Packmaß

Wir packen einen Rucksack, und ich nehme mit …
Jetzt, wo wieder Rennen stattfinden, stellt sich auch wieder die altbekannte Frage: Was packe ich ein. Viele sind ja schon froh ihr Handy nicht daheim vergessen zu haben. Man hört es doch immer wieder: eine Kamera hätten wir auch mitbringen können.

Engagierte Fotografen, gleich ob Profi oder Amateur, setzen da schon andere Schwerpunkte. Schwerpunkte im Hinblick auf Tauglichkeit, und Gewicht. Im Hinblick auf Anspruch und Zielsetzung spielt es keine Rolle ob wer dafür bezahlt wird oder nicht. Beide machen im Grunde genommen die gleiche Arbeit. Egal ob im eigenen Interesse oder im Auftrag Dritter.

Die Rennveranstalter haben es nun in der Hand, ob diese Arbeit von Erfolg gekrönt sein wird, oder ob man mit leeren Händen nach Hause fährt. Erfahrungsgemäß kann man nämlich leider vergessen, aus dem Publikum heraus Bilder mit Aussicht auf Erfolg machen zu wollen. Das liegt schon daran dass dort höchstwahrscheinlich der Autofokus auf die jubelnde Masse fokussiert statt auf die Sportler, die das eigentliche Motiv waren. Man muss also so irgend möglich nach Standpunkten suchen, wo man die Zaungäste entweder nicht drauf bekommt, sie vom Bildaufbau her als Hintergrund nutzen, oder den Veranstalter nach einer Akkreditierung fragen, wenn man z.B. auch als Amateur einen Blog über den Sport schreibt. Bei Kriterien, die oft um einen Dorfplatz herum führen, eignet sich beispielsweise der Ausgangsbereich von Kurven dafür ganz gut.

An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis: Wer nicht ganz genau weiss was er tut lässt bei Rennen das Blitzgerät anfangs besser erst mal aus! Ihr lernt im Lauf der Zeit, was geht und was nicht. Das ist eine Frage von viel Erfahrung. Am besten redet ihr mit den Fahrern und lernt aus Feedback.

Die Zusammenstellung der Technik muss gleich einer ganzen Reihe an Kriterien genügen. Sie muss variabel sein, also möglichst alle denkbaren Motive ohne langes Räumen abdecken, und zugleich die Beweglichkeit des Fotografen nicht zu sehr einschränken. Zum Umpacken ist im Rennen keine Zeit. Du reagierst entweder sofort, oder das Motiv ist weg.

Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum Fotografen während des Rennens fast immer nervös sind und für Gespräche kaum Zeit haben. Ablenkung ist in diesem Metier alles andere als förderlich.

Man kann sich leicht vorstellen: da kommen etliche Pfund Technik zusammen! Ein Spagat.

Nun bietet der Fotofachhandel ja nicht nur Rucksäcke aller Art und Größe. Schultertaschen sind bei dem, was da rein muss, ungeeignet! Du holst dir eine Rückgratverkrümmung!

Sehr empfehlenswert ist ein Zubehör aus dem virtuellen Kleiderschrank. Man kann das anziehen! Ich rede vom DPH – dem „double press harness“, eine Gurttragehilfe, an der man 2-3 Kameras festmachen kann, die dann beidseitig an dir runter hängen. Zwar schaut man so aus wie der sprichwörtliche Weihnachtsbaum, aber das ist im Wortsinn tragbarer als die alten Neoprentrageriemen. Was man nicht unmittelbar am Mann braucht ist bzw. bleibt im Rucksack. Hier also vor allem Batterien oder Akkus.

Direkt am Mann haben muss man alles, was im Rennen unverzüglich gebraucht werden kann. Ich habe das bislang aus Erfahrung so gehalten:

  • linksseitig hängt eine Sony Alpha 7R Mark IV mit einem 200-600mm. Bedarfsweise drauf ein Blitzgerät, bewährt haben sich Profoto A1. Die sind stärker als die serienmäßigen Aufsteckblitze und haben einen Akku, der sehr kurze Blitzfolgen erlaubt. Mit Geld nicht zu bezahlen wenn es beim ZIelsprint um Sekundenbruchtteile geht. Der technische Vorteil dieser Kombination ist die Möglichkeit, per Knopfdruck vom Vollformat auf APS-C umzuschalten, wodurch aus 600mm eben mal nebenbei zumindest optisch fast eine Meterware entsteht. Damit kommt man wenn es sein muss ganz schön weit.
  • rechts kommt das Brot-und-Butter-Gerät hin, eine Sony A1 mit dem 70-200mm, darauf ebenso ein Profoto A1.
  • In der Reserve für die Siegerehrung: eine Sony A7M3 mit dem kurzen 24-70mm.

Es ist besser, lieber so vorhanden eine Kamera mehr mitzunehmen als während des Rennens Objektive wechseln zu müssen! Warum? Meistens ist auch Murphy Gast bei solchen Veranstaltungen (das ist der von wegen: was schief gehen kann wird schief gehen!), und die besten Motive kommen deshalb genau dann des Wegs wenn du gerade nicht kannst, und wenn es regnet sollte man da sowieso möglichst nicht dran rum fummeln, der Dichtung wegen. Die Kameras können heute schon einiges ab, aber Dreck bzw. Wasser IM Body ist tödlich! Sorge also im eigenen Interesse dafür dass aus deinem Einflussbereich nichts anbrennen kann! Es bleiben immer noch genug andere Möglichkeiten dafür.

Kein Rennfahrer fragt nach den Fotografen, wenn es um die Wurst geht, und wer da was erben will muss das angeschlagene Tempo der Jungs und Mädels mitgehen! Futsch ist futsch, wenn du nicht schnell genug warst war es nicht gut genug.

In bestimmten Fällen, vorrangig beim MTB, ist auch ein kurzes 14mm ganz praktisch, wenn du im Gelände bist und Sprunghügel erreichbar sind. Diese Brennweite ist bei Sony im 12-24mm enthalten. Das Ganze geht natürlich auch mit Geräten der Marken Canon oder Nikon, wobei da die Stückelung etwas anders ist.

Das kauft man sich naturgemäß nicht von heute auf morgen, das ist eine Kapitalanlage von Jahren. Wer aber Sport mit Aussicht auf Erfolg fotografieren will kommt da nicht drum herum. Es ist wie beim Radsport selbst. Mit einem Hollandrad gewinnt keiner einen Hillclimb. So ein Teil wiegt eben mehr als 20 Kg, ohne Motor. Sportfotografie ist im Sinn des Wortes Ausdauer-Kraftsport, wenn man es mit professionellen Ansprüchen betreiben will.

Krafttraining der anderen Art ist das, was ich da benannt habe. Wer damit zum Rennen kommt trägt locker 10-20 Kg mit sich herum, und wer das mal einen ganzen Tag gemacht hat weiss auch was er getan hat. Was das kosten würde müsste man es neu beschaffen kann jeder selber googlen. In der Summe ist Kapitalanlage dafür das passende Wort. Da werden kleinere bis mittlere fünfstellige Beträge fällig. Alleine die aktuellen Profi-Gehäuse kosten 6-7000 Euro das Stück, und davon brauchst du mindestens zwei.

Klauen zwecklos, das meiste davon ist registriert.

Sind die Rennkurse und ihre örtlichen Verhältnisse schon aus den Vorjahren bekannt nimmt man natürlich nur das mit was man wirklich braucht! Jedes Teil, das man für die Katz mit sich rumträgt, schmälert die eigenen Erfolgsaussichten. Übergepäck ermüdet und macht lahm!
Jedes Teil, das man aus Leichtsinn zuhause gelassen hat, dann aber brauchen würde, erregt Ärgernis. Auch deswegen ist die altbekannte Fotolinie am Zielstrich genau da, wo sie gewöhnlich ist. Das ist exakt der Abstand, den ein Fotograf braucht, um mit vorgenannter Ausrüstung einen jubelnden Sieger formatfüllend einzufangen. Stehst du zu weit vorne holt dich der WA (oder deine Kollegen), stehst du zu weit hinten hast du die Hinterköpfe deiner Mitstreiter auf dem Bild.

Welche Kameramodelle renntauglich sind hängt von einigen Faktoren ab und lässt sich nicht kurz beantworten. Vielleicht schreibe ich dazu mal einen eigenen Artikel. Sagt mir doch mal ob ihr dazu was lesen möchtet.

Fährt man hingegen in den Urlaub oder macht „nur“ einen Ausflug ins Blaue zählen andere Dinge mehr, nämlich das Gewicht. „Je weniger desto besser!“ ist hier die Devise.

Klein, leicht, handlich – sind Systeme von Panasonic oder OM-Systems, wie die Kamerasparte von Olympus jetzt heisst. Gerade neu am Markt ist die OM-1. Sie ist der Nach-Nachfolger meiner E-M1 Mark II, die sich für solche Sachen recht gut bewährt hat. Solange man hier nicht ISO1600 überschreitet kommt man mit der Bildqualität gut zurecht, nur sind MFT-Systeme eben bei Schwachlicht rauschanfällig. Rauschen ist das Äquivalent dessen, was man früher beim chemischen Film Korn nannte.

Die komplette Ausrüstung passt da in einen Daypack, nur sind das dann eben auch nicht solche Monster wie oben die Auswahl von Sony.

MFT steht für Micro-Four-Thirds und basiert auf einem Sensor in der Größe 4/3 Zoll. Das erlaubt den Bau recht kleiner Gehäuse, und auch die Objektive dazu sind vergleichsweise schnuckelig klein. Unterschätzen sollte man sie nicht, es ist kein Spielzeug, auch wenn manche Festbrennweite so klein daherkommt dass sie in die Jackentasche passt! Aber es ist wie im Radladen: wenn es der alte Alurahmen tut zahlt man nur einen Bruchteil dessen, was man für Carbon würde ausgeben müssen, ohne bei der Qualität erhebliche Abstriche machen zu müssen. Die Zahlen sind da halt im Vergleich zum Vollformat andere und vergleichsweise ungewohnt.

Auch da braucht man die heilige Dreifaltigkeit. Das ist Fotografenjargon und bezeichnet die Objektive, die im „Vollformat“ oben aufgeführt sind. Bei MFT mit dem Cropfaktor 2 ist eben alles nur halb so lang. Das 24-105 mutiert zu einem 12-60mm, das bei Panasonic auch noch mit dem Label „Leica“ daherkommt. Von der Größe her nicht mehr als ein besseres Kitobjektiv, aber qualitativ top. Die Linse hat Wetzlar vermutlich nie gesehen, aber die Rechnung stammt von da.

Besonders frappierend wird das dann bei der langen Tüte. Im Format eines 70-200mm erhält man da ein 100-400mm, was im Vollformat einem 200-800mm gleichkommt, und das zu durchaus bezahlbaren Preisen. Wer weiss was ein Vollformat-800mm kostet lernt das schätzen. So ein Gerät im Volumen einer Tallboy-Bombe nimmt nur mit wer unbedingt muss. Fussball-Fotografen zum Beispiel. Für das Geld kaufen sich andere ein Auto, und kein Gebrauchtes!

Am anderen Ende der Brennweitenskala findet man sowas wie 7-14mm, was einem 14-28mm entspricht. Es gibt mit 8mm als Festbrennweite ebenso ein durchaus beachtliches Fischauge, nur muss man da aufpassen dass die Art der Abbildung nicht zur optischen Spielerei verkommt. Es gibt nicht viele Motive, die solche Darstellung abkönnen.

Gerade genanntes Gepäck ist durchaus reisetauglich, auch vom Gewicht her. Eine Kamera, drei Objektive, ein Blitzgerät. Wer es braucht findet bei Olympus mit dem 60mm-Makro auch ein sehr gutes Modell für den Garten oder das Blumenbeet. Bevor ich’s vergess – alle Objektive im MFT-System sind anschlusskompatibel. Gleich von welchem Hersteller gefertigt passen die Linsen an Gehäuse sowohl von Olympus wie auch von Panasonic (Lumix G, nicht S!).

Und nun: Gut Licht!