Radi-aktiv

Zum Rettichfest gehört in Schifferstadt traditionell das Radrennen. Es war der 42. Große-Rettichfest-Preis. Mitten unter der Woche, an einem „ganz normalen“ Werktag!

Nun ist an diesem Spätnachmittag bzw. frühen Abend dort so garnichts normal, so ähnlich wie in Frankfurt am Wäldchestag, nur dass der eben im Wald stattfindet, wo es Unbeteiligte wenig merken. Hier werden schon früh Straßen gesperrt und aus der Innenstadt sozusagen ein Tollhaus gemacht.

Ja, das können sie! Feste feiern und Radrennen veranstalten. Im Gegensatz zu anderen Orten war der Zuspruch dort riesig, auch wenn man weitgehend unter sich blieb. Die Zielgerade war nicht mit Flatterband abgesperrt. Da standen „Bierzeltgarnituren“ in Reihe, und die Bänke waren bis auf den letzten Platz besetzt. Unangenehm aufgefallen war mir in diesem Zusammenhang die Sprachregelung mancher Ordner. Es spricht ja nichts gegen eine klare Sprache. Aber man muss seine Gäste (!) nicht wie Klippschüler behandeln! Insbesondere die Fotografen, die man seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten bei den Rennen immer wieder trifft, wissen gut „wie das geht“, und es stünde jedem Veranstalter gut an das zu goutieren, wenn man nicht will was da offenbar schon eintritt. „Vorsicht Foto!“ – ohne Kamera!

Sind wir hier bei „Kleider machen Leute“? Ich hatte gestern nur meine R6 mit dem Kitzoom 24-240mm dabei, weil es sich so im Zug leichter transportieren lässt ohne auf einen Rucksack zurückgreifen zu müssen. Wenn es aber so sein sollte kann ich auch dick auftragen, wobei die Menge und der Wert an Ausrüstung nicht zwingend einen Rückschluss auf Art, Qualität oder Zweck der Bilder bzw. das Können der Fotografen zulässt.

Ich habe die Aufgabe der Nachricht gestern Abend noch via Instagram besorgt. Dort stehen die fünf wichtigsten Bilder der beiden Rennen, auf die ich nachfolgend kurz eingehen möchte. That’s it! Und wie gewünscht wird es dabei bleiben.

Wenn man meine mehr als 1100 Fotos der beiden Rennen sehen wollte hätte man sich einen anderen Umgang überlegt. Man kann seine Gäste wie gesagt als Hörige behandeln, dann darf man sich über Folgen nicht wundern. Oder man ist froh wenn da wer Bilder macht, dann übt man einen Umgang auf Augenhöhe. Dass man bereit ist mit den Sportlern auf Augenhöhe zu verkehren konnte gesehen werden, auch wenn am Beispiel einer Anzahl Gaststarter aus Frankreich klar wurde dass da auch nicht alle das gleiche Regelbuch benutzen. Sie hatten für das Amateurrennen gemeldet und entsprechende Startnummern bekommen. Während der Kennenlernrunde kamen dann Durchsagen, sie sollten doch nicht im Amateurrennen starten, sondern bei der Elite ein Rennen später. Diskussion! Sie sind dann doch im Rennen der – wie es die Lokalzeitung immer noch nannte – C-Klasse gefahren und haben dort durchaus gezeigt dass mit ihnen zu rechnen ist.

Das Amateurrennen – früher C-Klasse – startete um 16:30 Uhr und war gut besetzt. Es ist mir ein Rätsel wie normale Arbeiter und Angestellte es machen um 16:30 Uhr unter der Woche an einer Startlinie stehen zu können, zumal die Jungs ja nun nicht eben dort arbeiten. Hätte ich nicht dieses Jahr zufällig an dem Datum Urlaub gehabt, es wäre mir nicht möglich gewesen dem Rennen einen Besuch abzustatten.
50 Runden zu jeweils gut einem Kilometer waren zu bestreiten, und alle fünf Runden gab es Wertungen. Viel bedeutsamer aber waren die Prämien. Es gab eigentlich jede Runde etwas Geld zu gewinnen, was so manche „Hinterherfahrer“ zu ungeahnter Aktivität veranlasste. Da man so sein Benzin refinanzieren konnte kam so mancher aus der letzten Reihe plötzlich nach vorne, um eine Runde später wieder ganz hinten herum zu gurken. So kann man das also auch halten. Die einen gewinnen die Wertungen, die anderen die Prämien. Gladiatorenspiele mal anders. Ich weiss, für manche klingt die Formulierung gehässig, so ist aber der Eindruck für Zuschauer. Das Foto zeigt die Schlusswertung, die bei Kriterien immer doppelt zählt und so manches Rennergebnis noch auf den Kopf gestellt hat. Hier eher weniger.

Das etwas ungewöhnliche Siegerfoto zeigt die Sieger mit Rettich, und den Stadtoberen. Ohne deren Unterstützung geht da eben wenig. So waren auch Stadtpolizei und Sanitäter wenig gefordert. Stürze sind mir keine bekannt.

Um 18 Uhr ging es weiter mit der Elite. Start siehe Titelbild. Da war den Trikots nach so manch Profi dabei, dessen Mannschaft andernorts auf Jagd ist. Kilometer sammeln? Man brauchte als Fotograf nicht den ganzen Kurs abzulaufen, die eine Hälfte davon lag immer im Dunkeln. Das ist eben der Nachteil der späten Uhrzeit.

Dass Kriterien durch Wertungen entschieden werden habe ich schon erwähnt. Das war bei der Elite nicht anders als bei den Amateuren zuvor auch, nur dass das Rennen fünf Runden oder eine Wertung länger dauerte. Leider bekommen die Zuschauer den Stand dessen nicht immer mit. Vielleicht sollte man sich dazu mal was überlegen, es könnte die Spannung erheblich steigern.

Was schlussendlich dabei herauskam seht ihr hier. Was bei dem Titel der Veranstaltung statt Pokalen gereicht wurde muss ich wohl kaum erläutern, oder? Rettich!
Als ich mich nach kurzem Blick auf die Uhr zum Aufbruch entschloss war es zehn Minuten vor Acht Uhr, und um 10 Minuten nach Acht sollte mein Zug fahren. Ich hatte damit gerechnet dass infolge des Rettichfests dort keine Parkplätze zu bekommen sein könnten und mich auf eine Fahrt mit der Bahn eingelassen. Da begann also ein Rennen nach dem Rennen, nachdem schon die Anreise ein Eile-mit-Weile-Spiel gewesen war. Nicht dass in Schifferstadt keine Züge fahren würden, das tun die dort alle paar Minuten – aber leider nicht nach Norden über Mannheim hinaus. Hessen ist demnach Ausland. Der RE70 fährt maximal alle Stunde einmal, wenn er gerade Lust hat, und schon auf der Hinfahrt hat er bewiesen dass eine Stunde Verspätung da durchaus vorkommen können. Man sollte sich nicht zu sehr auf sein Glück verlassen, es ist oft ein unsteter Partner.

Offizielle Ergebnisse sind heute Morgen auf Rad-Net.de noch nicht zu finden. Eingeweihten dürften meine Fotos aber genug dazu sagen.