Wurst!

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei?

Der dumme Spruch aus der Werbung hat Facetten, die auf den ersten Blick nicht weiter auffallen. Aber nur auf den ersten Blick!

Jetzt, da es wieder Rennen gibt, wundern sich manche. Kaum noch Fotografen? Kaum noch Interesse? Woher mag das kommen?

Die Zusammenhänge wollen manche nicht sehen, liegen aber nahe. Sie sind hausgemacht.

Während Corona habt ihr euch auf „sichere Plätze“ zurückgezogen. Was da unter „Zuschauerausschlüssen“ zu verstehen ist reicht jedoch erheblich weiter, und beschränkt sich nicht darauf. Im Profifussball mag es so sein dass sich das Interesse potentieller Zuschauer auf „Gaffen und Saufen“ beschränkt. Da hocken halt welche auf der Tribüne, gucken zu, manche grölen, und in der Halbzeitpause floriert der Bierkonsum.

Das ist aber nicht allgemeingültig. Ihr hingegen habt unterschiedlos alle ausgesperrt, und knabbert jetzt an den Folgen. Man lebt auch weiter wenn man kein Rennen mehr besucht. Sei das Radsport, sei das Leichtathletik, sei das Triathlon. Schon lange hat sich deutlich gezeigt wie diese Sportarten und ihre Beteiligten zur Bevölkerung stehen. Braucht man nicht! Hauptsache die sind da wenn man kostenlos Hilfe braucht.

Dumm halt wenn die Leute mit den Füßen über diese Haltung abstimmen.

Es ist zudem ja auch so: Ihr macht euch eure Bilder gerne mit dem Handy, weil schnell verfügbar. Kann man machen. Da kommt dann halt oft irgendwelcher Pfusch bei raus. Dann darf es aber auch nicht mehr wundern wenn sonst niemand mehr Bilder macht ausser der Freundin oder der Ehefrau, wenn der Herr auf dem Podium steht. Kein Amateurfotograf und schon garnicht ein Profi braucht da noch kommen, weil sich der Aufwand vorn und hinten nicht rentiert. Wirtschaftlich nicht und emotional bei dieser Behandlung gleich garnicht!

Ausschlüsse wie dagewesen ruinieren zuverlässig die Bindung zwischen Sport und Zuschauern bzw. Medien! Einige habt ihr zugelassen, andere ausgeschlossen. Die kommen jetzt nicht mehr wieder.

Das hat doch Methode! Mir kann keiner weis machen dass das alles nur auf Gedankenlosigkeit basiert. Die Fotodienste tun schon seit Jahren alles, um uns Amateure los zu werden. Rechte hier, Rechte da! Der Tag ist nun gekommen an dem ihr merkt dass man Geld nicht essen kann.

Bei den Downhillern hat es angefangen. Wer da sonst noch in der Nähe der Startrampe stand war plötzlich „gefährlich“. Dann hat man gemeint die Menschen auch bei XC auf Abstand halten zu müssen (damit man mit einer normalen Kamera ausser Reichweite ist). Der Gehsteig beim Straßenrennen war dann plötzlich auch Gefahrenzone. Es könnte ja sein dass da versehentlich genau da wer lang fährt. Und so weiter. Eure Botschaft ist ungewollt deutlich: Wir wollen euch hier nicht dabei haben! Jetzt in Zeiten von Corona hiess es dann, alle die man nicht kontrollieren könne seien eine Lebensgefahr für alle anderen!

Die Botschaft ist deutlich, nicht?

So wurde vermutlich gewollt ein Klima geschaffen das den Besuch der Veranstaltungen unter teils hohem Aufwand nicht mehr sinnvoll erscheinen lässt. Das Vertrauen, das zu einem solchen Besuch dazu gehört wie die Butter zum Brot und die Annahme voraussetzt dort auch ungehindert fotografieren oder filmen zu dürfen, ist zerstört! Ihr wollt unter euch sein? Gerne! Da gehört dann aber mehr dazu.

Die Politik hat gewollt, dass alle einzeln bestimmen dürfen, ob jemand überhaupt Bilder machen darf. Mir braucht keiner erklären „man habe die Folgen dessen nicht gekannt!“ „Ihr habt nicht darüber nachgedacht!“ wäre ehrlicher. Dennoch, das Kind liegt im Brunnen und es ist zu spät jetzt zu jammern! Zu reparieren gibt es da auch nichts.

Jeder Fotograf kann sein Themengebiet frei bestimmen, und wenn der Sport die Botschaft ausgibt, man sei dort nicht mehr erwünscht weil es nur noch um den eigenen Profit gehe, dann darf auch nicht wundern wenn passiert was dann passieren muss.

In meinem Fall ändert sich das Interesse dann eben in Richtung „Reise, Landschaft, Blümchen“! Wobei Blumen gerade jetzt im Frühjahr ganz hervorragende und dankbare Motive sind. Die mosern nicht erst über vermeintliche Rechte um dann später zu jammern dass sie keiner mehr „lieb hat“! Auch das ist Teil des angesprochenen Vertrauens.

Sinnbildlich habt ihr erst die Mingvase aus dem fünften Stock geworfen und sucht jetzt nach Kleber um die Scherben wieder zu vereinen. Kölner sagen: Dat funzt nit!

Beispiele für solches Verhalten gibt es genug:

  • Beim Stadttheaterrennen in Gießen hat die Security trotz Zulassung das Verlassen der Fotozone angeordnet. Aussagen wie „Du kannst auch woanders fotografieren!“ zeigen deutlich dass es nicht um persönliches Verhalten geht, sondern höchstwahrscheinlich um Prinzipienreiterei. Nur ein ganz bestimmter Berichterstatter darf da was, andere nicht.
  • Ein Besuch bei einer Teampräsentation legt offen wie die Interessen liegen. Das Thema muss nicht weiter erörtert werden. Auch die Nichtnutzung angefragter Bilder ist eine Botschaft.
  • Ein anderer Veranstalter hat dieser Tage angefragt, weil er keinen Fotografen mehr findet. Schön. Die bisher gewünschten waren also nicht mehr verfügbar, da ist dann plötzlich unsereins recht? Einmal Fotofirma, immer Fotofirma! Ich höre mir deren Unterstellungen nicht mehr an!
  • Alle Triathlonveranstaltungen von Darmstadt bis Münster haben in den vergangenen Jahren eine eindeutige Botschaft ausgegeben. Jetzt dürft ihr gerne sehen wo ihr Bilder her bekommt. Nassforsche Jünglinge als Offizielle sollten erst mal lernen dass man Gäste nicht grundlos anschnauzt!
  • Was in Gilserberg beim Kellerwaldmarathon schon vor anderthalb Jahrzehnten war mit dem verhangenen Start ist auch heute anzunehmen, und zwar überall. Die damals freigesetzte Grundhaltung werdet ihr nicht mehr eingefangen bekommen. Das gilt leider für viele Bikemarathons.
  • Eure Einstellung zu Grundsätzen wie Pressefreiheit, die hier eigentliche Freiheit der Berichterstattung genannt werden müsste, ist deutlich – sie gibt es nur für bestimmte einem angenehme Fotografen! Man macht sich das Gesetz wie man es braucht indem man einfach definiert wer oder was Presse sei. Nicht mal die Regierung greift hier durch, im Gegenteil, sie stützt dieses Verhalten sogar noch!
  • Die (imho falsche) Abmahnung vom Ironman wegen Fotos am Mainufer ist ebenso unvergessen und überschattet jede kommerzielle Veranstaltung! JEDE! Auch demnächst wieder Eschborn-Frankfurt.
  • In Bensheim beim Radcross hiess es dann, hier Fotoverbot, da Fotoverbot!
  • Nicht wenige Rennen akkreditieren nur gegen Presseausweis, wobei anzunehmen ist dass man die Probleme um diese Karte kennt. Google ist dein Freund! Es ist logisch dass dann für alle anderen Interessierten eine Ausschlusserklärung greift. Zynisch wird es wenn dann erklärt wird, man dürfe ja dennoch Bilder machen. Schaut euch die Rechtsrealität in unserem Land an und begreift!
  • und die Ereignisse vom November auf der Darmstädter Rennbahn machen ebenso deutlich was los ist. Wenn ihr nicht wollt, ich muss nicht! Eine „abweichende“ Meinung zu äußern ist nicht „Beleidigung des Veranstalters“, sondern ein verfassungsmäßiges Grundrecht aller Menschen!

Da kommt dann schnell ein sehr ausgedünnter Kalender bei raus, können neue Funktionäre dann sagen was sie wollen. Es glaubt keiner mehr! Der Schierlingsbecher, den manche Vorgänger gebraut haben, ist immer noch da. Niemand braucht sich da jetzt auf „Missverständnisse“ rausreden.

Es ist über die Jahre und Jahrzehnte sehr deutlich geworden was da wie gemeint ist!