Qual der Wahl

Jeder Sportler kennt das! Die Auswahl des richtigen Materials entscheidet mit über Erfolg oder Niederlage.

So ist das auch in der Fotografie. Auch wenn manche das anders sehen, im Grunde genommen sind Kameras für einen Fotografen Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger.

Dabei ist es herzlich egal ob man Geräte von Canon, Nikon, Sony, oder wie sie alle heißen, verwendet. Das nötige Zubehör muss vorhanden und erhältlich sein, eine Sache die heute zweifelhafter ist denn je! Heute muss man damit rechnen dass die Marktführer reihenweise Dinge bewerben die sie garnicht liefern können. Leider ist das so.

Was soll ich jetzt da nehmen? Willst du Sport fotografieren, und davon will ich heute reden, führt der Weg zur „heiligen Dreifaltigkeit“!

Das ist nicht der Sonntags Morgens in die Kirche. In Fotografenkreisen ist mit diesem Ausdruck etwas anderes gemeint, nämlich drei bestimmte Objektive. Alle haben eine Öffnung von 2,8, sind also vergleichsweise lichtstark, und damit leider auch groß, schwer und teuer.

Für Urlaubsreisen ist das eindeutig überdimensioniert, da tut es ebensogut eine Sony Alpha 6600.

An Brennweiten deckt das ab, was gewöhnlich gebraucht wird, nämlich auf Vollformat bezogen 16-35 mm, 24-70mm und 70-200mm. Wer es braucht ergänzt das Ganze nach oben mit einem 300mm oder einem Zoom wie dem Sony 200-600mm. Bei sehr viel Action am Set ist vielleicht ein zweites Body anzuraten. Da muss man in entscheidenden Momenten nicht wechseln. Murphy ist ja immer mit dabei, und wenn es dumm kommt fährt der Sieger ins Ziel während du da am Fummeln bist.

Off topic: die Zusammenstellung an Brennweiten ist naturgemäß kein Zufall. Ebenso wie gerade im Radsport die Fotolinie am Ziel genau dort ist wo man sie kennt. Von dort decken sich nämlich die Entfernung zur Ziellinie mit den dann vorhandenen Bildwinkeln. Das ist angewandte Trigonometrie, wer will kann nachmessen. Der rechte Winkel ist auf der Ziellinie, die Höhe des Fahrers bekannt. Wie weit man da bei bekanntem Winkel in Abhängigkeit zur Brennweite weggehen muss ist Mathematik. Da ist dann auch die Fotolinie, was für ein „Zufall“.

Da kommen ein paar Kilos zusammen, und so empfiehlt sich auch die Anschaffung eines passenden Rucksacks sowie z.B. eines Tragegeschirrs wie dem Sunsniper DPH (double press harness), der bis zu drei Gehäusen aufnehmen kann. So trägt sich’s besser, auch wenn du da wie ein Weihnachtsbaum gut behangen daherkommst.

Was eignet sich an Gehäusen? Das ist garnicht so leicht zu beantworten! Waren früher Canon und Nikon eindeutig im Vorteil hat heute Sony diese Rolle weitgehend übernommen. Die liefern einen ganzen Blumenstrauss an verschiedenen Geräten für fast jeden Zweck, von der A1 über die ganze A7-Reihe bis hin zur A9. Auflösung oder Tempo sind auch heute noch die konkurrierenden Eigenschaften, die sich kaum sinnvoll vereinbaren lassen. Eine hohe Auflösung bedeutet fast immer eine gewisse Trägheit und Rauschanfälligkeit, während hohes Tempo so gut wie immer mit geringerer Auflösung des Chips wie auch enormen Preisen einhergeht. Was da an Daten je Zeiteinheit produziert wird muss ja erstmal irgendwo hin bis es auf die Speicherkarten geschrieben werden kann, also braucht eine schnelle Kamera auch mehr (teuren) Speicher als eine langsame.

Dazu sollten wir vielleicht einen kleinen Exkurs in die Vergangenheit unternehmen.

Früher war ja alles besser. Oder doch nicht? Zu Zeiten des analogen Diafilms musste die Belichtung perfekt passen, da gab es keine Chance auf nachträgliche Korrekturen. Heute regelt man das im gewissen Rahmen am Computer, sofern man Zeit hat. Amateure haben sie gewöhnlich, die Kollegen von der Presse nicht. Die sind darauf angewiesen möglichst schnell zu liefern, denn der frühe Vogel fängt auch da wieder den Wurm. Ebenso musste man seinerzeit mit dem Film leben der sich gerade in der Kamera befand. Mal war der zu schnell, mal zu langsam. Passend war er selten. Schnell und langsam beziehen sich dabei auf die Empfindlichkeit. War die zu hoch gewählt gab es grobkörnige Bilder, die sich schlecht vergrößern liessen – war er zu geringempfindlich gab es bei schlechtem Licht gar keine Aufnahmen!

Was damals das Korn war findet heute seine Entsprechung im Bildrauschen. Zwar steht immer noch ISO am entsprechenden Regler, es wird technisch aber ein Verstärker geregelt. Jeder Sensor hat seine ganz spezifische Grundempfindlichkeit. Welche das ist muss man austesten. Sie liegt erfahrungsgemäß zwischen 100 und 400 ASA nach altem Maß. Was der Sensor da liefert ist ja ein elektronisches Signal, das von Natur aus immer auch ein gewisses Mass an Grundrauschen enthält. Verstärkt man dieses Signal, verstärkt man auch das Rauschen. Auf die Fläche eines Sensors passen nun immer nur eine gewisse Menge an Pixeln, auch bekannt als Fotowiderstände, die das Signal erst erzeugen. Ist die Kamera hoch auflösend, hat also viele Megapixel im Datenblatt stehen, fallen die Zellen naturgemäß kleiner aus als bei Modellen mit geringerer Auflösung, liefern also auch ein entsprechend schwächeres Signal. Das muss dann mehr verstärkt werden, und damit sind diese Modelle auch rauschanfälliger.

Will man also eine Szene bei Dunkelheit aufnehmen ist man vermutlich mit einer gering auflösenden Kamera (z.B. 20 Megapixel) besser bedient als mit einem Pixelmonster (z.B. 50 Megapixel). So bekommt man rauschärmere Bilder, die für den Zweck immer noch bei weitem ausreichen, und wenn man es noch dazu mit unbewegten Motiven zu tun hat kann man ein Stativ nehmen, lang belichten und somit hohe „Empfindlichkeiten“ umgehen.

Das geht natürlich nicht bei schnell bewegten Motiven wie einem Radfahrer im Zielsprint. Ebensowenig wie bei grellem Sonnenschein, wo gerne die Schokoladenseite im Schatten liegt. Frei nach Murphy: wo Licht ist ist auch Schatten! Nun kann kein Sensor sowohl hell als auch dunkel zugleich richtig abbilden, das geht immer nur im Rahmen dessen, was der Entwickler vorgesehen hat. Die Fähigkeit, helle und dunkle Stellen richtig wiederzugeben, ist begrenzt. Man muss hier also was tun!

Was man tun kann beschränkt sich in der Praxis auf das Blitzgerät! Gerade bei Kaiserwetter ist das enorm nützlich. Man kann die Schatten auffüllen, also im Nahbereich zusätzlich ausleuchten. Damit bekommt man wieder ansehnliche Aufnahmen statt Scherenschnitte. Manchem gefällt das nicht, kommt der Blitz doch oft überraschend. Wir reden hier jedeoch von Technik und nicht von Psychologie! Jeder Sportler muss wissen dass da, wo ein Fotograf steht, auch ein Blitz herkommen kann.

Man kann also beim besten Willen nicht abschließend sagen welche Kamera wofür die beste ist! Man kann nur sagen, dass man eine schnelle Kamera mit mäßiger bis mittlerer Auflösung gut einsetzen können wird, und auf die Pixelmoster nur bei relativ unbeweglichen Motiven und gutem Licht zurückgreifen sollte. Also zum Beispiel beim Zielsprint eine Canon R6 einsetzen und bei der Siegerehrung z. B. eine Sony A7R4, so man braucht. Die Auflösung bestimmt natürlich auch über die Dateigröße und über die Verarbeitungsgeschwindigkeit mit, das sollte man ebenso bedenken.

Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es im Fotobereich heute weniger denn je. War das früher weitgehend nur davon abhängig ob eine Kamera einen Film schnell durchziehen konnte, und der Film kameraunabhängig war, sind heute die Möglichkeiten sehr vielfältig und eine Entscheidung sehr individuell. Natürlich auch in Abhängigkeit vom Geldbeutel, Fotografie ist in der Anschaffungsphase ein teures Hobby!