Deutschland-Tour – ein vorläufiges Fazit

120 Radrennfahrer bewegen sich heute von Schiltach nach Stuttgart, um herauszufinden wer der Beste von ihnen ist. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere werde ich nachfolgend zu beschreiben versuchen.

Was fühlt ein Radrennfahrer während des Rennens? In diesem Fall vermutlich Schmerzen.

Was fühlt ein für unerwünscht erklärter potentieller Besucher? Übelkeit, Wut, die geballte Faust in der Tasche! Nein, man muss da nicht hin fahren. Aber man muss dürfen! Wenn wie heute in Schiltach nicht genug Parkplätze für die zu erwartenden Besucher da sind ist so ein Startort dafür nicht geeignet, egal ob der Titelsponsor da sitzt oder nicht! Ausser man drückt es mit Gewalt durch und wundert sich dann über den Beigeschmack.

Es ist nicht so dass ich den Sport allgemein dafür verantwortlich machen würde. Pauschalisierungen bringen nichts, weder hier noch da. Aber auffällig ist dass viele Verantwortliche offenbar nicht von Türblatt bis Schlüsselloch denken.

Was hat man denn im Verlauf der Wochen davor portionsweise über die Presse verlautbaren lassen? Das Argument mit dem Naturschutzgebiet kann leicht als vorgeschoben enttarnt werden. Dampft man die Argumente ein bleibt etwas anderes stehen, nämlich der Eindruck dass man dort lieber unter sich sein und überregionale Interessenten möglichst raushalten wollte. Vor allem solche die unabhängig sind und nicht auf die Einflüsterungen einer Branche hören, die immer noch darauf erpicht ist vorzugeben was Wahrheit sein soll.

Das kann man so machen – im Sinn von: Ich kann euch nicht daran hindern. Aber ich kann darauf reagieren!

Wäre man zynisch könnte man zu dem Schluss kommen dass Petrus als Wettergott die Freiburger gestern für ihren Hochmut bestraft hat. Es kübelte wie aus Eimern, wie man auf den Fernsehbildern hat sehen können. Wer sich da freiwillig an den Streckenrand gestellt hat wird gewusst haben wieso, weshalb, warum. Ich habe mir die Übertragung angesehen, und mir mein Teil dabei gedacht. Ursprünglich hätte auch ich da am Streckenrand stehen wollen. Das hat man ja durch die Blume zu verhindern gewusst.

Aber der Reihe nach. Wie hängen diese Dinge denn zusammen?

Ich habe nicht vor die Leistungen der Sportler zu schmälern! Vor jedem einzelnen davon ziehe ich meinen virtuellen Hut. Ich könnte das nicht und geben das ganz unumwunden zu. Was ich kritisiere ist der herausstechende Hochmut mancher Teile der Organisation, die sich offenbar so einiges da erlaubt hat, was man vernünftigerweise hätte vermeiden können und sollen. Möglichkeiten dazu gibt es genug. Die Deutschland-Tour ist kein Kirmesrennen mit bestenfalls lokaler Bedeutung. Das ist das Radrennen in Deutschland! Wer dabei davon ausgeht dass sowieso nur Zuschauer aus der unmittelbaren Umgebung daran Interesse haben muss sich nachsagen lassen Kirchturmpolitik zu betreiben. Man hätte Grundlegendes wie Start und Ziel so legen können und müssen, dass dort Platz genug gewesen wäre für viele tausend Zuschauer. Dann wäre daraus ein Radsportfest für alle geworden, von dem man noch in Jahren reden würde. Das „für alle“ ist ja hier mein Thema, denn es war nicht „für alle“!

Es wäre relativ leicht gewesen mit dem Auto nach Freiburg zu fahren. Zwar kostet das Zeit und Benzin, wäre also nicht billig gewesen, aber es wäre möglich gewesen. Man hat es sich aber verbeten! Besucher sollten nicht mit dem Auto kommen, so der „Wunsch“ der Grünen.

Da sollte man dann aber auch Alternativen anbieten statt nur zu sagen schaut zu dass ihr weg kommt! Nun, ganz so hat man es nicht gesagt, aber man sollte sich klar sein über seine Aussagen, wenn man dazu anhält zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu kommen. Das schränkt die Möglichkeiten grundsätzlich ein. Fahrradmitnahme im Zug ist derzeit faktisch unmöglich. Also kommen dafür nur Ortsansässige infrage. Abgesehen davon dass es im ICE nur mit unverhältnismäßig großen Vorbereitungen gegangen wäre, der Ausschluss einer solchen Mitnahme in einem der abendlichen Ersatzbusse, die laut Auskunft zwingend im Fahrplan enthalten gewesen wären macht die Unmöglichkeit solcher Unterfangen deutlich. Das hat man wissen können.

Ich habe eine Bahncard50, seit Jahren! Alleine das zeigt meine grundsätzliche Einstellung zur Bahn. Es könnte ein bequemes Verkehrsmittel sein – wäre sie denn nur zuverlässig! Eben das ist sie seit Monaten nicht infolge von Verspätungen, Ausfällen, Ersatzverkehren, die insgesamt weder planbar noch verlässlich sind. Das zeigt ja schon das Beispiel mit dem Radtransport. Eine Radmitnahme in diesen Bussen ist grundsätzlich nicht möglich, und die Entfernungen zu weit um selber zu fahren. Von mir nach Freiburg sind es rund 270 Km, nach Schiltach rund 230. Das macht nicht mal ein durchtrainierter Vollprofi mal eben so, abgesehen davon wie es ist dann durchgeschwitzt für eine Reststrecke im Zug zu sitzen. Vielleicht im Durchzug einer Klimaanlage. Die SEV-Busse fahren oft nicht an den Bahnhöfen ab. Man soll sie also irgendwo im Dorf suchen! Ich kenne das aus dem Nachbardorf nur zu gut, wo diese Haltestelle fast im Wochentakt verlegt wird, kein Fahrplan dort aushängt, die Busse fahren wann sie wollen. Und da soll man dann nachts um 22 Uhr stehen und auf Godot warten? Der kommt nicht!

Am Freitag wäre auch eine Reise nach Marburg denkbar gewesen, aber ich hätte dafür einen halben Tag Urlaub gebraucht. Wäre das sinnvoll gewesen? Mit dem Auto – nein. Parkplätze sind in Marburg Mangelware, was politisch gewünscht ist. Man soll mit der Bahn kommen. Das setzt aber voraus dass es eine solche Möglichkeit auch gegeben hätte, und da hilft ein 9€-Ticket absolut rein garnichts wenn die Bahn nördlich von Frankfurt eine Baugrube ist. Zwischen Frankfurt und Friedberg fährt derzeit kein direkter Zug, die Umleitung geht via Hanau und ist eine Reise nach Jerusalem.

So ähnlich benimmt sich das heute ja auch mit einem möglichen Besuch in Schiltach. Abgesehen davon dass ich dann längst unterwegs sein müsste, er wäre theoretisch machbar gewesen. Aber er wäre sinnlos! Bis Hausach wäre ich mit der Bahn gekommen. Dann wäre Umstieg auf einen Ersatzbus fällig geworden. Man will dort eine große Feier veranstalten, zu der man tausende Besucher erwartet, steht in der Zeitung. Je Bus 50 Mann, es sollen drei Busse fahren? Das rechne sich jeder selber aus was da passieren dürfte! Parkplätze sind faktisch keine vorhanden in Schiltach, denn das was Maps da ausweist hat man für die Tour reserviert. Das ist auch erlaubt, wenn es denn alternative Anreisemöglichkeiten gäbe. So bleibt die Aussage, man feiere gerne unter sich! So wie tags zuvor in Freiburg, wo auch erst die Summe der Details dieses Bild ergeben hat.

Also werde ich auch heute wieder zuhause bleiben und mir anders einen schönen Tag machen. Ich erwarte nicht dass jemand meine Bilder gebraucht hätte. Es gab genug andere Fotografen. Diese allerdings dürften kaum den Weg zu den anderen kleinen Rennen finden, die sonst über das Jahr stattfinden, und da wird es dann heikel. Nicht wegen mir. Aber wegen des Umstands dass die Fahrer sich während des Rennens kaum selbst Bilder machen können. Bilder, die sie dann aber gerne sofort in den sozialen Medien posten möchten.

Ihr habt selbst zu vertreten wenn dann da nichts mehr da ist!

Kontaktaufnahme zu den Profis ist ja sowieso nicht erwünscht, so wie die sich schon bei der DM vor dem Publikum versteckt haben! Das sind klare und eindeutige Botschaften, die kein Pressesprecher leugnen braucht.
Je mehr ihr das abstreitet desto klarer wird es. Streisand-Effekt.

Wie kann unsereins nun auf sowas reagieren, wenn ein Tourismusverantwortlicher hintenrum Gäste für unerwünscht erklärt? Nichts anderes hat man da getan, wenn auch mit schönen Worten. Zunächst entscheide ich, wo ich im kommenden Jahr Urlaub mache, und es kann klar sein dass dabei nicht nur die schöne Landschaft entscheidet. Wenn ich stets im Hinterkopf an diese Episode menschlicher Abgründe denken muss fühle ich mich dort nicht wohl. Also suche ich mir andere Ziele aus. Die gibt es.

Das wäre das eine. Es kommt noch mehr.

Wenn ich Bilder mache mache ich die zuerst mal für mich, nicht im Auftrag von irgend jemandem. Ich habe immer gesagt: Wenn was dabei ist könnt ihr gern danach fragen, ich werde aber nichts anpreisen oder bewerben. Das hat Gründe, welche habe ich woanders hinreichend beschrieben.

Was aber macht ihr? Ihr habt das Recht eure Bilder per Handy zu machen weil es schneller geht. Damit aber schließt ihr andere Optionen aus, weil es nicht sein kann dass andere viel Arbeit investieren um diesen Sport voran zu bringen und dafür auch noch einen virtuellen Tritt ins Hinterteil empfangen. Genau so aber reagieren Veranstalter mit ihrer Zulassungspolitik! Was da seit Jahren vonstatten geht ist denkbar deutlich und muss nicht mehr erörtert werden. Es sind auch keine Irrtümer oder Versehen! Es offenbart eure Weltsicht, und das kann ich ebenso erwidern. Wichtig seid nur ihr selbst, alles andere ist willfährige Manövriermasse mit der man machen kann was man gerade will? Welchen nicht vorhandenen Stellenwert Zuschauer in diesem Sport haben hat man ja gerade erst erleben können. Für eine schöne Kulisse sind sie gut genug, sonst aber absolut überflüssig.

All das ist kein kurzfristiges Ereignis. Hätten die Veranstalter der Tour gewollt dass auswärtige Besucher kommen hätte man das berücksichtigen können und müssen. So wird erkennbar was man wollte: nur ortsansässige. Man wollte unter sich sein. Locals only!

Na dann, macht das dann auch wenn demnächst wieder andere Rennen sind. Da gelten dann nämlich auch aus meiner Sicht dieselben Regeln. Jammert nie wieder! Was zu sagen war ist gesagt, oder man hat es zumindest unterlassen die Auswirkungen zu minimieren, weil es euch scheissegal war.

Foto: Symbolbild, Archiv