Schlossdorfcross Friedewald

Friedewald – Das Schlossdorf macht Cross. Ein neues Rennen fand gestern seine Premiere.

Das Wahrzeichen von Friedewald, einem Stadtteil von Daadetal im Westerwald, ist eine alte Wasserburg, heute Schloss genannt und ein Hotel. Um den Sportplatz herum fand gestern ein neues Crossrennen statt.

Jemand hatte eine bekannte Fahne auf die Wiese gestellt. Eine Fahne macht nun aus einer mittelhessischen Wiese noch lange keinen flandrischen Crosskurs. Aber es markiert einen Anspruch.

Nun ist der RSV Daadetal eigentlich ein Mountainbikeverein, und das merkte, wer den Kurs das erste Mal sah. Als Laie würde ich sagen, dass er für MTB-XCO hervorragend, aber für Radcross stellenweise gefährlich war. Crossräder haben eben ein anderes Platzverhältnis, und wenn man einen Pumptrack so darin einbaut dass das Kettenblatt fast aufsetzt ist da was faul. Gegen Laufpassagen sowie Auf- und Abfahrten ist nichts einzuwenden, solange letztere fahrbar sind.

Begonnen hat alles um 10 Uhr mit dem Rennen der U7/U9. Eine verkürzte Runde, oder anders ausgedrückt: nach fünf bis zehn Minuten war alles vorbei. Einige strahlten, andere weinten. Wie das da nun mal gern so ist.

Der Verein hat vor Ort um Rückmeldung gebeten. Nur deshalb schreibe ich diesen Artikel. Im Vorfeld war mir eine Einladung zugegangen. Was dann binnen einer Stunde passiert ist hätte ich eigentlich erwarten können. Im Klartext: Nach dem dritten Start des Tages war klar, dass ich dort nicht wirklich gebraucht werde. Ihr macht Bilder lieber per Handy? Macht das. Dafür muss aber kein Fotograf 160 Km weit anreisen. Ich sage nicht ihr sollt es nicht tun. Nur muss klar sein was dann folgen kann. Es gibt so nämlich keine Dokumentation des Renntags, wenn sich alle gegenseitig im Weg stehen.

Die Entwicklung konnte bekannt sein. Am Start der Kinder standen mehr Eltern als Teilnehmer. Nach den Kinderrennen war fast keiner mehr da! Das kann man wissen. Das im weiteren Verlauf abnehmende öffentliche Interesse ist auf die Panikmache während der Pandemie zurückzuführen. Was man dort aber hörte war nicht minder deutlich! Ich – ich – ich! Jeder zweite Satz da begann jemand mit ICH! Hauptsache man selbst hatte was man brauchte, was andere betraf war es egal. Egoismus pur.

Menschen mit gelben Warnwesten sind gewöhnlich Ordner. Deren Anweisungen ist Folge zu leisten, und deren Aufgabe ist wichtig. Allerdings sind es andere Aufgaben als die der Fotografen. Dokumentarfotografie ist auch etwas anderes als Teilnehmerfotografie. Das unterscheiden zu können erwarte ich von euch nicht. Es wäre aber gut wenn ein wenig mehr Bewusstsein dafür da wäre, dass niemand auf dieser Welt alleine ist. Dass niemand von der Presse zugegen war brauche ich kaum gesondert erwähnen, ausser der oder die fotografierte ebenfalls mit Handy. Das soll es inzwischen ja geben. Früher wäre sowas niemandem eingefallen, dessen Fotografie als seriös gelten wollte.

Nun kam, was da erwartbar kommen musste! Start zum dritten Rennen kurz vor 11 Uhr, es standen einige Interessierte oben am Ende der Startgeraden. Jener Ordner kam nun kurz vor knapp daher und platzierte sich genau vor die Reihe, was zur Folge hatte dass ausser ihm selbst niemand mehr was sah – oder Bilder machen konnte! Hauptsache er hat! Zuletzt kommen, zuerst malen wollen! Unter Fotografen gilt ein ungeschriebenes Gesetz: wer zuletzt seinen Standort ändert nimmt an Plätzen, was unter Berücksichtigung der Interessen anderer Anwesender noch frei ist. Heisst hier, man stellt sich an und nimmt nicht anderen die Sicht. Startszenen sind nicht wiederholbar. Die gibt es genau einmal.
Der Gipfel der Genüsse kam aber danach. Auf sein Verhalten angesprochen meinte er nur, ich hätte ihn vorher darauf ansprechen sollen dass er im Weg sei. Oder direkt ausgedrückt – er wollte dass ich ihm meine Existenzberechtigung nachweise. Bis dahin war ich davon ausgegangen dass der WA, der mich eingeladen hatte, meine Aufgabe auch bekannt gemacht hatte. Er hatte sich am Vorabend ja extra noch vergewissert dass ich auch komme. Das hatte ich zugesagt. Die Ansichten des Ordnerpersonals sind mir von da her völlig unverständlich. Man kann es auch deutlicher ausdrücken: Ihr wundert euch dass die Presse an eurem Sport kein Interesse mehr hat – wenn ihr so mit den Leuten umgeht? Ernsthaft? Da war ja keiner mit einer Klappkamera. An mir hingen unübersehbar zwei voll ausgebaute DSLM mit langen Tüten. Aber okay, wenn ihr da meint ihr könnt es alleine dann macht mal. Ich bin ab diesem Zeitpunkt raus aus dem Rennen um gute Bilder. Eins habe ich nämlich nicht nötig: mich für mein Dasein zu rechtfertigen, und die Handlung dieser Menschen macht klar wer keine Bilder braucht! Ich.

Alle Menschen sind gleich. Komischerweise klappt das auch wenn zwanzig Fotoprofis an der Fotolinie der Tour sitzen. Da gibt es wohl Gedränge, aber jeder hat hinterher sein Bild. Hier sehen sich Funktionspersonale als wichtiger an, und meinen nur sie bräuchten was?

Wer wissen will wie so eine Veranstaltung auch vom Kurs her gut gemacht werden kann frage mal Marvin. Marvin Schmidt hatte bis vor Corona gleich ein Dorf weiter in Nisterberg alljährlich ein Radcrosstraining für Interesierte veranstaltet, und das waren stets menschlich wie sportlich hervorragende Tage. Mal abgesehen von dem einen Jahr, als Petrus uns eingeschneit hat. Da waren aber immer nur Leute dabei die an einem Strang zogen statt sich wie gestern auf Kosten anderer profilieren zu wollen! Ich hoffe seine Trainings kommen wieder! Da kam man gerne hin.