Darmstadt-Cross

Frei nach Loriot: Wo laufen sie denn?

Wir waren gestern zwar nicht beim Pferderennen, wohl aber beim Crosslauf, und das war zum Teil sogar eine EM-Qualifikation. Ich würde mich sehr freuen wenn dieser Text nicht erneut vorsätzlich missverstanden wird, werde ich doch nicht umhin kommen hier einige Verbesserungsvorschläge einfließen zu lassen, was aber keinesfalls als Kritik gemeint ist.

Es war schön zu sehen dass auch in den jetzigen Zeiten solche Sportveranstaltungen abseits von Profifussball und desgleichen stattfinden können, wenn auch ausgesprochen abseits auf einer Waldlichtung. Da hin zu kommen war für Auswärtige schwierig, öffentliche Verkehrsmittel gab es auf dem Stadtplan schon, aber die nächste Haltestelle liegt weit und ist für Ortsunkundige schwer zu finden. Also blieb mal wieder nur die Anreise mit dem Auto. Da es in der Ecke von Darmstadt kaum offizielle Parkmöglichkeiten gibt standen die Autos wieder überall, wo sie nicht gerade den Verkehr unterbanden. Leider auch da wo es nicht immer schön war. Aber was sollte man machen? Hier könnte die Stadt noch viel verbessern, so sie denn wollte! Damit meine ich nicht Parkverbote, sondern einen Shuttlebus!

Angekommen kam man förmlich in den Zoo. Vor dem Zugang, der sich diesmal nicht am Sportplatz nebenan, sondern am Doggenclub befand, stand eine größere Schlange vor zwei Zelten, die im Abstand von wenigen Metern voneinander aufgebaut waren. Am einen stand ein Schild: Startnummern (nur Mannschaftsweise).
Was hilft es, Startnummern nur als Mannschaft abzuholen, wenn der Rest der Truppe zwangsweise im Schlepptau hintendran hing? Die mussten alle durch das Zelt nebenan, in dem junge Leute saßen und sich mühten, Impfnachweise zu lesen. Daneben stand Security, die aber meinem Eindruck nach nicht viel mehr tat als Präsenz zu zeigen.

Als ich dran war, es mag eine Viertelstunde gedauert haben, sah mich der junge Mann auf der anderen Seite des Tisches an, als wäre ich ein kleines grünes Männchen!

Sportler ist er nicht. Ist er vielleicht Betreuer? So fragte er mich, dass ich mich genötigt sah resolut aufzutreten und zu antworten: „Medien! Bin Fotograf!“ – was ja auch nicht falsch war, wenn man davon absieht dass bislang der Verband zumindest darunter nur seine eigenen Leute verstanden hat. Aber es wurde akzeptiert, ich erhielt mein Bändchen und durfte rein. Kontaktdaten hat niemand von niemandem erfasst, und auch einen QR-Code auf dem Handy kann kein Mensch lesen. Nur den Namen aufzuschreiben hilft wenig. Würde man einen Versuch der Nachverfolgung machen würde man in meinem Fall feststellen, dass es innerhalb von 20 Kilometern mindestens weitere zwei Menschen gibt die genau gleich heissen. Da wäre also ein Problem!

Off Topic: Auch ein Amateurfotograf ist ein Fotograf. Die Bezeichnung ist nicht gebunden wie ein Meistertitel. Du dürftest dich vermutlich sogar Meisterfotograf nennen, wenn du Zeugen findest die deine Bilder für meisterhaft halten. Nur sollte man ehrlich sein und sich nur dann Fotografenmeister nennen wenn man den Titel wirklich führen darf, denn der Meister ist das Ergebnis aus einer Berufsausbildung mit Prüfung. Was nach Wortklauberei aussieht ist das, was bei der Auslegung deutscher Gesetze herauskommt, auch wenn es faktisch Haarspalterei sein sollte. Bei der Frage der Zulassung von Fotografen hat es keine Rolle zu spielen ob dich jemand schickt und dich dafür bezahlt, oder ob du aus eigenem Antrieb kommst weil dich das Thema interessiert oder du einen Blog führst und somit selbst dazu schreiben willst.

Das war aber nicht weiter schlimm. Auch wenn auf dem Gelände selbst kaum jemand eine Maske getragen hat war doch jederzeit der Abstand vollauf gewahrt. So wenige waren gekommen! Sportler und Betreuer, sonst kaum wer. Im Vergleich zu den meisten Radrennen waren zahlreiche Medienvertreter anwesend, es waren aber immer wieder die gleichen Gesichter, die man im Lauf der Jahre hinreichend kennt.

Wer ein dringendes Bedürfnis hatte wurde gleich hinter dem Eingang bedient, standen da doch genau in der Abflugschneise vom Zielkanal vier Dixis. Die hätte ich woanders hingestellt, mussten doch die Sportler nach ihrem Lauf zwangsweise durch die Schlange der dort Wartenden. Diese Kontakte wären vermeidbar. Es gibt ja auch noch die Zufahrt zum Sportplatz nebenan, und in dieser abgelegenen Ecke würde das keinen stören und man könnte sie sogar mit dem LKW anliefern und später auch so wieder abholen.

Der Tag hat gezeigt dass es durchaus möglich ist schönen Sport zu zeigen ohne dafür weit zu reisen, auch wenn unsere Mitbürger aus verschiedenen Alpenländern das anders sehen mögen. „Alles flach hier!“ meinte darum auch ein Schweizer, und guckte verwundert. Wenn er wüsste wo er ist, nennt das Volk diese Wiese doch nicht völlig grundlos auch Hundewiese. Aber nicht alle Stellen dort waren flach im Sinn, dass man nicht stolpern kann. So wartete da auch mancher „Kamelbuckel“ aus aufgeschüttetem Sand auf die Läufer, und dabei verlor mindestens einer seinen Schuh. Hinderlich wenn es ums Laufen geht, und entschied in diesem Fall auch die Wertung. Vorher führend, danach weit hinten. Davon mal abgesehen stand zwischen den Flatterbändern so viel Gestrüpp dass sich ein Freischneider gut betätigen könnte.

Die Laufstrecke war ein Kompromiss, war doch die bisherige Streckenführung aus aktuellem Anlass nicht möglich, und so hätte man sich am Anfang gerne eine Drohne gewünscht, um sich Überblick zu verschaffen. Man sah nämlich zuallererst nur Flatterband! Die eigentliche Streckenführung war zwar von der Webseite bekannt, sah aber real anders aus. Wo also hingehen? Zwar durften sich Fotografen frei bewegen, das aber half nichts wenn die Übersicht fehlte. Soweit kein Problem, hatte ich doch meine lange Tüte dabei, das Sony G 200-600mm-Zoom. Zusammen mit einer Alpha 7R Mark IV und der Option zu croppen erreicht man so Brennweiten bis 900mm, und das Dank Stabi auch aus der Hand. Somit war es möglich vom Ende der Startgeraden sowohl den Start als auch eine der Kurven danach im Blick zu behalten, ohne einen Schritt zu gehen. Nicht dass ich faul wäre, aber es ist nicht ratsam im Wettbewerb auf der Strecke rumzurennen. Das musste hier auch nicht sein.

Sportlich kann ich nicht viel sagen. Coronabedingt wurden kaum Siegerehrungen durchgeführt, und Ergebnisse gibt es nur online. Sie wurden nicht mal vor Ort ausgehangen, um Traubenbildung zu verhindern. Somit möchte ich nur einige Punkte herausgreifen und bitte dafür um Verständnis. Zum Zeitpunkt meines Artikels waren noch keine Ergebnisse online. Mehr Info findet ihr beim Veranstalter.

Im Lauf der Jugend sahen wir erneut einen dominanten Tristan Kaufhold. Der Hessenmeister im Straßenlauf lief seinen Konkurrenten förmlich davon. Das Bild zeigt ihn auf der ersten Gegengeraden nach dem Start. Da hatte er schon Abstand, der später weiter wuchs. Nein, die Jungs rennen nicht gleich in die Absperrung, das ist der Kulisseneffekt aufgrund der langen Brennweite. Es geht rechts ab.

Die Rennen waren allgemein gut besucht, waren einige davon doch EM-Qualifikation, weshalb sogar Sportler aus der Schweiz angereist waren, die dann auch ihre Klasse gezeigt haben. Einer davon gewann überlegen, darf nun aber doch nicht zur EM fahren, weil er den falschen Pass hat. Die Eidgenossen haben sich da also geringfügig ins eigene Knie geschossen, auch wenn die Passregularien im allgemeinen ihren Sinn haben mögen.

Weniger gut besucht waren leider die Sprintwettbewerbe. Da waren im einen Fall gar nur vier Teilnehmer beim Vorlauf am Start, wovon einer im Finale noch die Segel strich. Da war das Ergebnis also schon vor dem Startschuss nur noch eine Frage der Reihenfolge.

Wie fast schon üblich wurde es nur zu einem Zeitpunkt kurz nach dem Mittag richtig voll am Start. Das waren die Kinderrennen. Bei den Läufen der U10 und U12 standen auf der einen Seite die Eltern Spalier, auf der anderen Seite stand die Jury. Insgesamt war es ein attraktives Ereignis für die, die sich damit etwas auskannten. Für andere wiederum blieb es ein Buch mit sieben Siegeln, was sich an manchem Gesichtsausdruck offenbarte. Viele lobten die Kuchentheke, für die ich als Fotograf leider keine Zeit fand. Ich war gekommen um Bilder zu machen, nicht um Kuchen zu essen.

Nun haben wir den Salat! 112 Gigabyte Daten sind das Resultat meiner Bemühungen, die ihr in meiner Sammlung findet. Manche Bilder sehen so aus dass der Eindruck entstehen könnte ich habe mitten auf der Rennstrecke gestanden. Das ist jedoch eine optische Täuschung!

Wer sich wundert warum in meinen Beiträgen nur noch so wenig Bilder enthalten sind möge sich bewusst werden was „rein redaktionelle Nutzung“ eigentlich bedeutet. Bilder dienen dabei lediglich zur Erläuterung, und die Nachricht ist in diesen Fällen immer nur, wer gewonnen hat. Man kann Datenschutz haben, dann muss man sich aber klar machen was das dann heisst! Die Bilder in diesem Beitrag zeigen die Sieger des jeweiligen Wettbewerbs und haben somit Nachrichtenwert. Alle anderen Motive des Tages sind demnächst in meiner Sammlung zu sehen, zu der Zugang nur mit einem Kennwort besteht. Die Nutzung des Kennworts bedeutet, meine Spielregeln zu akzeptieren. Sorry, geht nicht mehr anders!