Kickr & Co.

Der Winter ist die Zeit, in der einer verbreiteten These folgend Radsportler gemacht werden. Nun ist es nicht immer möglich, ganzjährig draußen zu trainieren. Auch wegen Corona.

Abhilfe ist da nicht weit, und Not macht erfinderisch. Am Anfang war die Rolle. Heute sind es Kickr und Kollegen, und manche davon können sogar „denken“. Allerdings ist das nicht immer so ganz im Sinn des Anwenders. Was sich Wahoo dazu so vorstellt bereitet manche Überraschung.

Ich war einkaufen. Weihnachten ist ja nicht mehr weit, und so ein Teil tut einem vielleicht ganz gut. Soweit die Erwartung.

Die „Grundausstattung“ ist der Rollentrainer an sich. Beim Kickr V5 bleibt es jedoch nicht. Da warten noch weitere Teile auf Vervollständigung des heimischen Fitnessstudios, wie da wären Climb, Tickr, Headwind und ein Tisch(chen) für Tablet und Computer, denn man merkt schnell: ohne geht da nichts!

Die Steuerung all dieser Geräte erfolgt natürlich über eine App, und von da bis zu Zwift ist es nicht allzu weit. Damit die App mit dem Kickr reden kann braucht es einen Netzwerkanschluss, und damit wären wir bei Überraschung Nummer eins. Neben dem Stromanschluss gibt es da ein Steckerchen, das dem oberflächlichen Eindruck nach eine Buchse für ein Netzwerkkabel sein könnte. Könnte! Es ist weder RJ45, das Netzwerk mit 8 Pins noch RJ11, was mal ISDN war und mit 4 Pins auskam. Es ist eine hauseigene Speziallösung, hat 5 Pins, und um dort ein Kabel anschließen zu können gehst du nochmal einkaufen! Der Spezialadapter kostet dich weitere 99 Euro.

Dabei bleibt es aber nicht. Hast du schon mal darüber nachgedacht welche „Sprache“ dein Notebook so redet? Nein? Da wartet Überraschung Nummer zwei. Die Sensorik redet ANT+, was der Rechner ohne Dongle nicht versteht, und Bluetooth geht auch nicht immer. Aber auch dafür gibt es Adapter, natürlich extra im Zubehörprogramm. Damit das auch funzt bekommst du da gleich noch ein USB-Verlängerungskabel mit dazu. Wer weiter aus alten Tagen noch einen Garmin-Pulsgurt hat spielt auf Glück. Es kann sein dass sich die Sachen vertragen, mitunter verstehen die sich aber auch nicht, denn Wahoo hat auch da einen eigenen Pulsgurt im Programm. Pulsgurt – brauch ich nicht? Das Problem ist dass das Gebläse namens Headwind entweder durch deine Geschwindigkeit gesteuert wird, oder durch die Herzfrequenz, und ohne die bläst da nur ein laues Lüftchen, wenn du „am Berg“ Kühlung brauchst!

Summa summarum kostet der Spaß rund 2000 Euro. Nun muss man auch noch einen Laden finden, der liefern kann. Ich wohne im hessischen Ried, und der nächste lieferfähige und -willige Händler sitzt in Sankt Augustin! Das sind 170 Kilometer einfach. Alles dazwischen hat entweder nichts, oder antwortet nicht auf Anfragen.

Die beigelegte Kassette ist für Shimano 11fach. Der Adapterring für 10fach-Kassetten liegt schon bei, allerdings musst du eine passende Kassette in dem Fall nachkaufen. Falls du Campa oder SRAM verbaut hast brauchst du neben der Kassette auch noch den passenden Freilaufkörper, natürlich ebenso als Zubehör. Die sind nicht extrem teuer im Vergleich zum Rest, derzeit ist die Frage erneut eher, wer eine hat. So bekommt man Teil um Teil angedreht, was in der Summe ins Geld geht, und Vertrauen schädigt. Auch hier gilt: die Dosis macht das Gift! All das sagt dir nämlich niemand von alleine vor dem Kauf. Jedenfalls nicht so dass es ein Halblaie in Werkstattfragen auch versteht.

Pass auf dass du das nötige Werkzeug hast, oder jemanden kennst der hat!

So hapert die Sache derzeit nach fast einer Woche immer noch an der EDV, die nicht so tut wie sie soll, und die Kurz-Anleitung ist da nicht allzu hilfreich. Lädt man die Companion-App wird man gleich am Anfang von einem Anmeldedialog empfangen, von dem vorher nie die Rede war. Hier ein Abo, da ein Abo? Dass Zwift 15 Euro monatlich kostet geht in Ordnung, aber ein Abo zahlen damit man die gekauften Geräte verwalten kann?
Wahoo, geht’s noch?

Die vollständige Anleitung soll in der App zu finden sein. Es ist in meinen Augen nicht gerade seriös, dafür einen Vertrag eingehen zu sollen, dessen Konditionen nicht bekannt sind. Füllt man die Anmeldung aber nicht aus kann man die Geräte nicht in Betrieb nehmen! Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann? Hat Wahoo eventuell auch mal daran gedacht, dass sich Leute dafür interessieren, die aus welchen Gründen auch immer nicht über die insgeheim verlangte Ausstattung in Sachen EDV verfügen? Die nötige Software scheint jedenfalls z.B. für Linux nicht verfügbar zu sein, oder für Chromebooks.

Ich forsche weiter, bin allerdings im Moment ziemlich ernüchtert und schließe nicht mehr gänzlich aus, den ganzen Kram wieder einzupacken und mit dieser Begründung den Händler mit den Problemen zu konfrontieren.

Wer auch mit dem Gedanken spielt sich dem Heimtraining zuzuwenden sei gewarnt! Informiert euch lieber einmal zu gut, als später mit unerwarteten Problemen konfrontiert zu sein, die dir über den Kopf wachsen und dir das Geld aus der Tasche ziehen!

So schön wie sie dargestellt wird ist die Welt nicht!