Das Kraichgau-Rennen

Obergrombach ist ein beschauliches Dorf und Stadtteil von Bruchsal, liegt am Westrand des Nordschwarzwaldes und sieht daher auch so aus. Auf und nieder, immer wieder. Die Rennstrecke erinnert etwas an die Rennen von Auenstein oder Schönaich, was wohl an der Landschaftsgestaltung liegt. Es gibt da keine wirklich ebenen Wege in Obergrombach.

Nachdem der Kurs bereits 2020 die deutschen Nachwuchsmeisterschaften gesehen hatte fand da nun die Auftaktveranstaltung zur „Müller-die lila Logistik“-Radbundesliga 2022 statt.

Die Männer/U23 hatten 12 Runden zu fahren und starteten um 9 Uhr. Zwölf Runden zu je zwölf Km gleich 144 Kilometer. Für eine Runde brauchten sie laut Zeitplan zwischen 15 und 20 Minuten. Da sich die Jungs nicht ganz an den Zeitplan hielten verzögerte sich auch der Rest. Erst war die Strecke noch nicht frei, dann verzögerte sich der Start. Die Junioren hätten um 13:30 Uhr starten sollen, es wurde knapp eine halbe Stunde später, und das nicht wegen einer ausufernden Siegerehrung. Die Renndistanz der Junioren betrug 9 Runden, dazwischen jeweils ein Rennen für Schüler und Jugend.

Der Renntag begann mit etwas Verspätung, aber nicht mit einem Kaltstart. Nach der ersten Runde war da ordentlich Musik im Zug. Von wegen „geschlossenes Fahrerfeld“! Was da in halsbrecherischer Fahrweise aus der Einführungsrunde quer über Golfplatz und Schiessbahn zurückkam war eine Perlenschnur einzelner Fahrer. Man wollte sich sortieren. Aus dem letzten Jahr hatte das Team Sauerland den Titel zu verteidigen, und lieferte sich mit der Mannschaft Lotto-Kernhaus aus Koblenz ein Rennen mit weiterer Beteiligung. Wer vorne Fahrer bei den Ausreissern hatte tat den Teufel die Nachführarbeit zu leisten. Das Resultat nach den zwölf Runden mit wechselnden Zusammenstellungen, mal zwei Ausreisser, dann geschlossenes Feld, das sich im Lauf der Zeit zerlegte und in kleine Gruppen zerfiel? Nachdem das halbe Rennen lang Abram Stockman vorne im Wind fuhr ging ihm kurz vor Schluss das Benzin aus, und er rettete sich als Fünfter über die Ziellinie, während in der letzten Runde sein Teamkollege Jon Knolle den Platz an der Spitze einnahm. Der Zieleinlauf? Fünf Mann im Zehnsekundenabstand kamen ins Ziel, dahinter gut verteilt der Rest. Kein Massensprint. Was da während des Rennens geschehen ist bekommt man als wandernder Zuschauer ja nicht wirklich mit, aber wenn man den Jungs in die Gesichter geschaut hat konnte man sehen dass im einen oder anderen ein Vulkan kochte. Zufriedenheit geht anders. Nicht mal die Sieger konnten richtig jubeln! Es sah eher nach Pflichterfüllung aus. War da mehr als man wissen darf?

Bereits recht früh, etwa nach dem ersten Drittel des Rennens, kam aus dem Fenster des Zielwagens ein Arm mit der roten Fahne. Die ersten hatten die 15 Minuten Karenzzeit verbraucht, und wurden aus dem Rennen genommen. Das ging nun jede Runde so, und etwa ein Drittel des Feldes kam daher nach meiner Schätzung nicht im Ziel an.

Fotos sagen mehr als tausend Worte? Schaut in die Bildersammlung!

Dieser Rennkurs ist etwas anders als sonst übliche Straßenkurse. Zwar bildeten breite Landstraßen die eine Hälfte dessen, der Rest aber mutete eher nach Feldweg an, gerade breit genug dass die Begleitfahrzeuge durchkamen. Darin verbaut auch eine 180°-Wende. An einem Golfplatz vorbei führte die Strecke durch Wald und Feld sowie über einen örtlichen Truppenübungsplatz, der sonst von niemandem betreten werden durfte! Zum Glück war es trocken, sonst hätte das wie das alte Spiel ohne Grenzen geendet. Ein schöner Tag, Sonnenschein, morgens frisch mit 5°, nachmittags mehr als 20. Egal was man angezogen hat, es war immer falsch!

Was es sonst zum sportlichen Teil zu sagen gibt kann man in der Presse oder beim BDR nachlesen. Die Badischen Neuesten Nachrichten haben schon einen guten Artikel online.
So muss das sein!

Ich möchte aber noch ein paar Worte zu den Randumständen verlieren, zu denen es auch etwas zu sagen gibt.

Die Politik des grün regierten Baden-Württemberg, in dem Bruchsal nun mal liegt, erklärt ungefragt von früh bis spät wie wichtig der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sei. Schaut man zu gestern in die Auskunft merkt man rasch was daran heiße Luft ist! Die früheste Verbindung am Sonntag wäre nämlich – bei Rennbeginn um 9 Uhr – nicht vor halb Elf dort gewesen, und ist nicht gefahren! So kann man ein Rennen eben nicht besuchen, und die sich daraus herleitende Botschaft ist dann, dass man die Besucher garnicht da haben will. Gekommen sind sie trotzdem, und das reichlich.

Aushänge wie vorstehend kann man in Deutschland immer dann finden wenn eine Veranstaltung angesagt ist und die Busse nicht so fahren können wie das sonst üblich ist. Wenn man da also ein relativ kleines Dorf hat und nur wenig Parkplätze sollte man doch daran interessiert sein die Besucher nicht auch noch zu nötigen mit dem eigenen PKW anzureisen. Dass die Sportler das tun müssen weil sie aus allen Ecken der Republik kommen ist schon unvermeidbar, da müssen es doch dann nicht auch noch andere mehr sein wenn alternativ auch vom Bahnhof in Bruchsal ein Pendelbus fahren könnte? Aber nein. Statt vielen Worten Taten folgen zu lassen stellt man den Betrieb ein!

So geht Verkehrswende garantiert nicht.