die Stadtbahn nach dem Karlsruher Modell die Innenstadt ans Umland anschließt. Der Abzweig ins Murgtal ist in Rastatt.  Bis dahin nutzen die Züge die Rheintalbahn. Man kann da also direkt von Marktplatz zu Marktplatz durchfahren. Dafür braucht man aber Zeit. Ein Nachmittagsausflug ist das nicht! Die S8 ist rund 30 Minuten langsamer als der RE, und die wiederum brauchen etwa die doppelte Zeit als ein Auto. Die Murgtalbahn ist eingleisig und die Warterei auf entgegenkommende Züge dauert.

Was gibt es in Freudenstadt zu sehen?
Kommst du vor 10 Uhr ist rund 500 Meter vom Stadtbahnhof entfernt die Straße runter eben nur der Marktplatz mit seinen Laubengängen. Die Stadt ist wie ein Mühlespiel gestaltet, wobei heute auch der Vergleich mit einem Potemkinschen Dorf nicht völlig falsch wäre, ist doch nur die touristisch relevante Vorderseite der Häuser frisch gestrichen. Schon die zweite oder dritte Reihe sehen gern aus als wäre da jahrelang nichts getan worden.

Auf dem Weg dorthin kommt man an einem Fahrradladen vorbei, Format zwei Häuserblocks!

Warum ich die Uhrzeit erwähne? Der Grund ist ein Springbrunnen, der pünktlich um 10 Uhr zum Dienst antritt, und wer dann falsch steht wird gnadenlos gegossen! Solange er aus ist fällt seine Anwesenheit nicht weiter auf. Die Düsen sind im Boden eingelassen und auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die Erinnerung ist noch frisch, vor ein paar Jahren startete genau dort eine Etappe zur Vaude Trans-Schwarzwald, und der Start war eben genau um 10 Uhr. Viele Zuschauer standen nichtsahnend auf eben jener Fläche, als pünktlich von unten das Wasser kam. Eieiei!

Heute bietet dieses Wasserspiel beim bekannt böigen Wind der Schwarzwaldtäler Erfrischung. Am Tag meines Besuchs war der Wind stürmisch, und die Gischt des Wassers wurde hundert Meter weit verteilt. Es regnete da also waagrecht trotz blauem Himmel, und das nicht zu knapp.

Die Arkaden der Häuser bieten zahlreiche Geschäfte aller Art wie auch verschiedene Wirtshäuser, darunter ein Café. Gut essen kann man auch in der Marktwirtschaft. Warum das Haus mit Hotel so heisst kann sich sicher jeder denken. Sehenswert ist auch die über Eck gebaute Kirche. In der einen Hälfte des Kirchenschiffs sassen die Damen, in der anderen die Herren, und der Pfarrer sah beide.

Für einen Rundgang vom Stadtbahnhof über den Marktplatz und weiter zum Hauptbahnhof veranschlage man gute drei Stunden, mit Mittagessen entsprechend mehr. Man kann auch gut in der Umgebung wandern, sollte aber bedenken dass Parken teuer ist und Züge nur stündlich fahren.