Königshammer-Cross Baiersbronn

In der Schweiz gibt es ein Tal der hundert Täler, im Schwarzwald in der Nähe von Freudenstadt Baiersbronn. Dort hat man ein Tal der Hämmer mit so bezeichnenden Straßennamen wie „Am Sensenhammer“, „Am Königshammer“, und so weiter und so fort.

Sind die behämmert? Mitnichten! Die können Cross!

Es war ein wetter-technisch herrlicher Sonntag gestern in Friedrichstal, einem von ziemlich vielen Stadtteilen von Baiersbronn bei Freudenstadt, allerdings – finde ich – könnte man da noch einiges verbessern. So zum Beispiel das Meldeergebnis, das doch recht bescheiden geblieben ist mit nicht sehr viel mehr als einem Dutzend Teilnehmern je Rennen. Dafür können Marcus Bangert und sein Team nichts, es ist der durch die Terminverschiebungen verursachten Ballung an Rennen geschuldet. Derzeit finden an jedem Wochenende mindestens drei Rennen parallel statt, und man kann nur eins davon besuchen. Dicke Salami, scheibchenweise? Deshalb fiel bei mir auch der Besuch z.B. in Gedern ins Wasser, auch wenn es mal nicht regnete.

Eigentlich begann das Wochenende nicht nur für mich schon am Samstag mit einem aufklärenden Besuch am Ort. Von da auch die eingefügten Bilder, der Rest dauert noch. Es war klar dass das, was ich mir vorgenommen hatte, an einem Tag alleine nicht zu machen war. Es waren gut investierte Kilometer, denn da war einiges nicht ganz so wie in der Ausschreibung dargestellt. Zehn MInuten Fussweg klingen halt harmloser wie eine halbe Stunde Marsch. Mit dem schweren Gepäck eines Fotografen wäre das reichlich beschwerlich geworden. Also, wo bitte geht’s nach Hollywood? Wir machen Film, oder versuchen es zumindest. Nach Heimkehr am Abend deutete sich schon an, dass es damit schwierig werden würde, aber Hindernisse sind dazu da, überwältigt und beiseite geschafft zu werden. Wenn das nur so einfach wäre wie man sich das wünscht!

„Wir haben keinen Fotografen!“

So wurde ich empfangen als mir Marcus am Samstag erstmals seit langem wieder über den Weg fuhr, stets mit Streckenaufbau und Training beschäftigt. Ja, oh Wunder! Dafür könnt ihr nichts, ich weiss, es ist aber so dass sich die Leute merken wie sie anderswo abgehandelt werden! Und wie andere sie immer noch abhandeln! Der akut gewordene Fotografenmangel ist ein Ergebnis aus „Wir akkreditieren nur gegen Presseausweis!“ Kein Amateur muss sich da noch engagieren, und die Gewerblichen kommen auch nicht! Die können und müssen rechnen, und es ist leicht nachvollziehbar warum sich der Aufwand auch für die langsam nicht mehr rechnet.

„Sind Sie von der Presse?“

Man wird das immer wieder gefragt, sobald man mit einer Kamera da aufschlägt, und langsam nervt es. Hat denn nur die eine Daseinsberechtigung? Es ist ja gerade „die Presse“, die notorisch leugnet dass auch Blogs Pressearbeit leisten können, und deren Dachverband durch Vorenthalten des Presseausweises ein Gutteil des Problems verursacht. Ich weiss dass gerade wir Blogger in der Welt vieler gerade Älterer nicht vorkommen, machen inzwischen aber den größten Teil der Medienarbeit. Dass Akzeptanz bei vielen nicht da ist wo man sie braucht ist inzwischen ja altbekannt, und so habe auch ich gestern niemanden gesehen der Verdacht erregt hätte von der schreibenden Zunft zu sein. Aber die Teamvertreter mit ihren Handys, sie waren wieder da als es zur Siegerehrung ging, und sie haben bestätigt was ich spätestens nach Grüsen nicht mehr leugnen konnte: meine Fotos werden nicht gebraucht! Wer sich ohne Rücksicht auf andere prominent so ins Bild stellt dass keiner sonst mehr Bilder machen kann sagt damit ohne Worte etwas aus! Von da her war also die Entscheidung für Film die richtige, auch wenn das Ergebnis sich später als ungenügend erweisen sollte. Andere reden, ich habe es wenigstens versucht. Dazu aber gleich.

Soweit ich das beurteilen kann war die Premiere gestern aus sportlicher Sicht das Optimum dessen, was man aus den örtlichen Gegebenheiten herausholen konnte. Leider ließ wie schon gesagt der Zuspruch doch arg zu wünschen übrig, auch seitens der Zuschauer, die seit langem mal mit 3G zugelassen waren. Geimpft, genesen oder getestet – anmelden und Kontakte nachverfolgen in der freien Luft. So langsam nervt es!

Die verhältnismäßig kleinen Starterfelder hatten für meinen Bedarf verheerende Wirkung. Schon nach der ersten Runde hatte sich das jeweilige Feld so auseinander gezogen dass nur noch Einzelfahrer unterwegs waren! Ein Video lebt nicht von schönen Bildern alleine, es braucht eine Handlung. Wo aber je Runde nur Einzelzeitfahren ist gibt es solche nicht. Keine Überholungen, kein Kampf um Plätze. Alle warten bis das Ziel erreicht ist, aber das kann man nicht gut als Film zeigen. Man sieht wie gesagt Einzelne durchs BIld fahren, das kann der erste, aber ebensogut auch irgendwer sonst sein. Hinzu kamen die ewig langen Wege.

Das Veranstaltungsgelände rund um den Sportplatz konnte virtuell in zwei Zonen aufgeteilt werden. Vorne Start und Ziel am Königshammer, hinten ein Gelände rund um den Spielplatz. Dazwischen aber ein Flüsschen, und alle Brücken darüber waren Bestandteil der Rennstrecke und damit für Fussgänger wie Medienschaffende nicht passierbar. Hier bedarf es bei der nächsten Austragung dringend eines Fussgängerstegs, denn um außen rum zu laufen reicht die Zeit nicht. Die Rennstrecke war verhältnismäßig lang, und Crossrennen werden auf Zeit gefahren. So dauern sie je nach Alter zwischen 20 Minuten und einer Stunde. In Runden ausgedrückt also zwischen drei und sechs Runden, was ebenso vielen oder wenigen Einstellungen gleichkommt. Zum Rumrennen ist da also nicht viel Zeit, und Chancen liegen lassen kann man sich nicht leisten. Genau so aber kam es!

Auch das Depot gleich gegenüber vom Ziel war dort zwar genau richtig aufgehoben, half mir aber nichts. Bei dem schönen Wetter hat kaum wer das Rad gewechselt, dort war also Langeweile angesagt.

Für die Fahrer weniger lustig waren diverse Durchsagen das Reglement betreffend.

Nach dieser Vorstellung ist Radcross eine Wintersportart, und wo man eher mit Matsch und Regen kämpft sollte das Problem der Nahrungsversorgung keine wirkliche Rolle spielen. Gestern waren es aber mehr als zwanzig Grad Celsius im Tal der Hämmer, und so musste darauf hingewiesen werden dass man am Rad eine Trinkflasche mitnehmen durfte. Man durfte sich aber keine reichen lassen. Es hieß also, mit dem halben Literchen auszukommen. Wettbewerb im Wettbewerb.

Apropos Nahrungsversorgung …
Das Häuschen mit der schönen Aufschrift „Königshammer“ enthielt nicht nur eine offene Schmiede, aus der dröhnende Geräusche drangen. Man kann eine Esse – das Feuer für die Stahlbearbeitung – wohl auch vorzüglich als Grill missbrauchen. Die Bratwürste waren empfehlenswert!

Und nun werde ich mich ab heute Abend einer Rettungsaktion widmen und versuchen zusammen zu bauen was eigentlich nicht zusammen bleibt. Es fehlt der Leim!
So doch noch ein Wunder eintritt später mehr an dieser Stelle.

Baiersbronn ist ein sehenswerter Ort, nicht nur wegen diesem neuen Rennen. Ich werde sicher nochmal an einem anderen schönen Herbsttag demnächst wiederkommen. Man kann da durchaus eine Woche mit Wandern und Fotografieren verbringen, ohne dass es langweilig wird. Nur ist eine S-Bahn je Stunde etwas wenig, um Fortbewegung zu garantieren. Die Zeit mit Rumstehen vertrödeln will gewiss keiner. Das Fahrplankonzept könnte man also noch etwas überarbeiten, das Manko der eingleisigen Strecke sind aber die Überholmöglichkeiten. So fand ich auf der Heimfahrt dann auch am Bahnhof, über den dort alle Wege führen, einen rauchenden Schlot vor. Gemeint ist die 58er des örtlichen Dampfbahnvereins, der Sonntags gerne mal Ausfahrten anbietet. Das war der krönende Schlusspunkt unter einen schönen Tag.