Königshammer-Cross 2021

Viel gelernt habe ich vorgestern unfreiwillig in Baiersbronn.

Das Tal der Hämmer ist sowas wie ein belebtes Museum. Sollte unbedingt besuchen wer da vorbeikommt! Da steht etwas abseits eben der Königshammer, ein Schmiedemuseum mit langer Tradition neben dem noch aktiven Werk. In der Nähe auch ein Denkmal, die größte Sense der Welt mit einer Höhe von anderthalb Mann. Da waren dann auch Start und Ziel, und quasi aus der Esse gab es Rote Wurst. Super!

Was auf dem Papier einfach aussieht ist in der Realität gerne kompliziert, und was in der Theorie eigentlich garnicht schiefgehen kann entwickelt in der Praxis ein Eigenleben. So auch dieses Videoprojekt.

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In dem Film von knapp 15 Minuten Länge seht ihr Ausschnitte aus den Rennen der Jugend, der Junioren sowie der Masters.

Aus der Ausschreibung konnte ich nicht erkennen wie das Ganze live vor Ort aussehen würde. Also habe ich kurzerhand beschlossen, mich ins Auto zu setzen, am Samstag da hin zu fahren und nachzusehen. Mehr dazu hier. Es war eine gute Entscheidung, auch wenn man sich solchen Luxus nicht jedes Mal erlauben kann.

So hat sich dort herausgestellt, dass die Zeitangaben hinsichtlich der Wege etwas euphorisch waren. Die angesagten zehn Minuten galten bei Dauerlauf, wenn der Allmächtige hinter dir her war. Praktisch durfte man sie glatt verdoppeln. Das erste Rennen der Schüler habe ich nicht erreicht, der Start um 10 Uhr fand ohne mich statt. Schuld daran waren einige Sonntagsfahrer auf der Autobahn, unter denen einige E-Mobilisten aus falsch verstandener Sparsamkeit die MIndestgeschwindigkeit nur auf ausdrückliche Aufforderung zu fahren bereit waren und mit weniger als 80 Sachen dahin schlichen! Die Folge war ein kapitaler Stau.

Auch wenn zwei Sony A7 Mark III an sich nicht schwer sind, ich merkte dort angekommen doch rasch die garnicht herbstliche Temperatur. Selten war ich so grundlos zuvor bei etwa 24°C ins Schwitzen gekommen. Da wird doch nicht mehr dahinter stecken?

Vor der Rennstrecke stand auf dem Weg ein Tisch, dahinter zwei nette Leute. Bist du geimpft? Zertifikat, Luca, Zettelkrieg! Was werde ich froh sein wenn das mal wieder vorbei ist!

Als ich dann endlich das grüne Armband hatte kamen die Schüler mit den Hobbyfahrern gerade aus der zweiten Runde zurück. Während ich mich umsah und einige Probeaufnahmen machte kam einer davon vorbei und wollte unbedingt auf’s Bild, weil er sei der Schönste hier.

Der Tag fing ja gut an! Satz mit X. Wer sich wie ein Erpel auf Brautschau vorkommt sollte vielleicht am Sonntag Morgen doch lieber ausschlafen. Filme machen ist Konzeptarbeit, und wenn man damit anfängt hat man quasi das fertige Endprodukt schon im Kopf. Da passt sowas dann garnicht rein. Das Konzept macht man davor zuhause anhand der Erfahrungen, die man bei vorherigen Rennen gesammelt hat. Das ist vielleicht dann auch der Pferdefuss bei der Sache, wenn man vor Ort merkt dass das Plänchen nicht aufgeht. Das ist wie ein Schleicher beim Rennen. Dir bleibt dann nicht viel mehr als zu retten was zu retten ist! Das Risiko ist eingebaut weil ein Rennen eben keine Theaterprobe ist, die sich jederzeit wiederholen lässt.

Viele waren es nicht, und mich beschlich da schon das Gefühl dass die Sache mit dem Film anders laufen könnte als gedacht. Ein Video daraus zu machen ist ja mehr als eine Aneinanderreihung von Einzelbildern. Man möchte den Ablauf verfolgen, was angesichts des dort stattfindenden Einzelzeitfahrens kaum möglich sein würde. Am Start der Jugend und der Junioren standen jeweils nicht mehr als drei bzw. vier Mann, die beiden mit ihnen zusammen fahrenden Mastersklassen waren da zahlenmäßig mehrfach so stark.

Man darf nicht vergessen, dass am selben Wochenende in Gedern MTB-DM für den Nachwuchs war, und viele dort zugange waren.

Inzwischen sind die Ergebnisse online, und ich kann ein paar Worte über die Rennen selbst verlieren, soweit ich sie gesehen habe. Da es regelmäßig einsame Fahrten waren gab es hinsichtlich der Resultate wenig zu erörtern. Radsport ist diesbezüglich wie ein Sumpf. Wenn es blubbert tauchen gerne mal lange vergessene Namen wieder auf. So auch bei den Masters2.

Hannes Genze … Den kennen wir doch noch irgendwo her?
Stimmt. Der ehemalige Mountainbike-Meister ist inzwischen als Trainer bei Stuttgart tätig, hat sein Fach aber ganz und garnicht verlernt und war auch nicht aus der Übung. So hat er denn auch zusammen mit dem Serriger Tim Harig ein „Paarzeitfahren“ veranstaltet, das zum Schluss sogar noch mit einem Zielsprint endete, auch wenn beide da schon lange als Sieger ihrer Klassen feststanden. Den hat Tim gewonnen.

Das Rennen zuvor, die Jugend, war eigentlich schon am Ende der Startgeraden entschieden. Drei Fahrer am Start. Sie legten gleich tüchtig los und so war der Stand nach der ersten Runde eigentlich auch schon das Endergebnis. Es gewann Jonathan Frasch aus Laichingen.

Erwähnenswert war zuvor schon der Mut von Caroline Kohler, die aus Stuttgart kommend alleine in der weiblichen U15 antrat. Gegen die Jungs hatte sie keine Chance. Da macht es auch nichts wenn sie in einer Steilabfahrt versehentlich das Flatterband als Absturzsicherung gebrauchte. Die Stelle war für viele „etwas steil“. Es galt das olympische Motto: Ankommen war alles, denn Ankommen hiess gewinnen.

Die Siegerehrung der U19 zusammen mit den Masters2 beendete für mich den Tag. Dabei wurde es dann „kommunistisch“ – die Siegerpreise stiftete ein ortsansässiger Sponsor, die Firma SHW Schmiedetechnik. Deren Produkte sind unter anderem Hacke und Spaten. So haben die „alten Herren“ nun Werkzeug für den Garten.

Weitermachen? Unter den angetroffenen Bedingungen erschien das wenig sinnvoll. Der Film war da schon eine Viertelstunde lang und hat damit das Limit für Youtube erreicht, und weitere Aufnahmen hätten nur die Teilnehmer geändert, nicht aber die faktische Handlung oder die erreichbaren Standorte. Wie schon gesagt, alle Brücken waren unpassierbar da Rennstrecke. Also wären andere Aufnahmeorte nur unter langen Anmärschen zu erreichen gewesen, wofür die Rennen zeitlich zu kurz sind. Dabei wäre in etwa Folgendes herausgekommen: Start – eine Runde – Ziel. Das ist wenig sinnvoll, außer man macht den Beitrag für das Fernsehen. Die leben von 90 Sekunden und wollen nur wissen wer die Elite gewonnen hat.

Am Schluss meines Videos seht ihr die beiden Siegerehrungen, und dabei leider auch das Verhalten mancher Anwesender, die auch hier wieder nur daran interessiert waren, selbst zu haben was sie brauchen. Dass da andere nicht mehr fotografieren, geschweige denn filmen können, ist da wohl eher egal. Das sind gewöhnlich auch mit die ersten die schreien wenn sie bei anderen mit auf dem Bild sind. Ich weiss, ihr denkt euch nichts dabei. Solches Verhalten ist dennoch ärgerlich und völlig unnötig. Würde man sich mal absprechen hätten alle was davon!

Es war, als hätte der Herrgott seine Hand im Spiel gehabt. Zurück am Auto führte mich mein Rückweg über den Bahnhof, und was stand da herum und rauchte? Die 58er der Ulmer Eisenbahnfreunde, auch bekannt als „badische G12“. Sehr schön! Parkplatz gesucht und gefunden, als hätte den jemand extra dafür hingestellt, Krempel geschnappt und ab zum nahe gelegenen Bahnübergang, wo ich gerade noch rechtzeitig ankam um die Ausfahrt im Bild festzuhalten.

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Hat sich doch gelohnt, die Reise in den Schwarzwald?! Wenn ich jetzt noch herausfinde warum mich meine A1 in Grüsen so erbärmlich hat hängen lassen – zwei Drittel der Bilder waren unscharf weil der Autofokus seinen Job nicht machte – kann ich das nächste Mal wieder mit Bildern angreifen. Man sieht sich am Mittwoch Abend im Wald! So dort alles klappt folgt am Samstag eine Fahrt nach Nordhessen, wo die Melsunger TG ihr Bergzeitfahren veranstaltet. Das ist zwar offiziell ein Straßenrennen mit Einzelstart im Minutentakt, endet aber gewöhnlich irgendwo im Acker! Dazwischen hat man teilweise herrlichen Talblick, gleich gegenüber vom Friedhof. Schade dass es den Bewohnern dort nichts mehr nützt.