Rund um den roten Stuhl

Traditionsrennen, veranstaltet vom RV Sossenheim. So hat es ein anderes Medium genannt, und die Aussage ist sowohl wahr als auch falsch.

Das Kind hat viele Namen. „Rund um den roten Stuhl“ heisst es erst seit letztem Jahr, als der bisherige Standort in Sossenheim aufgegeben werden musste. Der neue Ort der Veranstaltung ist der Parkplatz bzw. die Umfahrung eines bekannten Möbelhauses, eben „das mit dem roten Stuhl“. Der steht da einbetoniert in der Erde als unübersehbares Zeichen. Das „Rund um“ ist dabei eigentlich irreführend, denn die Fahrer sind immer knapp daran vorbei gefahren. Sonst hätten wir da ein Crossrennen gesehen. Das wäre vielleicht auch ganz interessant geworden?

Andere bekannte Bezeichnungen für diese Veranstaltung sind abwechselnd „Robert-Lange-Gedächtnisrennen“ oder „Gebrüder-Moos-Gedächtnisrennen“, womit an verdiente Persönlichkeiten des lokalen Radsports erinnert werden soll.

Zwei Halbe sind auch ein Ganzes?
So sieht meine Interpretation dieses Renntags aus, der um halb Zehn mit dem Rennen der Amateure gestartet wurde. Nach diesem Rennen bin ich nach Hause gefahren, und habe die Filmkamera geholt. Wenn man nach dem Gesetz ohnehin keine Aufnahmen von Minderjährigen mehr machen darf kann man über diese Rennen auch nicht im Bild berichten. Es ist nicht möglich die Eltern, die weitgehend nicht mal anwesend waren, dazu um Einverständnis zu befragen! Dass man es über den Rest quasi auch nicht mehr darf sehen wir gleich.

Zuvor aber möchte ich kurz zum Höhepunkt des Tages kommen, dem (abschließenden) Rennen der Elite-Amateure, nachmittags um 15:30 Uhr. Das könnt ihr hier im Film sehen, knapp zwei Stunden Renngeschehen zusammengeschnitten auf gut 15 Minuten Film.

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Der Film zeigt die Entwicklung in der ersten Rennhälfte fast vollständig. Im Film ist es möglich zu zeigen was keine Fotostrecke je wird zeigen können! Es blieb dann weitgehend dabei bis kurz vor Schluss jemand die Initiative ergriff.

Am Start waren etwa 30 Sportler, und im Verlauf des Rennens wurden es weniger. Etwa zur Halbzeit war es so gut wie entschieden, da vorne zweimal zwei davon fuhren und die Wertungen unter sich ausmachten. Nur der dritte Platz blieb vakant, da stellte ein Lokalmatador – Martin Lemme – auf den letzten Runden nochmal was auf den Kopf. Er gewann die doppelt zählende Schlusswertung und holte sich damit die zehn Punkte, die ihm den Platz auf dem Stockerl einbrachten. Das Rennen sah ein sich weitgehend in sein Schicksal fügendes Hauptfeld und eben vorne die Ausreißer, die Punkte und Prämien vereinnahmten. Alle Ergebnisse hier.

Zuvor kam das Rennen der Jugend. Ein Trauerspiel! Nicht wegen der sportlichen Leistung. Wegen der Beteiligung!
Acht hatten für die U17 gemeldet. Gekommen waren vier! Glaubt man einer Durchsage war der Rest krank. Ich werde mich hüten das zu erörtern!

Da hätte man sich das Rennen fast sparen und die Plätze auf dem Podium auslosen können. Hut ab vor denen die trotzdem antraten! Der Vierte fiel ziemlich zu Anfang so weit zurück dass das Rennen quasi entschieden war. Zwei Pfälzer, zwei Hessen drehten einsam ihre Runden in der Gluthitze eines Frühsommertages.

Was sollten die Zuschauer dazu denken?

Zuschauer? Welche Zuschauer? Es waren erneut fast keine da! So wie in anderen Rennen dieses Jahres auch schon. Das ist wie schonmal erwähnt die Konsequenz aus dem Umgang mit der Bevölkerung während der Pandemie, und welche Botschaft man da – bis heute – ins Volk sendet! Ihr seid gefährlich! Wirklich? Liegt das Problem nicht etwas anders?

Wer sich für Radsport interessiert möchte halt auch Bilder machen und somit Erinnerungen mit nach Hause nehmen, und wenn dann wie im Amateurrennen jemand im, sagen wir es vorsichtig, fachfremden Outfit am Start steht stellen sich fast automatisch Fragen. Was macht ein der Kleidung nach Triathlet beim Radkriterium? Tageslizenz macht’s möglich, aber: Wer ist das? Muss ich den kennen? So kam man nach dem Rennen kurz ins Gespräch. Er wollte sich ausprobieren, sprich verändern, und da sucht er sich gerade die härteste Disziplin des Radsports aus, das Kriterium? Härter ist eigentlich nur noch Keirin, aber dazu braucht man eine Radrennbahn. Ich hätte so jemand beim Radmarathon vermutet, wenn ich ehrlich sein darf, aber nicht bei der Hatz um die vier Ecken.

So zeigte sich dann auch dass er die DSGVO und ihre Folgen gut findet, ohne sich bewusst zu sein was das dann heisst! Es könne ja nicht sein dass da einfach so jeder fotografiert!

Warum nicht? Die Presse glänzte erneut vor Abwesenheit! Nicht mal zum Höhepunkt hatte sich ein Zeitungsreporter da blicken lassen. Der gewisse Parkplatz am Rande von Eschborn war wohl doch etwas zu abseits gelegen um den weiten Weg auf sich zu nehmen. Man bekommt die drei Sportseiten im Blatt ja auch mit Fussballberichten aus der Agentur voll. Ja isso!

Wer sich das eine Zeit lang mit angesehen hat beginnt die Zusammenhänge zu begreifen. Ich habe sie schon wiederholt aufgegriffen. Vereine – Rennen – Sponsoren – Öffentlichkeit! Das ist der Vierklang, um den es hier geht, oder um es kurz zu machen, es geht um Geld.

Sponsoren bezahlen eure Rennen, oder den Aufwand drumherum um sie zu veranstalten, und das tun die kaum aus Nächstenliebe. Es ist Teil eines Werbekonzepts, das nur funktioniert wenn die Gegenleistung eben Öffentlichkeit ist, also schlussendlich Werbung für diese Firmen und ihre Produkte und Dienstleistungen! Wenn die Presse ihren Teil dessen nicht mehr leistet springen entweder engagierte Amateure wie ich ein, oder das Konzept funktioniert nicht mehr. Dann gibt es auf kurz oder lang auch keine Rennen mehr! So einfach ist das. Die Startgelder mögen für manche von euch erheblich sein, finanziell spielen sie eher eine untergeordnete Rolle.

Bitte begreift das! Es ist sozusagen eure letzte Chance. Da sollte man nicht auch noch den Fehler machen und nach völlig abwegigen Sachen wie der Hauptberuflichkeit des Fotografen fragen. Nichts anderes nämlich beschreibt ein Presseausweis. Der beschriebt wie gesagt eben nicht Befähigung, sondern ein Angestelltenverhältnis, und wenn die daraus entstehenden Bilder nicht dem Fotografen, sondern dem beauftragenden Verlag gehören könnt ihr die von dem Fotografen auch nicht bekommen. Ihr wollt aber Bilder haben? Dann solltet ihr es auch zulassen und nicht mit der Datenschutzkeule um euch schlagen! Wer einem Verein angehört sollte daran Interesse haben dass es dem Verein gut geht. Das tut es nur wenn es Zuschauer gibt, die Bilder machen (wollen) statt sich zu fragen ob sie da überhaupt noch hingehen sollten!

Sie tun es nicht mehr, und daran haben solche Dinge einen gehörigen Anteil. Da solche Allüren eben auch dazu führen (müssen!), dass Leute wie ich ihre Bilder nicht mehr zeigen können ohne dabei mit einem Bein im Knast zu stehen kann jetzt auch klar sein was daraus folgt.

Nach Presserecht gibt es neben der rein privaten Aufnahme genau eine Ausnahme von der in der DSGVO verlangten Fragestunde, und das ist eben die Berichterstattung, sprich das öffentliche Interesse. Nach dieser Definition ist von eben solchem Interesse, wer gewonnen hat, und dieses Bedürfnis kann ich gern befriedigen. Mehr aber leider auch nicht! Sobald einer da ist der durchblicken lässt wie er die Welt sieht ist es mir nicht mehr möglich euch die Bilder des Rennens zu zeigen. Es sind eure Daten. Ihr entscheidet – oder tun es andere für euch?

Bitte denkt doch nochmal darüber nach – bevor es wirklich zu spät ist! Es ist eure Entscheidung! Da müsst ihr es selber machen oder die Fakten ins Auge fassen.