Notschrei

Ein merkwürdiger Name für eine Passhöhe im Schwarzwald. Der Notschreipass verbindet Kirchzarten im Dreisamtal mit Todtnau, und die Straße zwischen Oberried und der Passhöhe weist manche Serpentinen auf, die fahrerisches Können erfordern. Nichts für Flachlandtiroler oder Sonntagsfahrer.

Oben auf dem Pass sieht man linkerhand zunächst mal das Hotel. Was es da sonst noch so gibt bleibt dem Vorüberfahrenden verborgen. Da liegt mitten im Wald etwas abseits das Nordic-Center, eine Trainingsanlage mit Schießbahn, und auf dem Weg vom Parkplatz zur eigentlichen Anlage stehen am Wegrand immer wieder so Schilder, deren Duktus sonst nur an Kasernen erinnert.

Die Anlage ist völlig offen zugänglich. Kein Zaun hindert einen Besucher am Umsehen. Umso unverständlicher ist da diese Sprachregelung, die an allen Enden permanent das Geld heraushängen lässt. Vielleicht sollte sich der Vorstand mal mit einem Kommunikations-Psychologen unterhalten. Solche Klauseln verpackt man in eine Nutzungsordnung, und auf die kann man auch hinweisen ohne dass es permanent nach „Graf Goks von der Anstalt“ klingt. Ferner fehlen Hinweise auf die vorhandene Videoüberwachung. Wer die zugehörige Webseite besucht kann bemerken dass es dort verschiedene Webcams gibt, und wer das nicht weiss ist bei einem Besuch weltweit im TV ohne es zu ahnen!

Was hat mich da hin getrieben?

So ganz zufällig kommt man da nicht vorbei, wenn man eigentlich 230 Km weiter nördlich wohnt. Man kann aber immer das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, und da ich ohnehin etwas in Hinterzarten zu erledigen hatte bin ich anschließend gerade mal da vorbei gefahren und habe mich umgesehen. Man kennt doch das Sprichwort: Verlass dich auf andere, und du bist verlassen! Was man selbst nachgesehen hat kennt man. Da muss man sich nicht auf sein Glück verlassen, am grünen Tisch die nötigen Entscheidungen zu treffen. Irrt man sich steht man zum Termin im kurzen Hemd da!

Gebracht hat es eine Reihe nützlicher Erkenntnisse, auf deren Grundlage ich meine Tasche packen werde, wenn ich Anfang August zum Rothaus Bike Giro komme, dessen beide Schlußetappen dort ausgetragen werden. Inzwischen ist Corona ja zum Glück soweit abgeklungen dass solche Besuche wieder möglich sind.

Die beiden anderen Etappen logieren in der Brauerei Rothaus bei Grafenhausen, nicht gerade nebenan, aber mit dem Auto gut erreichbar. Ohne Auto geht in der Region wenig, auch wenn dort viel Fremdenverkehrswerbung auf der Konus-Karte aufsetzt, die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im ganzen Schwarzwald verspricht. Das Versprechen trifft auch zu. Den Pferdefuss erkennt, wer sich den Fahrplan ansieht. Wer ein abgelegenes Haus gebucht hat dürfte Mühe haben nach dem Abendessen sein Zimmer zu erreichen. Die Logistik kann da unerwartet kompliziert werden.

Wunder sollte man keine erwarten. Der „Parkplatz“ ist nicht viel mehr als eine Schotterwüste, groß und geräumig, aber auch mit Halteverboten vollgepflastert, weshalb man schauen sollte wo man sein Auto abstellt. Es ist ein typisches Wintersportgebiet. Im Sommer wenig los. Was einem sofort ins Auge fällt sind allerdings die Camper, die sich da, wo Wind geht und es vergleichsweise frisch ist, häuslich niedergelassen haben, was niemanden wundern sollte der die Preise im Tal gesehen hat!

Ich hätte mich dort gerne noch etwas umgesehen, aber ein aufziehendes Unwetter, siehe Titelbild, gebot Eile. Mehr dann im August, sofern alles so abläuft wie ich es brauche.