Bahn, die Vorletzte

Langsam aber sicher neigt sich die diesjährige Sommerbahnmeisterschaft ihrem Ende zu, war gestern doch der vorletzte Termin der Serie. Kommenden Mittwoch ist dann zum Abschluss großes Würstchenessen für alle Teilnehmer.

Es ist Tradition, die Rennen mit einem geselligen Beisammensein zu beenden. Diesmal, unter dem Eindruck der Pandemie, etwas kleiner, aber auf Ansage.

Ebenso traditionell sind gewisse Überraschungen, die vorher nicht auf dem Programm gestanden haben, aber ebenso wie alles andere auch zum Bahnradsport dazugehören.

Was ein Ausscheidungsfahren ist wissen wir. Man kann es mit dem Gesellschaftsspiel „Reise nach Jerusalem“ vergleichen, wo immer einer ausscheidet bis das Spiel entschieden ist. Nun aber lief die Sache mal anders.

Smörrebröd oder Muppetsschow? Nein, da fuhr niemand in seltsamer Verkleidung herum, und es trat auch kein Koch auf. Dafür aber ein merkwürdiges Reglement. Ich rede vom „dänischen Ausscheidungsfahren“.

Das Rennen ist nach drei Runden entschieden, wenn man nur wissen will wer gewinnt. Eine tote Runde am Anfang, und alle zwei Runden eine Ausscheidung. Diesmal nur gewinnt, wer zuerst über die Ziellinie fährt. Das Feld fährt weiter bis ebenso die Plätze entschieden sind.

Zuvor aber begann der Abend für einige mit Überraschungen unliebsamer Art, der nämlich wenn man feststellen musste dass man das Werkzeug zuhause vergessen hatte. Ich nenne keine Namen, die tun nichts zur Sache. Ferner wenn man das Laufrad auspackt, und es beim Aufpumpen zischt. Nur eben nicht am Ventil, sondern am Schlauch. Was war passiert? Jemand hatte sich tags zuvor in der „Fachwerkstatt“ neue Laufräder einspeichen lassen, und jemand anderes hatte bei der Montage einen kleinen, aber nicht unwichtigen Zubehörartikel vergessen – das Felgenband. So spielte der Schlauch Fakir und hatte keine Lust auf Luft. Ungünstig! Merke: Wenn du es selbst gemacht hast weisst du was du gemacht hast! Leider kann man nicht alles selber machen.

Als zusätzliches Problem kam das Wetter hinzu. Wird es regnen, oder hält es? Es hielt. Aber es hielt auch einige vom Kommen ab, sodass nur eine Dame und wenige Kinder anwesend waren bis Masters und Elite das Feld auffüllten. Die größte Gruppe an diesem Abend waren also erstmal die Abwesenden. So ging der erste Teil auch rasch über die Bühne. Wir kommen wie oben beschrieben zum interessanteren Teil.

Als Abschluss des Abends 99 Runden Punktefahren? Nach dem Ausscheidungsfahren zuvor und nur fünf Minuten Pause waren dann doch einige recht platt. Man merkte es, und die Jury fluchte. Die hatte dadurch die ehrenvolle Aufgabe, das Chaos auf der Bahn zu ordnen. Wer war Spitze, wer überrundet? Ich möchte den Job nicht machen! Das gehört aber dazu.

Was auch dazugehört – Startnummern. Bitte in voller Größe und nicht in der Trikottasche versteckt. Das rief vor dem Massenstart doch einigen Ärger hervor, nicht weil Sponsorenaufdrucke unsichtbar waren, sondern weil in der Schnelle die Nummern keiner suchen kann. Die Jungs und Mädels fahren ja nicht auf Sonntagnachmittagsausflug, sondern haben es eilig. Die Jury wiederum hat keine Kamera, um nachträglich offene Fragen zu klären, sondern muss in Sekundenbruchteilen über die Punkte entscheiden.

Bilder dazu sind hier.

Am Samstag ist in Offenbach Wein, Weib und Gesang? Nicht ganz. Eins der derzeit wenigen Rennen findet im Rahmen der Festivität „Rad, Wein und Gesang“ statt. Ausschreibung hier. Maestro, Musik!

Danach ist wie gesagt mein Besuch beim Rothaus Bike Giro und der Stollengaulfraktion fällig, der vier Tage lang durch Berge und Täler führt und Unruhe stiftet. So werde ich auch zum Finale der Bahnmeisterschaft leider nicht dabei sein können.

Alles weitere muss man sehen.

Nebenbei Gesprächsthema war an diesem Abend naturgemäß auch die gerade publik gewordene „Affäre Moster“. Der Sportdirektor des BDR soll ja in Japan bei der Olympiade einen Sportler mit den Worten „Hol dir den Kameltreiber!“ angefeuert haben. Die Sache hat mehr als nur „Geschmack“, auch wenn die Bildzeitung als Quelle selbst zweifelhaft ist! Und ich befürchte dass sie nebenbei auch für uns Blogger Nachwirkungen haben könnte, wird man doch in diesen ohnehin argwöhnischen Kreisen nun umso mehr darauf achten, wo eine Kamera und wo ein Mikrofon ist. Man kann wissen dass alles, was nicht unmittelbar der eigenen Kontrolle unterliegt, da unerwünscht ist, und man bemüht sich ja schon seit Jahren da nur jene Medien dabei zu haben, denen man vorgeben kann was sie zu tun und zu lassen haben. Das betrifft nicht nur den BDR, sondern beinahe alle Veranstalter, oder wie sonst soll man erklären dass jegliche auch konstruktive Kritik gleich als Frontalangriff verstanden wird? Man will in den Medien nur Lobhudelei, ohne zu begreifen dass gerade diese anders verstanden wird als da steht. Der deutsche Sport tut sich mit den gezeigten Hässlichkeiten keinen Gefallen! Na dann – gute Nacht!

Nicht zuletzt möchte ich mal versuchen, anhand eines weitgehend unbearbeiteten Beispielfotos die Blitzlichtproblematik aufzuzeigen. Ich gebe zu dass es für Laien nicht leicht zu verstehen ist. Technische Grundlage dabei ist die Kontrastübertragungsfunktion, also die Fähigkeit lichtempfindlicher Sensoren, Helligkeitswerte zu digitalisieren. Wie das im Detail funktioniert lassen wir hier mal aussen vor, wichtig ist nur dass es dafür Grenzen gibt. Die Gesamtbelichtung kann hier nicht beliebig angehoben werden, weil sonst die von der Sonne beschienenen Teile des Gesichts ausfressen würden, was bedeutet dass dort keine Zeichnung mehr vorhanden wäre. Dasselbe gilt aber umgekehrt auch für die Schatten. Was bleibt ist also, die Helligkeitsunterschiede in bestimmtem Rahmen einander anzugleichen. Was nimmt man dazu? Blitzlicht! Dieses Bild wurde nicht aufgeblitzt und ist daher leider hart an der Grenze dessen, was vertretbar ist. Nicht dass das Bild als digitales Foto schlecht aussähe. Das Problem entsteht bei der Weiterverarbeitung, zum Beispiel beim Zeitungsdruck. Dessen Farbraum ist erheblich kleiner, und dann fährt da kein Radrennfahrer, sondern ein Scherenschnitt durch die Landschaft! Eine Redaktion würde so ein Foto vermutlich ablehnen.