GP der Südlichen Weinstraße

SCHWEIGEN – In der Form ähnlich einem Elsässer Brötchen liegen die Orte Schweigen und Rechtenbach in der südöstlichen Ecke des Pfälzerwalds und bilden zudem das Südende der Deutschen Weinstraße. Zwischen beiden Orten steht das Deutsche Weintor, ein Bau aus dunklen Tagen, den man 1936 binnen acht Wochen aus dem Boden stampfte. Nun diente er am Samstag den Sportlern der „Müller – die lila Logistik“-Rad-Bundesliga beim dritten Rennen der Serie nach Bruchsal und Erzgebirge als Start und Ziel.

In diesen Tagen nach Corona und zwei Jahren Darben dient damals wie heute manche Attraktion dem Fremdenverkehr wie auch der eigenen Bekanntheit, und so kam man auf die Idee, in Anknüpfung an alte Traditionen wieder ein großes Radrennen zu veranstalten. Das Konzept stimmte, auch wenn es am Ende hinter den Kulissen knirschte. Dazu später mehr.

Was man besonders loben muss, und wovon sich andere eine dicke Scheibe abschneiden dürfen, ist der bodenständige Umgang miteinander, der in der Pfalz ein völlig anderer ist als in anderen Teilen Deutschlands. Wo sonst könnte man bei der Einschreibung noch frei fotografieren oder filmen, wo sonst hat jeder und jede die gleiche Chance auf ein gutes Bild? Profirennen stehen ansonsten sinnbildlich für Abgehobenheit und Arroganz. Hier gab es keine unnötigen Absperrungen, und alle waren zufrieden! Es geht also, wenn man will! Ob der Wein dabei eine Rolle spielte lasse ich bewusst mal offen, aber man merkt durchaus die nahe Grenze zu Frankreich, die sich nur 500 Meter südlich des Dorfes entlang zieht. Der Bahnhof von Schweigen ist Wissembourg, und das liegt in Frankreich.

Nun begannen die Rennen nicht etwa wie sonst üblich morgens in aller Herrgottsfrühe. Man liess sich Zeit! Start war nachmittags zur Kaffeezeit, als um 14:35 Uhr der Bürgermeister Dieter Geisser mit seinem Team die Fahrer der Amateure ebenso wie die Elite des Ligarennens auf die Reise schickte. Das Bild links zeigt die Szene. Eine Runde zu 16 Km und eine erste Zieldurchfahrt, dann waren sie für rund zwei Stunden verschwunden, ehe dann zum Abendessen kleine Grüppchen Amateurfahrer wieder auftauchten. Die hatten ihr Ziel dort, wo die Liga ihre Bergwertung abhielt – und mussten selbständig von dort zum Start zurück finden. Für die Zuschauer wäre es wohl doch besser gewesen, das Ziel zusammenzufassen, wobei ich nicht die Hintergründe kenne, die zu der Festlegung geführt haben. Da draussen dürften nicht allzu viele gewesen sein, die dort nicht zufällig aus anderen Gründen da waren. Die auch da draussen stattgefunden habenden Schülerrennen bekam am Weintor leider niemand mit.

Das Amateurrennen gewonnen hat laut Liste Jonas Steppe vom RSV Ellmendingen, der für das Team Hanau-Storck unterwegs ist. Die Ergebnisse findet ihr bei Rad-Net.

136 Kilometer lang war das Rennen der Liga. Von der Machart her eins der alten, klassischen Straßenrennen, die es heute kaum noch gibt. Nachteil: die Zuschauer bekommen von den Abläufen kaum was mit! Dafür ist die Überraschung dann umso größer, wenn das Feld für die vier Schlussrunden wieder auftaucht wie ein U-Boot, von dem man zwar weiss dass es da sein muss, aber nicht genau wo.

Das Ziel lag genau am Weintor, einer sonst für den Fahrzeugverkehr gesperrten Passage mit Hotel auf der einen Seite und Wirtshaus auf der anderen. Davor und dahinter befanden sich jeweils Kreisel für den motorisierten Verkehr. Viel Platz war da nicht, wenn es zum Massensprint kommen sollte. Zu Beginn der Zielrunden sah man rund ein halbes Dutzend Ausreisser nicht allzu weit vor einem geschlossenen Hauptfeld, das zunächst auch wenig Anstalten machte die Ausreisser einzuholen. Das sollte sich jedoch auf der allerletzten Runde gewaltig ändern, wobei der Antritt zuletzt doch um kaum 50 Meter zu spät kam.

Den Zieleinlauf kann man sich hier im Video ansehen:

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Das Rennen habe ich versucht im Bewegtbild festzuhalten, soweit das einem Amateurfilmer möglich ist. Mit rein fotografischen Mitteln wäre diese Darstellung des Rennens nicht möglich gewesen. Dauer ca. 17 Minuten. Hier kamen nur eine Lumix GH5, das systemeigene Mikrofon und ein 14-140mm-Objektiv zum Einsatz. Leichtgewicht statt „Schlagmichtot“.

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Den Sprint für sich entschieden hat Tom Lindner von der Mannschaft P&S Benotti knapp vor Filippo Fortin, ein Name den man hier bislang kaum kennt. Der Dritte knapp geschlagen: Michiel Stockman, belgischer Fahrer in Sauerländischen Diensten. Soweit war das Ergebnis wohl klar. Die Auswertung der verschiedenen Wertungstrikots wie auch der Mannschaftswertung liess dann aber doch etwas auf sich warten, was selbst den Bürgermeister nervös werden liess. Hinten warteten da schon die Arbeiter, die währenddessen die Absperrungen aufgesammelt hatten und nun in Erwartung eines ruhigen Abends das Podest abbauen wollten, auf dem die Siegerehrung teilweise noch stattzufinden hatte.

Man ehrte die drei Ersten, hielt sich am Weinglas fest, und schaute verstohlen blickend in Richtung Zielrichterwagen. Tat sich was?

So ehrte man als beste Mannschaft das Team Saris Rouvy Sauerland – und fing sich dafür einen Protest ein, wie man bei Radsport-News nachlesen kann. Dem Einspruch wurde stattgegeben, wobei man sich klar sein sollte dass bei Gleichheit beide Mannschaften geehrt werden sollten. Alle Fahrer nebst ihren Betreuern leisten da großartiges! Radsport ist Mannschaftssport.

Nach einer kurzen Nacht ging es am Sonntag gleich weiter. Entweder bei Rund um Köln, oder in Karbach bei Marktheidenfeld bei der Main-Spessart-Rundfahrt. Zwar kein Rennen der Liga der Elite-Männer, aber trotzdem gut besetzt. Dort gab es zudem Ligarennen der Frauen und der Junioren. Mehr dazu später in einem anderen Artikel.