Münstertal

Das Münstertal südlich von Freiburg ist die natürliche Verbindung von der Rheinebene hinauf zum Belchen. In diesen Tagen des Frühjahrs ist das Tal gegenständlich gewordener Kitsch. Im Tal blüht es, während auf den Hochlagen der nahen Vogesen noch Schneereste liegen.

Wer mit dem Zug anreist steigt direkt vor einem Wirtshaus aus, denn der Bahnhof als Gebäude ist dort ein solches. Man kann dort gut essen, muss aber aufpassen. Manches dort ist ungewohnt, wie in meinem Fall gestern das klassische Schnitzel mit Pommes. Zu den Pommes gab es Majo und Ketchup. Die Majonnaise war aber eine Falle, denn sie schmeckte nach Senf! Dijon-Majonnaise laut Karte, nur wer rechnet schon damit? Mein Magen jedenfalls nicht, der beschwerte sich noch den halben Nachmittag! Die Mischung aus Rot-Weiss-Grün ist jedenfalls ungewöhnlich.

Den Nachmittag verbrachte ich wandernd. So ein Bergtal zwischen Markgräfler Land und Belchenplateau, voll mit Blüten und das bei schönstem Wetter – Herz was willst du mehr?

Eine Bank?

Das Tal streckt sich ganz ordentlich, und wer nur Autofahren gewöhnt ist muss sich umstellen. Öffentlicher Verkehr existiert dort abseits der Bahnlinie bestenfalls als Alibi. Ein Bus die Stunde, und das an Wochenende und Feiertagen nicht vor halb Zehn morgens. Da hilft auch die Konuskarte für Übernachtungsgäste wenig.

Ich wäre gerne mit der Bahn angereist, das aber wusste die selbst zu verhindern. Die Sperrung der Rheintalbahn wegen Bauarbeiten machte die umweltschonende Lösung unmöglich. Also blieb das Auto. Parken muss man in Münstertal gewohnt sein. Die Möglichkeiten dazu gibt es, man muss sie nur finden und nicht erwarten dass überall ein P-Schild davor steht. Laut Google war der Wanderparkplatz geschlossen, was aber nicht stimmte. Vielleicht lag es daran dass man einfach einen Platz bekam?

Den Namensgeber des Tals findet man nach etwa einer Stunde Fussmarsch etwas weiter hinten. Da steht ein Kloster, das auch noch in Betrieb ist. Davor ein großer Parkplatz. Man wird wissen warum. Natürlich sind in dem Kloster nicht nur Nonnen. Man findet da auch ein gutes Café, auch wenn das genau gegenüber vom Friedhof etwas makaber anmutet.

Naturgenuss pur. Wenn auch einer der langen Wege.

Es wurde Abend. Während die Sonne ihrem Zweitjob bei den Antipoden nachkam und bei uns zu Bett ging erschien der Mond auf der Bildfläche. Straßenbeleuchtung natürlich. Zuvor jedoch gab es noch etwas anderes zu besuchen.

Um 18 Uhr begann in einem unscheinbaren Anbau neben der Firma Gyrotonic, der aktuell wohl als Turnsaal genutzt wird, die Teampräsentation des Stop&Go Marderabwehr MTB Teams. Es ist eine der Mannschaften, von denen es im Südschwarzwald einige gibt. Einiges hat sich verändert seit meinem letzten Besuch dort 2019. Die Kernmannschaft ist an Bord geblieben, drumherum ist wenig wie es mal war. Die Folgen von Corona? Eher nicht, man dürfte es eher als natürliche Fluktuation bezeichnen.

Das seinerzeit um Vater und Sohn Schelb gegründete Team hat sich neue Ziele gesetzt und will nun professioneller auftreten. Julian, halbtags als Zimmermann tätig, hat gewiss das Zeug, um im internationalen Radsport auf dem Mountainbike Erfolge zu feiern. Meister war er ja schon. Das Foto links zeigt ihn bei einer der letzten Austragungen des Rothaus Bike Giro, einem der großen lokalen Mehretappenrennen, das dieses Jahr vom 4.-7. August ausgetragen werden soll. So man es lässt …

Da sind nun insgesamt acht Sportler unterschiedlichen Alters und halb so viele Helfer hinter der Mannschaft, die demnächst um die Welt reisen und Radrennen fahren wollen. Mancher davon auch auf der Straße, wenn gestern auch anklang dass es da wohl nicht immer so gelaufen ist wie gewünscht.

Ein gut besuchter Abend, auch wenn man im Grunde genommen wieder mal unter sich geblieben ist. Keine Presse im klassischen Sinn, auch ein Fernsehteam habe ich keins gesehen. Weshalb ich das erwähne? Unter den als Ziele definierten Punkten stand auch „den Sport voranbringen“, und dazu braucht es Öffentlichkeit. Es ist eben zu definieren, wer was warum unter Professionalität versteht. Für den einen bedeutet es zielgerichtetes Arbeiten, für andere Geldeinnahmen. In meinen Augen bedeutet es nicht, das Säckel raushängen zu lassen. Will man dem Sport wirklich helfen führt der Weg zunächst mal nicht über Geld, das kommt später dann von alleine wenn die Bedingungen stimmen. Um eben jene in die gewünschten Bahnen zu lenken muss man sich die öffentliche Meinung günstig stimmen, und da ist nicht hilfreich was derzeit bei vielen Rennen, auch in dieser Region, abläuft.

Derzeit steht sich dieser Sport durch sein öffentliches Auftreten gerne selbst im Weg. Man vergrault das Volk eher als es anzusprechen. Viele Offizielle betrachten den Sport als Kirmesvergnügen ohne es so zu nennen. Hier Sport und Rennen, da die Zaungäste, die nichts zu wollen haben sollen ausser Klappe halten und Geld ausgeben! So läuft das aber nicht!

Ich widerhole mich: Nicht wenige Veranstalter gebrauchen Formulierungen wie „Wir akkreditieren nur gegen Presseausweis!“. Der Presseausweis in seiner jetzigen Form dokumentiert aber nicht Befähigung, er attestiert ein Angestelltenverhältnis. Die Inhaber dieser Karte arbeiten als Angestellte bei einer Zeitung. Ob sie Ahnung davon haben wie man sich bei Rennen zu verhalten hat um andere nicht zu gefährden steht auf einem anderen Blatt Papier! Da gibt es ja einige, die eine Akkreditierung mit einem Freibrief verwechseln, auf der Rennstrecke tun und lassen zu können was sie wollen. Gemeint sein mag, man wolle nur geübte Fotografen. Es gibt aber auch die, die ganz unumwunden sagen wen sie als Fotograf haben wollen und wen nicht. Die lassen ganz ungeniert den Geldbeutel raushängen. Teilnehmerfotografen wollen mit ihren Bildern zunächst mal Geld verdienen, sie dokumentieren keine Rennen. Deren Bilder findest du auch nicht unbedingt am nächsten Tag in der Zeitung. Blogger will man nicht! Bloss nichts Neues! Nichts ist derzeit stockkonservativer als Sport! Das haben wir doch schon immer so gemacht? Diese Einstellung ist provinziell, nicht professionell!

Was hat dieses Verhalten bei mir bewirkt? Ich habe aufgehört um Erlaubnis zu fragen! Wenn ich noch Rennen besuche kann es Bilder geben, kann es einen Artikel geben, es kann das aber genausogut auch nicht tun. Mein Problem ist das dann nicht mehr, wenn Veranstalter vorgehen wie Graf Goks von der Anstalt! Es wird irgendwann euer Problem, denn Sponsoren haben eine zulässige Erwartungshaltung. Ich gehe damit nach meinem eigenen Bedarf um, weil ich eh keinen Einfluss darauf habe. Was andere brauchen und was dann eventuell nicht da ist kann ich nicht beeinflussen. Der Sport hat so auch die Rolle eingebüsst, die er vor Corona noch hatte.

Heraus kommt, man will nur A.K., denn andere kommen schon lange nicht mehr. Es wird aber irgendwann der Tag kommen an dem der uns allen gut bekannte und geschätzte A. nicht mehr kann, mag oder was auch sonst. Erinnert euch an das traurige Schicksal von E., den ein Schlaganfall in noch jungen Jahren aus der Bahn geworfen hat. Niemand ist davor sicher.

Sie alle werden irgendwann das tun, was andere schon vor ihnen getan haben. Die Rennen der Oberklasse haben dann quasi keinen Berichterstatter mehr! Ist es das was ihr unter professionell versteht? Zeitbombe auf Ansage nenne ich das, denn die Folgen sind absehbar. Um interessante Rennen so zu dokumentieren dass die Allgemeinheit den Wunsch bekommt, sie zu besuchen – und nur dann gibt es auch Geld, weil auch Sponsoren vertreten sein wollen wo die Kunden sind – muss man mehr tun als einen Fotografen zu haben. Man kann dort vom Platz her hinter jeder Kurve einen Fotografen oder Filmer aufstellen, und keiner davon hätte hinterher dieselben Bilder, wenn sie wirklich wollen. Das ist natürlich kein einfacher Job, und als „Bezahlung“ darf man auch nur Respekt erwarten. Geld verdienen lässt sich damit nicht, zumindest nicht kurzfristig oder einfach.