Klartext

Eigentlich wollte ich jetzt im Auto sitzen. Reise nach Freiburg zur heutigen Etappe der Deutschland-Tour. Nun schreibe ich diesen Artikel. Zeit für klare Worte!

Ich mag Radsport. Seit fast 40 Jahren besuche ich Radrennen. Mit der Kamera als auch ohne. Aber irgendwann ist der „Point of no return“ erreicht!

Warum? Scheinheiligkeit ist das Wort. Eine Scheinheiligkeit, die man erst bei näherem Hinsehen als solche bemerkt. Das will ich dann doch mal näher beleuchten.

Es wäre kein Problem gewesen, nach dem Mittag am Stadtgarten bei Einschreibung und Start da zu sein. Was es sinnlos macht kommt dann. Während das Fahrerfeld seine Runde durch den Kaiserstuhl dreht und den Texaspass unsicher macht wäre ich am Bertholdsbrunnen in die Tram gestiegen, nach Günterstal gefahren, hätte dort am Dorfplatz den Bus genommen und wäre zur Talstation der Schauinslandbahn gefahren. Alles ohne weiteres machbar!

Oben aber, an der Bergstation, wäre ich nicht willkommen gewesen!

Wer die Berichte in der Badischen Zeitung verfolgt hat – leider ist das überwiegend nur für Abonnenten möglich gewesen – kann wissen was da los ist bzw. hier sein wird am heutigen späten Nachmittag bzw. frühen Abend.

Gerade der Tourismusbeauftragte muss damit ankommen!
Da hat man bemerkt, dass das Ziel an eben jener Bergstation in einem Naturschutzgebiet liegt, weshalb man nun auf die glorreiche Idee kam, die Anzahl möglicher Zuschauer auf zuletzt 250 zu begrenzen. Etwas später hat man dann ausgeführt wen man dort haben möchte.
Ich zitiere: „Es ist aber nicht so, dass vor allem ausgesuchte VIP-Gäste das Spektakel vor Ort genießen dürfen. Kritische BZ-Leserinnen und -Leser hatten das in Mails an die Sportredaktion gemutmaßt. Es handelt sich vielmehr zumindest überwiegend um Teambetreuer, Tour-Offizielle, Helferinnen und Helfer, Journalisten, Techniker und Spezialisten für die TV-Übertragung – also um all jene, die zwingend vor Ort sein müssen.

Wäre es so abwegig zu unken dass man das Ziel genau deswegen da hin gelegt haben könnte? Nicht aus unglücklichem Zufall, sondern aus Absicht?

Doch – genau so könnte das sein! Es ist eben nur jener enge kleine Kreis aus den eigenen Reihen dort gewünscht, von dem man sicher sein darf dass „er sein Maul hält“! Was war denn ausserdem noch davor bekannt geworden? Die Mannschaften haben Angst davor, vom Volk mit Corona angesteckt zu werden! Hört, hört! Mehr muss man dazu doch eigentlich garnicht wissen!

Wer hat die Veranstalter denn geheissen, das Ziel ausgerechnet in ein Naturschutzgebiet zu legen? Niemand hat das! Es hätte genug Alternativen gegeben, so man denn gewollt hätte. Man darf durchaus annehmen, dass hier nichts aus Zufall geschieht. Also bleibt der Schluß übrig dass man das eben genau so hat haben wollen. Man nennt es auch Ausschluss durch die Hintertür!

Für sich selbst wünscht man eine schöne Kulisse für die TV-Bilder. Das Volk darf schön auf Abstand bleiben.

So geht das nicht, meine Damen und Herren! Dann habt wenigstens genug Schneid es auch so zu sagen wie es offenbar ist! Ihr kommt euch vor wie Herrenmenschen, wie eine bessere Elite, wie ein Herrenclub?

Für mich bringt es nichts, mit diesem Wissen 250 Kilometer Autobahn auf mich zu nehmen, einen ganzen Tag zu opfern, und dann doch mit leeren Händen da zu stehen weil so eben kein Bericht möglich ist. Da sehe ich im Fernsehen bei der Zusammenfassung mehr.

Nun kommt sicher bald der Tag, wo man zum nächsten „kleinen“ Rennen wieder händeringend Fotografen sucht. Leider werde ich euch dann an eurer Vorgehen hier erinnern müssen! „Schickt uns doch mal eure Bilder!“ Wo habe ich das letztens erst wieder gelesen?

Es ist absolut nicht lustig, so mit dem Volk umzugehen, dessen ehrenamtliche Mithilfe immer nur dann gewünscht ist wenn es einem nützt und man dafür nicht über seinen vermeintlichen Schatten springen muss.

Die Bevölkerung so abzuqualifizieren dass man sie nicht mal als „Gaffer und Bravorufer“ braucht ist beleidigend und wird Folgen haben!

Foto: Symbolbild, Archiv