Rad-DM 2022 Sauerland – Vorschau

Am kommenden Wochenende ist halb Radsport-Deutschland zu Gast im Sauerland. Ich habe die Ecke vorab an einem Tag besucht und verliere hier ein paar Worte zu dem was ich da gesehen habe.

Das Sauerland ist eine merkwürdige Region. Geografisch zwischen Ruhrpott, Nordhessen und Siegerland gelegen ist sie vor allem für Berge und Stauseen bekannt. Start der dreitägigen Veranstaltung wird am Freitag in Marsberg das Zeitfahren für Männer und Frauen sein. Am Samstag folgt mit dem Bildchen-Sprint ein ebensolches Bergzeitfahren für Jedermann/frau, bis am Sonntag ein über 200 Km langes Straßenrennen von Arnsberg-Neheim auf den Kahlen Asten das Spektakel beschließt. Die Frauen fahren nicht dieselbe Strecke wie die Männer, starten woanders, kommen aber ebenfalls auf dem Kahlen Asten an, womit es schwierig werden dürfte beide Rennen zugleich zu verfolgen. Mehr Info unter Sauerlandrundfahrt. Diese „Rundfahrt“, die in Wahrheit keine ist, sonst würde sie da wieder ankommen wo sie losgefahren ist, ist ein deutschlandweit einzigartiges Radrennen. Wäre es eins der bekannten MTB-Mehretappenrennen könnte man sie „Quer durchs Sauerland“ nennen.

Die Orte Neheim, Hirschberg und den Kahlen Asten, der nicht wirklich kahl ist, habe ich besucht. Man braucht zwingend ein Auto und viel Benzin. Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist da kein Staat zu machen. Auf den Kahlen Asten fährt zum Beispiel morgens ein Bus rauf und Nachmittags einer wieder runter, das war’s! Die Orte Marsberg, Neheim und Winterberg haben zwar Bahnhöfe, derzeit sind da aber dermaßen viele Baustellen dass kaum brauchbare Verbindungen zustande kommen. Oder du brauchst überall ein Taxi. Darüber ist wohl eher weniger zu diskutieren. Da nimmt man gleich das eigene.

Hier sind rund vier Minuten Eindrücke:

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Hirschberg – Während des Rennens wartet dabei nach etwa einem Drittel der Strecke in Hirschberg die bekannte Wand, eine über 30%ige Steigung, die schon optisch ihren Reiz hat, wenn man dort steht. Live ist immer anders als jedes Foto. Dabei sollte man sich nicht auf die Angaben im Internet verlassen, sonst wartet man an der falschen Stelle! Als Adresse wird da „Dieplohstraße“ angegeben. Die gibt es zwar auch, sie liegt aber einen Stadtteil weiter in Warstein und ist beileibe nicht so steil! Die hier gemeinte Wand hat wie gesagt ihre 33% – nicht Promille – und ist darum auch offiziell nur als Fussweg zugelassen. Oder sollte man sie besser einen Klettersteig nennen? Einen Handlauf hat sie.

Zuvor jedoch wären ein paar Takte über den Startort zu verlieren: Neheim.

Neheim ist Teil von Arnsberg, das eigentlich keine Stadt, sondern ein ganzes Tal ist. Fremder, kommst du nach Neheim und suchst einen Parkplatz, suchst du bis du schwarz wirst! Auf der Karte gibt es sie, die Parkplätze und Parkhäuser, aber das Navi kennt sie nicht und Schilder mit Wegweisern suchst du vergebens! Zudem ist die Stadt wie ein Schichtkäse. Unter dem Marktplatz ist es hohl, da verläuft die Straße! Im Tunnel, und wenn man durch den Tunnel durch ist ist man auch schon über den Fluss und hinten wieder draussen. Neben dem quadratischen Marktplatz ist auf der einen Seite der „Sauerländer Dom“, eine Kirche mit wahrlich beachtlichen Maßen. Auf der anderen Seite ist derzeit eine Baustelle, da versucht man die Fussgängerzone zu erweitern, und an den Seiten fällt man unvorsichtigerweise die Treppe runter. Da geht’s zum Busbahnhof. Nichts für Gehbehinderte.

Wo ein Start ist gibt es auch ein Ziel. Das liegt hier oben auf dem Kahlen Asten bei Winterberg. Viel zu sehen gibt es da nicht, oder etwa doch? Das Ziel liegt jedenfalls inmitten der Umfahrung, die rund um das Hotel mit Astenturm führt. Das dürfte von da her eins der wenigen Ligarennen sein, deren Ziel mitten in einer 180°-Kurve liegt mit einem Kurvenradius von nur 50 Metern! Details wie Lennequelle oder Wetterstation dürften Radsportler eher weniger interessieren. Falls doch wird das Touristenbüro gern Auskunft geben. Personal ist da oben inzwischen nur noch im Restaurant, und das hat an zwei Tagen die Woche Ruhetag.

Ich lasse mich überraschen! Fotografen dürften bei den Rennen genug zugange sein, so dass ich mich für den unorthodoxen Weg entschieden habe. Keine Fotos, aber hernach einen Artikel – und darin untergebracht ein Video. Oder zwei? Was man dazu braucht liefert eine Lumix GH6. G wie G-Serie mit MFT-Sensor. Der hat derweil mit 25 Megapixel mehr Auflösung wie eine klassische EOS 1D-X, und das H steht für hybrid, womit die Aufzeichnungsweise der Kamera gemeint ist. Sie schreibt intern Videostreams mit 4k120p, was also heisst dass man daraus fast eine fünffache Zeitlupe ziehen kann wenn man das braucht, und Standbilder lassen sich aus der Software ohnehin erstellen. Sie könnte sogar 5,7k – aber wozu? 30p ist für die schnellen Jungs etwas langsam! Es gibt also keinen echten Grund mehr, eine schwergewichtige und voluminöse Fotoausrüstung mit sich herum zu schleppen, wenn es voraussichtlich auch ein „kleines Gepäck“ tun dürfte. Das Tempo der großen Agenturen kann und will ich ohnehin nicht mithalten, und das Fernsehen, so es denn kommt, verfolgt ganz andere Ansätze als ein Blogger. Die abendgleiche Berichterstattung ist mir sowieso nicht möglich weil ich erst mal wieder heim fahren muss bis ich die Daten auf dem Rechner weiterverarbeiten kann. Das dauert 3 Stunden von Winterberg her, da sind die Abendnachrichten längst durch.

Natürlich hat diese Entscheidung auch noch einen anderen Hintergrund. Es gab im Umfeld des Rennens „Rund um den roten Stuhl“ erneut ein Erlebnis der anderen Art. Ich habe dazu geschrieben. Ein Teilnehmer war eben durchaus der Meinung, er müsse im Rennen um Erlaubnis befragt werden. Das ist allerdings durch Bestimmungen nicht möglich. Du kannst hier wählen welche dieser Bestimmungen du verletzt. Infolge dessen berichten viele nicht mehr! Nachdem wir ins Gespräch gekommen waren kam nun seine nachträgliche Erklärung hier an, ich dürfe die Bilder natürlich gern weiter verwenden!
Nun, das hilft jetzt nichts mehr! Wenn das Kind im Brunnen ersoffen ist ist es zu spät den Deckel drauf zu tun. Will heissen: Die Vertrauensbasis ist verwirkt! Potentiell ist von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern anzunehmen dass sie zu derselben Sorte Mensch gehören, die eben solche Wünsche haben und nur darauf warten sich profilieren zu können. Die Fakten sind eben so. Ich werde mich sehr hüten unter solchen Umständen eine Bildergalerie zu veröffentlichen! Man darf grundsätzlich nicht mehr darauf vertrauen dass es im Interesse des Sports ist dass jemand darüber berichtet. Dafür gibt es zu viele Egoisten, und jeder einzelne davon ist einer zuviel. Nimmt man nun nicht einzelne Personen, sondern die ganze Veranstaltung als Thema wird es für die gewissen Teilnehmer schwierig ihre Einzelindividuen in den Vordergrund zu stellen. Über eine Demo darf man schliesslich auch ungefragt berichten, solange man nur die Gesamtmenge zeigt. Das ist im Video leichter möglich als im Bild, wenn im Zeitfahren nur einzelne Personen am Start sind. Das Thema des Clips ist nicht die Einzelperson, sondern das Ereignis. Braucht man hinterher doch ein Foto für den Artikel holt man sich das aus dem Stream. Es stehen ja technisch bis zu 120 davon jede Sekunde zur Verfügung.

Diese Sorte Erlebnisse mit Egoisten hat nun leider auch zur Folge, dass ich am Samstag das Jedermann-Zeitfahren nicht besuchen werde. Das Risiko ist mir mittlerweile zu groß, und ausserdem brauche ich auch mal einen Tag dazwischen für den eigenen Bedarf.

Ich lasse mich überraschen. Hinterher wissen wir mehr, und wenn die Startlisten für Freitag erst nach der Nummernausgabe bekannt gemacht werden kann ich damit sowieso nicht planen. Das wäre nämlich nicht vor dem Vorabend des Rennens. Veröffentlicht sind verbandsseitig die Meldelisten, das heisst die Aufstellung wer kommt. Das sagt nichts über Startzeiten und Abstände aus! Natürlich kann daraus ein Zeitproblem entstehen wenn die einen starten während die anderen ins Ziel kommen, wobei das hier verschiedene Orte sind. Tritt das für einen Fotografen ein und es ist dann auch noch der spätere Sieger dabei hat man ein unauflösbares Problem. Einen Filmer kann das halbwegs kalt lassen, die Szene fehlt dann eben. Im Kurzbeitrag kommt man auch ohne aus. Da stehen die Sieger zuletzt auf dem Treppchen.