The One

The One and only? Wir werden sehen …

Sony hat neue Schiffsartillerie auf die Menschheit losgelassen.

Gemeint ist, was Sony als 3 Geräte in einem bezeichnet: die A1. Einmal ein Maschinengewehr mit 30 Bildern die Sekunde am Stück solange bis die Karte voll ist, einmal ein 50-Megapixel-Monster, und 8K-Video kann sie auch noch! Das Ganze für schlappe 7299 Euro über die Ladentheke – und: Sie ist erhältlich!

Nun ist es nicht so dass die Konkurrenz schläft. Auch Canon hat mit der R5 ein solches Prachtstück im Arsenal, und das offiziell 2000 Euro billiger. Der Haken dabei ist thermisch. Wie online nachzulesende Tests ergaben soll die R5 bei zu ausgiebigem Gebrauch überhitzen. Die Sony tut das nach meinen Beobachtungen nicht! Ich habe sie getestet.

Nun ist ein Bolide wie die A1 ebenso wie die R5 nichts für jedermann. Sie ist zugegebenermaßen exorbitant teuer, und es gibt noch ein paar Details mehr, die insgesamt das Gerät für Unbedarfte unattraktiv machen. Oder vielleicht machen sollen? Da darf gerätselt werden, kolportiert die Latrine doch seit einiger Zeit Gerüchte, die darauf hindeuten dass in diesem Sommer noch weitere neue Modelle folgen sollen. Was die dann können, und ob das für Anwender interessant ist, lasse ich jetzt mal dahingestellt.

Sehen wir uns die wichtigsten Eigenschaften der A1 mal näher an:

  • 50 Megapixel
  • 30 Bilder/Sekunde
  • 8k-Video

Die ersten beiden Punkte dieser Aufzählung zielen ganz klar auf die Reportage- und Sportfotografen. 50 Megapixel lassen genug Spielraum, um bei Bedarf später in der Nachbearbeitung Ausschnitte zu berichtigen, wenn es vor Ort an der nötigen Brennweite gemangelt hat, und das Tempo des Systems wird an der Ziellinie den entscheidenden Moment hoffentlich sicher einfangen.

Soweit so gut. Nur wer braucht 8K-Video? 4k tun es schon, und für Onlinedienste tun es wohl noch lange Zeit auch niedrigere Auflösungen. Wozu also 8K? Die Antwort auf diese Frage steht im Absatz davor, wenn man zukünftige Optionen mal außen vor läßt. Wenn die Handlung etwas weiter weg stattfindet, wo man nicht immer hingehen darf, hilft die Möglichkeit zu croppen, also den Ausschnitt der Bilder nachträglich zu ändern, ungemein! Ein stabiles Stativ setze ich dabei voraus, ausser der Filmer will seine Zuseher seekrank machen. Immerhin darf man rechnerisch den 8k-Clip erheblich vergrößern bis man bei derselben Qualität angelangt ist, die 4k nativ mitbringt. Will man das bedarfsweise mit HD machen darf jetzt jeder selbst nachdenken was das heisst.

Nun weiss jeder, der sich damit mal befasst hat, dass schon 4k-Clips nicht eben klein sind. Die Fläche von 8k ist viermal so groß. Was gibt das dann für Dateimonster? So man denselben Codec nutzt mag das stimmen, die Wahrheit ist aber moderner, denn 8k wird nicht in H.264, sondern in H.265 codiert und die Clips sind nicht erheblich größer als ihre kleineren Vettern.

Hinsichtlich der weiteren Verarbeitung scheiden sich nun die Geister. Die Windows-Welt wird fluchen, der Obstladen (Apple) darf sich genüßlich zurücklehnen, denn da ist das schon immer eingebaut. MacOS nutzt als Medienbasis QuickTime, das vom Hersteller stets in der neuesten Version per Update bereitgestellt wird. Wer also einen halbwegs aktuellen Mac nutzt wird hier kaum Probleme fürchten müssen. Das gilt auch für die hauseigene Schnittsoftware. Auch Final Cut Pro X hat wie beobachtet keine Probleme mit diesen Videos, und das nicht auf taufrischer Hardware! Ein MacBook Pro der Urgroßvatergeneration darf gewiss nicht mit einem neuen Mac Pro verglichen werden, der im Laden das zehnfache kostet. Dennoch kommt hinten dasselbe Video heraus, es dauert nur etwas länger.

Anders dagegen bei der Konkurrenz. Da Windows-PCs die Installation fast jeder Hard- und Software zulassen, was Fluch und Segen zugleich sein kan, folgt daraus auch die Abhängigkeit von dem, was gerade verbaut ist. Vielfach wird versucht, nativ zu schneiden, also mit dem Quellmaterial, das aus der Kamera importiert wurde. Sofern du keinen kleinen Mainframe im Keller stehen hast wird das in der Mehrzahl der Fälle problematisch, da hier die Systemressourcen vorn und hinten nicht ausreichen! Und daran kann der Normalnutzer auch nicht viel ändern.

Ich will hier keine Werbung machen, aber das Konzept von Final Cut schlägt hier als As im Ärmel durch. Das Programm rechnet erst ganz am Schluss mit den Originalen, wenn es darum geht das fertige Video auszuspielen. Der eigentliche Schnitt wird mit kleinen Stellvertretern, sogenannten Proxies, durchgeführt, die sich das System nach Mass der vorhandenen Hardware rechnet. Das kostet zwar Zeit, mitunter Stunden, erlaubt aber danach flüssige Arbeit.

Wer die Kamera das erste Mal öffnet und die beiden Kartenschächte füllen will wird ein Defizit in Sony`s Werbung erkennen. Da passen nämlich zwei Kartentypen in denselben Schacht, abhängig davon wie man sie einlegt. Man kann die älteren SD-Karten ebenso verwenden wie die neuen CFExpress. Sony hat sich für Type A entschieden, die sind etwas kleiner. Canon z.B. verwendet Type B, die es im Handel reichlich zu kaufen gibt, auch wenn beide Sorten ein Vermögen kosten.

Etwas Nachforschung führt schnell zu der Erkenntnis, dass es für Karten der Type A genau einen Anbieter gibt, nämlich Sony selbst, und auch nur genau zwei verschiedene Modelle. Eine mit 80 und eine mit 160 GB. Wie der Fachhandel dazu meint reiche die gerade mal für rund 10 Minuten Aufnahmen. Dazu sage ich jetzt noch nichts, ich habe nämlich keine gekauft. Wie ich mit dem Verkäufer festgestellt habe genügen nämlich die alten, häufig bei Filmern noch vorhandenen V90-SD-Karten dem Bedarf vollauf, sofern man keine übermäßig langen Clips aufnimmt. Das steht so selbstredend in keinem Handbuch. Wie erste Tests gezeigt haben gibt es bei aktuellen Temperaturen und Cliplängen von 10 Sekunden damit keine Probleme, was vorerst die Anschaffung der teuren, wenn auch schnelleren neuen Karten erspart, bis sich das Angebot gebessert hat. Gerechterweise muss dazugesagt werden, dass auch die V90-Karten seinerzeit alles andere als billig waren. Wer aber welche hat braucht erstmal keine neuen.