Stadttheater!

Es war Tag des Fahrrads, gestern in Gießen. Dafür hatte man auch den Termin von „Rund um das Stadttheater“ extra verschoben. Üblicherweise kommt das Rennen etwas später im Jahr. Nun musste man den Eindruck gewinnen dass es den Gießenern garnicht so nach Radfahren zumute war, ließ der Zuspruch auf Zuschauerseite doch in weiten Teilen zu wünschen übrig. Oder waren die zwei Coronajahre mit ihren Verboten schuld daran dass die Zuschauer lieber zuhause blieben? Die Kulisse der Vor-Corona-Jahre war das nicht, was da hinter dem Zaun stand, auch wenn manche ihr Organ pflegten, dass sie abends ganz sicher heiser waren!

Sportlich war es ein absolut gelungener Renntag. Es fing früh um neun mit einem gut besetzten Amateurrennen an, führte über Damen, Kids und Jugend samt einem Prominentenrennen zum Höhepunkt am Nachmittag, dem Eliterennen. Nur das angedachte Lastenradrennen musste mangels Beteiligung entfallen. Zwar hat gefühlt jeder zweite Gießener, der einem da begegnet ist, auf einem Lastenrad gesessen, aber damit Rennen fahren? Doch lieber nicht! Da war der Stand von Red Bull zeitweise gefragter, gab es da doch nicht nur Dosen, sondern auch einen Simulator, auf dem man sich für die kommenden Rennen in der Nähe bewerben konnte. Es wurden vier Startplätze zum Hillchaser verlost. Faktisch war es ein Wettbewerb vor dem Wettbewerb, denn es gewannen nicht Zufallsopfer, sondern die Schnellsten auf dieser Rolle. Die Berichterstattung zum Rennen gibt es bei →Radsportnachrichten.com.

Der bekannte 800m-Kurs hat es auch baulich in sich. Auf und nieder, immer wieder! Zwar ist der Kurs in Höhenmetern topfeben, enthält aber genau vor dem Altersheim eine Art Sprungschanze in der Fahrbahn. Das Eliterennen mit seinen 100 Runden verursachte bei einigen Schwindelgefühle, und somit leider auch Stürze. Nicht nur einmal hatte der Sani zu tun. Auch physikalisch vertragen die 90°-Kurven nur ein gewisses Tempo, und wer gesehen hat wie die Jungs und Mädels da fahren wundert sich nicht mehr, dass gelegentlich die Fliehkraft ihren Tribut forderte.

Warum 100 Runden? Warum nicht 150? Manche können davon ja nicht genug bekommen. Der Rundenanzeiger war zweistellig, bei 99 war also Schluss. 99 Runden plus Startloop sind 100.

Fotografisch war es (aus meiner Sicht) eher weniger heiter. Fortsetzung meiner Experimente, und Tag der Wahrheit!

Fassen wir das mal kurz zusammen: Die Geräte von Olympus bzw. Panasonic können im Hinblick auf die Bildqualität durchaus mithalten, auch wenn MFT-Sensoren nur einen Bruchteil der Fläche ihrer Kleinbild-Äquivalente aufweisen. Da gibt es nur leider genau zwei grundlegende Probleme: Einmal – es gibt keine Profoto A1 für dieses System. Damit fehlt es an hinreichend „Durchschlagskraft“, um dem Sensor genug Licht zu liefern. Egal wo du an diesem Kurs stehst, das Licht ist eigentlich immer falsch! Oder die Autos fahren dir den Arsch ab!
Damit wären wir bei Zweitens: dem Kontrast-AF. Das ist ein Problem fast aller „Systemkameras“. Durch Wegfall des Spiegelkastens mit dem bei DSLR immer vorhandenen halbdurchlässigen Spiegel, hinter dem gewöhnlich der Autofokussensor montiert war, bleibt zur Messung nur der Sensor. Da ist also nur noch eine Kontrastmessung möglich statt der früher üblichen – und wirksamen – Phasendetektion. Während z.B. mit einer Nikon D500 die Schärfe so gut wie immer da sitzt wo sie sein soll haut dir hier der AF ab sobald das Licht knapp wird, man in den Schatten kommt oder sonstwie nicht mehr genug Kontrast da ist. Was die Werbung schreibt ist das eine, die praktische Anwendung das andere.

So habe ich denn gestern wider Willen genug Fahrkarten geschossen für etliche „Bahncard100“! Die Fotos des Renntags sind in der Bildersammlung.

Am kommenden Sonntag wartet dann Karbach, also die 34. Main-Spessart-Rundfahrt mit einigen Bundesligarennen für Elite, Junioren, Damen. Das wird aber kaum ein Thema für Fotos sein. Die Veranstaltung und ihre örtlichen Gegebenheiten rufen geradezu nach einem kleinen Film, schon alleine weil eine GH5 dazu vermutlich ausreicht und sowas mit kleinem Handgepäck zu bewerkstelligen sein dürfte. Da muss man sich nicht 20 Kg Gepäck antun, was ja ursprünglich der Auslöser meiner Versuche mit MFT gewesen war.